Jacqueline Straub will Priesterin werden
Jacqueline Straub will Priesterin werden

Die junge Theologin Jacqueline Straub, die katholische Priesterin werden will, hat eine heftige Debatte unter den domradio.de-Followern auf Facebook entfacht. Die 25-Jährige hält hartnäckig an ihrem Wunsch fest und sieht gespannt der weiteren Entwicklung in der katholischen Kirche entgegen.

Pfr. Regamy Thillainathan
Pfr. Regamy Thillainathan

16.08.2016

Warum es keine Priesterinnen in der Katholischen Kirche geben kann "Getroffene Entscheidung"

"Priesterinnen gab es definitiv nicht" bei den Urchristen, sagt Pfarrer Regamy und kontert damit Einwände unserer Hörer und Follower. Jacqueline Straub, die katholische Priesterin werden will, hatte eine Debatte ausgelöst.

domradio.de: Sie sind mit ihren Kollegen aus der Berufungspastoral die erste Anlaufstelle im Erzbistum, wenn sich jemand zum Priester berufen fühlt?

Pfr. Regamy Thillainathan (Leiter der Diözesanstelle Berufungspastoral Köln): Ja, aber nicht nur für die Priester. Wir sind auch die Ansprechpartner, wenn junge Menschen sich die Frage stellen, ob sie einen besonderen Dienst in der Kirche wahrnehmen wollen als Pastoralreferentin, als Gemeindereferent, als ständiger Diakon oder Religionslehrerin. Also all das, was zum Aufbau unserer Glaubensgemeinschaft des Reiches Gottes beiträgt.

domradio.de: Über den Wunsch von Jacqueline Straub, katholische Priesterin zu werden, haben unsere Follower reichlich diskutiert. Wolfgang Kärmann hat z.B. auf Facebook geschrieben: "Frauenpriestertum gab es bei den Urchristen schon." Stimmt das?

Thillainathan: Das stimmt definitiv nicht. Das ist eine oft verbreitete Meinung, für die es aber keinen Nachweis gibt. Es ist schon so, dass es Diakonissen gab, aber diese Funktion der Diakonissen war nicht mit dem priesterlichen Dienst verbunden. Da gibt es noch verschiedene Forschungen und Erkenntnisse, was diese Funktion wirklich beinhaltete und wie sie in der Gesamtkonstellation der damaligen Zeit zu sehen ist. Priesterinnen gab es definitiv nicht.

domradio.de: "Die Schrift sagt nein!", schreibt Gabriele Pibast bei Facebook. Verbietet die Bibel denn ausdrücklich die Frauen-Ordination?

Thillainathan: Es ist nicht explizit so formuliert, aber die Kirche hat sich stets darauf berufen, dass der wahre Grund, wieso Männer die Priesterweihe gültig empfangen können, darauf zurückzuführen ist, dass Christus es so festgelegt hat, als er nur Männer als seine Apostel berufen hat. Daraus kann man das, wie es die Dame gesagt hat, vielleicht ableiten, aber es ist nicht so explizit formuliert worden. Aber es geht darum, dass man als Kirche auf das Handeln Jesu Christi schaut, dass man sagen kann, wenn Christus nur Männer zu Aposteln berufen hat und zwar in aller Freiheit, die er hatte, dann sind auch wir in dieser Tradition verpflichtet, dem Herrn nachzufolgen.

domradio.de: Viele Nutzer unserer Facebookseite verweisen bei dem Thema auch auf ein bekanntes Dokument von Johannes Paul II. Kevin Küpper schreibt: "Ordinatio sacerdotalis des hl. Papst Johannes Paul II gibt klare Antwort und daran sollten wir festhalten." Ist denn dieses Schreiben von Johannes Paul II. unwiderruflich?

Thillainathan: Er hat das tatsächlich im Jahre 1994 ein für alle Mal festgelegt - ich zitiere die Passage am besten einmal: "Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken, dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben." Damit ist es klar gesagt, dass die Frage der Empfängnis der Priesterweihe keine Vorschrift rein kirchlichen Rechtes ist, die etwa von der Kirche geändert werden könnte, sondern eine Vorschrift Göttlichen Rechtes. Über diese Vorschrift kann weder der Papst, noch ein Konzil noch die Kirche in ihrer Gesamtheit verfügen. Damit hat der Nutzer schon klar ausgedrückt, dass eine Entscheidung getroffen ist.

domradio.de: Viele User setzen bei dieser Frage aber trotzdem Hoffnungen in Papst Franziskus.

