17.09.2014

Erzbischof Woelki im Porträt Der gute Draht nach Köln

Kardinal Woelki hat seine alte Heimatgemeinde in Köln-Mülheim gewählt, um sich der Öffentlichkeit vorzustellen. Hier zeigte er, was ihn bis heute prägt. Seine Botschaft ist schlicht: Er will dem Evangelium ein Gesicht geben.

Im Pfarrsaal von St. Bruder Klaus, der Kirche seiner Kindheit im Stadtteil Mülheim, schilderte der in Köln geborene Woelki seine enge Verbundenheit mit der Domstadt. Als Kind, als Messdiener und später als Jugendgruppenleiter habe er in seiner Gemeinde auf eine glückliche Weise eine "geschlossene, heilige, katholische Welt" erlebt, die ihm Halt und Orientierung vermittelt habe. Doch er wolle diese Zeit nicht zurückholen. Denn heute müssten in der kirchlichen Jugendarbeit in Konkurrenz zu anderen Freizeitmöglichkeiten neue zeitgemäße Formen gefunden werden.

Hohe Erwartungen

"Ich bin mit ganzem Herzen Kölner", sagt Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Doch bei all dem schönen Kölschen Gefühl verweist er auch nüchtern auf sein "Ermländisches Blut". Seine Eltern stammen aus der Ostseebucht Frauenburg, heute polnisch Frobork. Hier im hintersten Winkel der Welt schrieb der Frauenburger Domherr, Nikolaus Kopernikus, zu Beginn des 16. Jahrhunderts Geschichte. Er beschrieb das heliozentrische Weltbild des Sonnensystems, gemäß dem sich die Erde um die eigene Achse dreht und sich zudem wie die anderen Planeten um die Sonne bewegt.

Wenn auch kein neues Weltbild von ihm eingefordert wird, die Erwartungen an den neuen Kölner Erzbischof Woelki sind hoch. Viele hat er mit seinen Taten und Äußerungen in der Vergangenheit überrascht. Woelki gilt als Mann der Bescheidenheit. Geboren wurde er am 18. August 1956 im Stadtteil Köln-Mülheim, aufgewachsen in der Bruder Klaus Siedlung. Die katholische Pfarrei vor Ort hatte dort ein neues Zuhause geschaffen für Kriegsflüchtlinge und Ausgebombte. "Wir hatten ein sehr lebendiges kirchliches Leben mit einer sehr guten Jugendarbeit", erinnert sich Woelki über seine Zeit in der Heimatpfarrei. Sein Bischofswappen nimmt auch Bezug auf St. Bruder Klaus. Bis heute besteht der gute Draht zu den Menschen in Mülheim – in beide Richtungen. "Der Rainer war immer ein Thema", erinnert sich Werner Spiller aus dem Gemeindevorstand im domradio. Regelmäßig sei nach der Sonntagsmesse über Woelkis Werdegang diskutiert worden.

Gläubiges Elternhaus

Zur Familie gehören ein jüngerer Bruder und eine jüngere Schwester. Der Vater war oft auf Montage, um das notwendige Geld für den Hauskredit heranzuschaffen. "Ich hatte ein gläubiges Elternhaus, wir haben zuhause gebetet, meine Großmutter, meine Eltern haben mich dahin geprägt, das ist für mich eigentlich so selbstverständlich gewesen wie Essen und Trinken", erinnert sich Woelki.

Nach dem Abitur und Wehrdienst beginnt Woelki das Theologiestudium in Bonn und Freiburg. Er studierte beim ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann. Kardinal Höffner weihte Woelki 1985 zum Priester. Zunächst arbeitet er als Kaplan in Neuss und Ratingen. "Die Zeit als Kaplan war vor allem geprägt durch die Jugendarbeit. Das war eine wunderbare Zeit." Bis heute zehre er von der Freude, die er dabei erlebt habe, mit Menschen zusammen unterwegs zu sein auf der Suche nach Gott, erklärte er später als Kölner Weihbischof.

