Generalvikar Meiering und Verwaltungsleiter
Generalvikar Meiering und Verwaltungsleiter
Verwaltungsleiter im Erzbistum Köln

01.07.2016

Erzbistum Köln will flächendeckend Verwaltungsleiter einsetzen Mehr Zeit für die Seelsorge

Zur Entlastung seiner Pfarrer will das Erzbistum Köln in allen 180 Seelsorgebereichen Verwaltungsleiter einsetzen. Ein entsprechendes Pilotprojekt in 18 Gemeinden hat Generalvikar Meiering überzeugt. Nun läuft die Bewerbungsphase für die zu besetzenden Stellen.

"Wir haben festgestellt, dass manche Pfarrer pro Woche über 25 Stunden allein mit Verwaltungstätigkeiten beschäftigt sind", sagt der Kölner Generalvikar Dominik Meiering, "und da hatten wir die Idee, ein neues Berufsbild des Verwaltungsleiters einzuführen".

Verwaltungsleiter in katholischen Seelsorgebereichen, dieses Berufsbild gibt es bislang noch nicht. Das Erzbistum Köln führt es jetzt flächendeckend neu ein. Generalvikar Dominik Meiering ist stolz darauf – zu Recht, denn die wissenschaftliche Auswertung von Pilotprojekten in 18 Seelsorgebereichen hat gezeigt, dass der neu eingeführte Verwaltungsleiter von allen in den Kirchengemeinden sehr begrüßt wird. "Wir sind sehr glücklich, dass das Pilotprojekt in 18 Seelsorgebereichen gut funktioniert hat", freut sich Meiering. "Die wissenschaftliche Untersuchung hat gezeigt, dass es eine hohe Akzeptanz gibt."

Der Einsatz der Verwaltungsleiter sei vor dem Hintergrund sinkender Priesterzahlen und größer werdender Gemeinden notwendig, so der Verwaltungschef. Zwar gebe es ähnliche Bestrebungen in anderen Bistümern, doch sei kein Konzept so ausgereift wie das Kölner Modell.
Außerdem gebe es eine ganz neue Dynamik in den Kirchengemeinden - nicht nur im Hinblick auf die Qualität der Verwaltung, die besser geworden sei, sondern auch im Hinblick auf die Dynamik von pastoralen Prozessen, die sich dort jetzt ereigne. Zu diesen Prozessen gehört vor allem, dass der Pfarrer jetzt viel mehr Zeit für die Seelsorge hat und sich nicht mit der Leitung zum Beispiel der gemeindeeigenen KiTa beschäftigen muss. Die Verwaltungsleiter seien für die Personalführung und -entwicklung der Mitarbeitenden in den Gemeinden und Kitas sowie die Organisation in den Pfarrbüros zuständig, so Meiering.

Pfarrer bleibt "Leiter und Hirte der Gemeinde"

Auch die Mitarbeiter in den Gemeinden fühlten ihre Arbeit durch den neuen Verwaltungsleiter viel mehr wertgeschätzt. "Überall, wo die neuen Verwaltungsleiter sind, da macht man die Erfahrung, dass alle neu miteinander umgehen", erzählt Meiering, "der Pfarrer, das Seelsorgeteam, der Pfarrgemeinderat, der Kirchenvorstand, alle sind gefordert, ganz neu zu denken." Dadurch würden sich auch neue Freiräume ergeben und neue Ansprechpartner und Verbindlichkeiten entstehen. Fest stehe aber, dass der Pfarrer "Leiter und Hirte der Gemeinde bleibt". Deshalb sei es wichtig, die Aufgaben gut zu koordinieren und mit allen Betroffenen eine Vertrauensbasis zu entwickeln. Daher müsse ein Verwaltungsleiter auch Teil des Pastoralteams sein. Die zusätzlichen Personalkosten belaufen sich nach den Angaben auf jährlich bis zu 16 Millionen Euro.

Bis zum Jahr 2020 soll nun in allen 180 Kölner Seelsorgebereichen jeweils ein neuer Verwaltungsleiter eingeführt werden, kündigt Meiering an: "Wir rollen dieses System nun auf alle Bereiche unseres Erzbistums aus." Das heißt auch, dass für das neue Berufsfeld Verwaltungsleiter- oder -leiterin (Frauen sind hier ausdrücklich willkommen) in einem katholischen Seelsorgebereich jetzt viele Bewerber gesucht werden. Das sollten Betriebswirtschaftler mit Berufs- und Leitungserfahrung sein – oder einer vergleichbaren Berufsausbildung. "Wir können qualifizierte Bewerbungen gut gebrauchen", sagt Meiering, "es ist aber ganz wichtig, dass das Menschen sind, die wissen, wie katholische Kirche tickt und wie eine Kirchengemeinde funktioniert".

Positiven Rückmeldungen auf allen Ebenen

Der Leiter der Stabsstelle Verwaltungsfragen im Erzbischöflichen Generalvikariat, Heinz-Josef Schmitz, sagt, dass derzeit die Bewerbungsphase für die nächsten zu besetzenden Stellen laufe. Gesucht würden Mitarbeiter mit Hochschulabschluss und Kompetenz in Personalführung oder langjähriger Verwaltungserfahrung. "Ein solches Berufsbild gibt es ja noch nicht." Dennoch hätten es für die nächste Einstellungsphase über 160 Personen beworben, davon etwa die Hälfte Frauen.

Auch der Kölner Sozialwissenschaftler Thorsten Köhler, der mit dem Kölner Theologen Joachim Windolph die Evaluation der seit August 2015 laufenden Pilotphase erstellt hatte, berichtet von positiven Rückmeldungen auf allen Ebenen. So seien nicht nur die Pfarrer von der Entlastung angetan. Auch pastorale Mitarbeiter, Kitaleitungen und Ehrenamtliche zeigten sich dankbar für einen kompetenten und erreichbaren Ansprechpartner für ihre Anliegen.

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