Dompropst Norbert Feldhoff
Dompropst Norbert Feldhoff

22.10.2014

Dompropst Feldhoff geht im Frühjahr in den Ruhestand "Ich bin total eingekölscht - und bleibe in Domnähe"

Der Kölner Dompropst Norbert Feldhoff geht im Frühjahr in den Ruhestand. Mit Erzbischof Woelki sei abgesprochen, dass er kurz nach seinem Goldenen Priesterjubiläum am 11. Februar, einen Tag vor Weiberfastnacht, aufhört.

KNA: Herr Dompropst, wie lange sind Sie noch Dompropst?

Feldhoff: Bis Ende Februar oder Anfang März. Ich habe ja bereits zum 75. Geburtstag dem Erzbischof meinen Rücktritt angeboten. Am 11. Februar, einen Tag vor Weiberfastnacht, begehen ich und Domkapitular Robert Kümpel unser Goldenes Priesterjubiläum. Das will Kardinal Woelki am Sonntag zuvor mit uns im Gottesdienst im Kölner Dom feiern. Mit ihm ist abgesprochen, dass kurz danach der Ruhestand beginnt.

KNA: Und was ist mit Ihren "kindlichen Wunsch", noch bis zum 40-Jahr-Jubiläum im Domkapitel im August weiterzumachen?

Feldhoff: Da hat der Kardinal das sehr gute Argument, dass Pfarrer grundsätzlich mit 75 Jahren aufhören sollen - und dass da auch der Dompropst keine Ausnahme machen soll.

KNA: 75 Jahre alt und 50 Jahre Priester - was geht ihnen dabei durch den Kopf?

Feldhoff: Ich denke nicht, was für eine tolle Karriere. Ich denke: Was für einen Mut hatte Kardinal Höffner, mich als 35-Jährigen zum Generalvikar zu machen. Ursprünglich wollte ich nur Pastor werden. Im Studium schlug mir ein Professor vor, im Kirchenrecht zu promovieren.

Bei ihm gingen wir Eheprozesse an Originalfällen durch - dieses wahre Leben fand ich mit meiner Krimi-Ader spannend. Doch um nicht in Verwaltung oder Kirchengericht zu landen, habe ich kein Kirchenrechtsseminar mehr belegt. Trotzdem ist es anders gekommen.

Ich habe mir meine Aufgaben nie ausgesucht - nur Propst wollte ich werden und habe mich der Wahl gestellt.

KNA: Gerhard-Richter-Fenster, neuer Eingang zum Südturm, 11.000-Sterne-Aktion - was war Ihnen am wichtigsten in Ihrer mehr als zehnjährigen Amtszeit als Dompropst?

Feldhoff: Das waren alles Notwendigkeiten - wie auch die neue Beleuchtung und Lautsprecheranlage oder der neue Teppich in der Dom-Vierung. Der Südturmzugang war wie das Westfenster schon vor meiner Zeit als Propst angestoßen worden. Die Auswahl von Richter unter drei Wettbewerbern fiel in meine Amtszeit. Sehr spannend.

Gerhard Richter habe ich als bedeutenden Künstler und bescheidenen Menschen kennengelernt.

KNA: Das klingt alles sehr pragmatisch...

Feldhoff: So bin ich. Natürlich habe ich zum Dom eine hohe emotionale Beziehung. Das ist die Bischofskirche meines Bistums, aus dem ich nie weg wollte - trotz verlockender Angebote für andere Posten. Aber ich bin nicht so ein romantischer Typ, sondern gehe als total rationaler Mensch nüchtern meine Aufgaben an. Aber der Dom ist schon was Besonderes. Wir haben nicht nur die höchste Zahl an Touristen, sondern auch die meisten Gottesdienste in einer Bischofskirche: 3.500 im Jahr.

KNA: Als Generalvikar haben Sie viel mit Finanzen zu tun gehabt. Hätten Sie es für möglich gehalten, dass die Kirche wegen ihres Geldes eine Glaubwürdigkeitskrise erlebt?

Feldhoff: Verschwendung von Geld war und wird immer wieder Thema der Kirche sein. Schon in den 1950er Jahren haben wir über das goldene Telefon des Papstes diskutiert. Mit der dramatischen Zuspitzung in den letzten Monaten durch den Fall Limburg habe ich aber nicht gerechnet.

KNA: Muss sich die Kirche andere Regeln geben?

