Kardinal Woelki
Kardinal Woelki

03.12.2015

Kardinal Woelki verschärft Kritik an deutschen Rüstungsexporten Absurder Wirtschaftskreislauf

Rainer Maria Kardinal Woelki hat seine Kritik an deutschen Rüstungsgeschäften erneuert. Der Terror, "der seine grauenhafte Fratze seit dem 13. November auch uns Europäern entgegenhält", werde zum Teil durch unsere Waffenexporte erst ermöglicht.

Das sagte Woelki am Mittwochabend bei einem Vortrag zum Thema "Globalisierung der Nächstenliebe" in Köln.

Deutschland exportiere Waffen in einem noch nie dagewesenen Umfang. Allein 2011 sei dadurch ein Außenhandelsüberschuss von 6,7 Milliarden Euro erwirtschaftet worden. "Und wir alle verdienen daran", hob der Kölner Erzbischof hervor. Die daraus resultierenden Steuereinnahmen flössen etwa in Straßenbau und Kindertagesstätten. "In diese Kitas wollen nun auch diejenigen gehen, die genau vor diesen Waffen geflohen sind und aus deren Verkaufsgewinn sie mitfinanziert werden", machte Woelki deutlich. "Das ist eine Realität, der wir uns zu stellen haben. Und wir dürfen nicht aufhören, für solche Realitäten Bewusstsein zu schaffen."

Die Menschen in Europa und Nordamerika hätten bisher ganz gut mit all den Krisenherden im Mittleren und Nahen Osten gelebt, kritisierte Woelki. Saudi-Arabien habe seine deutschen Gewehre weitergegeben an die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), so dass nahezu alle IS-Kämpfer mit deutschen Waffen ausgestattet seien. Demzufolge machten jetzt deutsche Tornados und Aufklärungsflugzeuge deutsche Waffen ausfindig, um dann zusammen mit Nato-Mitgliedern wie Franzosen und Engländer gegen deutsches Kriegsgut vorzugehen. "Aber augenscheinlich lebt es sich damit bis jetzt ganz gut", sagte Woelki.

Flüchtlingshilfe verbindet Menschen mit der Kirche

Auf der Veranstaltung äußerte sich Kardinal Woelki auch zur Flüchtlingshilfe. Das Engagement für Flüchtlinge habe im Erzbistum Köln nach seiner Einschätzung zu einer Erneuerung geführt. "Unsere Gemeinden haben dadurch eine ganz neue Lebendigkeit erhalten", sagte der Erzbischof. Zudem lasse sich durch die vor einem Jahr im Erzbistum zugunsten von Asylsuchenden begründete "Aktion Neue Nachbarn" eine andere Klientel ansprechen. "Ich habe Menschen auf der Straße getroffen, die mir sagten, 'ich mache da mit', oder 'ich überlege, wieder in die Kirche einzutreten'", sagte Woelki.

Unter anderem angestoßen durch das breite Engagement für Geflüchtete befinde sich das Erzbistum Köln in einem großen pastoralen und geistlichen Prozess, so der Kardinal weiter. "Ich glaube noch nicht, dass das schon wirklich heruntergebrochen ist bis in die Gemeinden hinein." Doch habe es im Laufe des Jahres auf vielen Bistumsebenen, bei den Verantwortungsträgern wie auch bei den leitenden Pfarrern, Dechanten, Diakonen und den Pastoral- und Gemeindereferenten Gespräche darüber gegeben.

"Wir müssen dafür Sorge tragen, dass auch in Zukunft die Kirche vor Ort in der Fläche präsent bleibt", unterstrich Woelki. Dazu müssten in sogenannten pastoralen Räumen jeweils Netzwerke verschiedener kirchlicher Einrichtungen wie Caritas, Schule, Altenheim oder Kita als kleine christliche Keimzellen ins Leben gerufen werden. "Da wird es auf einmal völlig unbedeutend, wie groß so ein pastoraler Raum ist, wenn er durchzogen ist von vielen kleinen kirchlichen Einrichtungen unterschiedlicher Art", sagte der Erzbischof. Hier könne auch die Flüchtlingsarbeit eine Rolle spielen. Sie sei eine Form, das Evangelium in die Praxis umzusetzen, sagte Woelki.

Woelki lobt Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe

Dankbar hat sich der Kölner Kardinal für die Entscheidungen des Deutschen Bundestags zum Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe sowie zur verbesserten Versorgung der Hospiz- und Palliativmedizin gezeigt. Dies sei nicht zuletzt eine Frucht der ausführlichen Debatte um den assistierten Suizid, sagte der Erzbischof am Mittwochabend in Köln. Daran hatten sich auch die Bischöfe maßgeblich beteiligt.

Daraus ergebe sich nun eine Verantwortung für die Kirche, hob Woelki hervor. "Ich sehe hier für katholische Einrichtungen im Feld des Sozial- und Gesundheitswesens enorme Herausforderungen für die nächsten Jahre." Es gelte, dem Anspruch, wie ihn etwa der Deutsche Caritasverband mit der Aussage "Bei uns stirbt keiner allein" sehr richtig formuliere, unter den zunehmenden Wettbewerbsdiktaten gerecht zu werden, betonte der Kardinal.

Sterben in Würde bedeute in christlicher Perspektive nicht, den Zeitpunkt des Todes selbst zu bestimmen, sondern die Art und Weise des Sterbens würdevoll zu gestalten, erläuterte Woelki. Hier müssten alle kirchlichen Einrichtungen für sterbenskranke Menschen künftig Vorbildliches leisten. Erforderlich seien ein "ausdifferenziertes hervorragendes palliativmedizinisches System" sowie eine personelle Ausstattung, die Begleitung möglich mache und auch Seelsorge biete.

"Diesen Anspruch müssen wir haben, da müssen wir Vorreiter sein, weil sonst dieser Kampf, den wir in den letzten Wochen und Monaten geführt haben, ad absurdum geführt wird." Dabei dürfe die Kirche "nicht nur auf die Refinanzierung schielen", erklärte der Kölner Erzbischof. Vielmehr müsse sie sich ihre Arbeit im "Grenzbereich zwischen Leben und Tod" etwas kosten lassen. Wenn Leitbilder nicht durch Taten abgedeckt seien, "sind das alles fromme Sprüche, die man sich eigentlich sparen kann", sagte Woelki.

(KNA, dr)

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