Thillainathan: Papst Franziskus hat, als er angekündigt hat, eine Kommission einzuberufen, die sich der Frage stellen wird, ob weibliche Diakone zugelassen werden können, klar formuliert, dass dies nicht bedeuten werde, dass irgendwann künftig eine Zulassung der Frauen für die Priesterweihe erfolgt. Das ist ein für alle Mal entschieden, da kann Frau Straub auch beim Heiligen Vater nicht mehr viel erreichen.

domradio.de: Andere Stimmen sagen: "Lasst doch die Frauen zu, dann haben wir weniger Priestermangel!" Den gibt es ja nun mal.

Thillainathan: Ja, das ist immer ein Totschlagargument. Eine ähnliche Argumentation ist auch: "Lasst doch mal den Zölibat abschaffen, dann werden wir schon mehr Priester haben." Die Erfahrung zeigt auch in unseren Geschwisterkirchen und -gemeinschaften, dass sowohl die Zulassung der Frauen zu diesen Diensten und Ämtern als auch eine Abschaffung des Zölibats gar nichts an den Zahlen ändert.

Mein Novizenmeister hat damals im Kloster gesagt: Wenn jemand kein Auto fahren kann, dann nützt es auch nicht, wenn er ein neues Auto kauft. Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir in allen unseren Diskussion immer nach neuen Entwürfen suchen, aber das, was wir haben, gar nicht wertschätzen oder soweit aufbauen, das es gelingen kann.

Ich begleite viele junge Menschen, die sich der Frage der Berufung stellen, viele junge Männer, die darüber nachdenken, Priester zu werden. Ich bin auch in der Begleitung vieler Mitbrüder und Seminaristen. Ich kann Ihnen sagen, dass weder die Frage nach dem Zölibat noch nach dem Frauenpriestertum die entscheidende Frage in ihrem Alltag ist.

domradio.de: Sondern?

Thillainathan: Es ist eher die Frage, ob man in dieser Berufung nicht überfordert wird, sowohl von den veränderten Strukturen als auch von den Erwartungen der Menschen vor Ort. Dass man unter dieser Angst leidet, dass man vereinsamt und zwar nicht im Sinne einer Partnerschaft, sondern dass man sich als Einzelkämpfer wiederfindet.

Bevor man sich die Frage stellt, was die Kirche alles verändern sollte - und es gibt viel Reformbedarf, auch in unserer Diözese - sollte man sich vorher die Frage stellen, was ich persönlich als Mann und Frau vor Ort in der Gemeinde verändern kann, damit junge Menschen mutig und freudig diesen Weg gehen und diejenigen, die "Ja" gesagt haben, auch gestärkt weiter gehen können.

domradio.de: Hat Sie etwas an den Reaktionen auf Facebook erstaunt? Können Sie schon ein Fazit ziehen?

Thillainathan: Ja, ich muss sagen, dass ich ziemlich sprachlos war. Nicht, weil so viele Menschen sich in die Diskussion hineinbegeben haben. Sondern ich war überrascht und teilweise auch schockiert über die Art und Weise, wie man sich miteinander unterhält. Facebook ist ja öffentlich, einige, die sehr vehement und mit einer scharfen Zunge auf andere eingehen, betonen auf ihren eigenen Seiten, wie wichtig ihnen Kirche, Glaube und das Katholischsein ist. Ich glaube ihnen das auch alles, aber das setzt natürlich voraus, dass wir auch eine Verantwortung hier in dieser Welt tragen, Zeugen der Gegenwart Gottes und Boten des Evangeliums zu sein. Wir sollten, und da möchte ich mich auch selbst miteinschließen, einmal überlegen, ob das, was wir verkünden sollten und das, was wir alle sein wollen, nämlich Christen, auch dem entspricht, wie wir uns in der Öffentlichkeit zeigen.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(dr)

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