Feldhoff: Nein - zumal in Deutschland. Denn hier sind wie sonst nirgends Laien über Kirchensteuerräte und -vorstände in die Finanzverantwortung einbezogen. Und Bistümer und Gemeinden müssen ihre Haushaltspläne veröffentlichen. Ändern muss sich aber die Offenlegung des Vermögens. Bisher konnten die Bistümer aber nicht ihre Immobilien berechnen. Wie Kommunen und Länder arbeiten sie an einem Umstieg von der Kameralistik auf die doppelte Buchführung. Das ist aber kein neues Recht, sondern nur ein neues Verfahren. Damit weiß man aber noch nicht, was selbstständige Institutionen wie Kirchengemeinden, Orden, kirchliche Vereine und GmbHs oder auch das Domkapitel an Vermögen haben. Wir wollen im nächsten Jahr das Vermögen des Kapitels offen legen. Und die Kirchengemeinden, die viel mehr Grundbesitz als das Erzbistum haben, müssten auch dahinkommen. Zwingen kann man sie nicht.

KNA: Auch der Missbrauchsskandal hat die Kirche tief erschüttert. Hat Sie die Dimension überrascht?

Feldhoff: Ja. Die Fälle sind schrecklich, besonders wenn Priester beteiligt waren. Ich halte es aber für noch schlimmer, wenn Vorgesetzte vertuscht und nichts gemacht haben. In meiner Zeit als Generalvikar hat es Gott sei Dank keinen Fall gegeben, der aus heutiger Sicht unverantwortlich behandelt worden wäre. Ich war aber überrascht, wie viele Fälle durch die öffentliche Diskussion dann noch ans Tageslicht kamen. Wobei dann auch Personen beteiligt waren, denen ich das niemals zugetraut hätte. Das ist schon bedrückend.

KNA: Sie sind juristischer Experte. Hat das besondere kirchliche Arbeitsrecht noch Zukunft?

Feldhoff: Die kirchliche Grundordnung war eine der spannendsten Aufgaben meines Berufslebens. Und ich ärgere mich, dass - auch Kirchenleute - den Eindruck erwecken, dass diese sehr differenzierte Ordnung so furchtbar eng wäre. Die persönliche Lebensführung ist nur bei wenigen Beschäftigten mit leitender, erzieherischer oder pastoraler Aufgabe bedeutend. Eine katholische Klinik kann doch problemlos eine Ärztin beschäftigen, die geschieden und wiederverheiratet ist. Derzeit denken die Bischöfe darüber nach, dies auch beim Chefarzt zu akzeptieren. Einem geschiedenen Pastoralreferenten indes fehlte bei einer zweiten Verbindung schlicht die Glaubwürdigkeit, die Unauflöslichkeit der Ehe zu vertreten. Auch mit der wiederverheirateten Kindergartenleiterin habe ich ein Problem, kann mir aber auch da eine liberalere Haltung vorstellen. Es kommt immer auf den Einzelfall an - und man muss mit den Betroffenen über die Gründe und ihre Einstellung zur Ehe reden.

KNA: Und wie steht es um den Dritten Weg, der weder Streik noch Aussperrung kennt?

Feldhoff: Streik und Aussperrung halte ich für die Kirche für unangemessen. Massenstreiks sind aber auch sonst unwirtschaftlich. Da leidet nicht nur das einzelne Unternehmen wie Bahn oder Lufthansa, sondern auch das Gemeinwohl. Besser sind Verfahren, in denen man - etwa über eine Schlichtung - eine Verständigung findet. Der Dritte Weg ist die sinnvollste Art der Konfliktlösung zwischen Arbeitnehmern und -gebern.

KNA: Was haben Sie sich für den (Un)ruhestand vorgenommen?

Feldhoff: Überhaupt nichts. Ich kann gut nichts tun. Andererseits ist Arbeit für mich ein geliebter Teil meines Lebens. Insofern werde ich vor einer großen Herausforderung stehen. Ob und wie ich die löse, weiß ich nicht. Aber ich gehe dagelassen heran. Ich will aus meiner Wohnung ausziehen und in Ruhe nach einer neuen Bleibe suchen.

KNA: Sie könnten ja jetzt wieder in ihre Heimatstadt Düsseldorf ziehen...

Feldhoff: Das ist überhaupt keine Alternative. Kriegsbedingt habe ich nur elf Jahre meiner Kindheit und Jugend in Düsseldorf verbracht. In Köln lebe ich nun seit 1969, also 45 Jahre. Ich bin total eingekölscht - und bleibe in der Nähe des Doms.

Das Interview führte Andreas Otto

(KNA)

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