Nach der Kaplanszeit ernennt ihn der Kölner Erzbischof Kardinal Meisner zum Geheimsekretär, 1997 wird Woelki Direktor des Kollegiums Albertinum in Bonn und übernimmt die Ausbildung der Priester des Erzbistums.

Bischofsweihe mit 46

Mit 46 Jahren erfolgt die Bischofsweihe, zunächst als Weihbischof in Köln. 2011 wird Woelki zum Erzbischof nach Berlin berufen. Unmittelbar nach seiner Einführung dort kommt ihm die besondere Aufgabe zu, Gastgeber des Papstes auf dessen erster Station des Deutschlandbesuchs zu sein. "Ein deutscher Papst in der deutschen Hauptstadt: das ist ein Jahrtausendereignis, auf das nicht nur die Kirche von Berlin schon lange gewartet hat", sagte Woelki damals bei dem Besuch im Olympia-Stadion.

In Berlin macht der Erzbischof mit ungewöhnlichen Aktionen auf sich aufmerksam: Er bezieht eine Dachgeschosswohnung in einem mehrstöckigen Haus im Berliner Stadtteil Wedding, er nutzt gerne die öffentlichen Verkehrsmittel und mit Gästen geht er schon mal in den Imbiss nebenan. Außerdem geht er bewusst auf Kirchenferne und -kritiker zu. Zu Beginn seiner Amtszeit trifft er mit Vertretern des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg zusammen. "Natürlich gehören auch Schwule und Lesben zur katholischen Kirche, so sie das wollen und so sie natürlich auch ihren Glauben leben wollen", sagte Woelki im September in einem WDR-Interview. Die Eckpfeiler der katholischen Lehre sind für ihn jedoch unverrückbar. Mit Blick auf homosexuelle Lebenspartnerschaften sagte er, es gebe eine "Präferenz der Ehe zwischen Mann und Frau". Junge Menschen bräuchten mehr Unterstützung, in einer verlässlichen Partnerschaft in Ehe und Familie zu leben.

Beim innerkatholischen Reformprozess "Wo Glauben Raum gewinnt" und teils auch bei der anstehenden Sanierung der Hedwigskathedrale, der Hauptkirche der Berliner Katholiken, blies ihm der Wind mitunter aus den eigenen Gemeinden ins Gesicht. Der Reformprozess sieht unter anderem vor, die Gemeinden zu 30 Großpfarreien zusammenzufassen.

Der von Woelki gewählte Bischofsspruch verweist auf die Apostelgeschichte "Nos sumus testes" (Wir sind Zeugen). "Wir haben als Christen ganz klar einen Weltauftrag, unsere Gesellschaft mitzugestalten, aber wir haben das immer aus unserer christlichen Perspektive, aus unserer Gottesperspektive herauszutun", unterstreicht Woelki. Zu seiner offiziellen Amtseinführung als Erzbischof von Köln bittet Woelki an Stelle persönlicher Geschenke um Spenden für das Caritas-Projekt "Mamica" in Solingen und Wuppertal, das alleinerziehende Roma-Mütter unterstützt.

Nicht "immer korrekt und unkompliziert"

Seinen Lebensstil will Woelki auch mit seiner Rückkehr in Köln beibehalten. Er will seinen Haushalt weitgehend selbst führen – ohne Haushälterin. Die Wohnung – in der 25 Jahre lang sein Vorgänger Joachim Kardinal Meisner gelebt hatte – ließ er von 260 auf 160 Quadratmeter verkleinern.

Als absolut zeitgemäß sieht Woelki die Beichte an. Das Sakrament der katholischen Kirche sei "die permanent ausgestreckte Hand Gottes, die Bereitschaft zur Versöhnung." Er selbst habe einen persönlichen geistlichen Begleiter, "den ich nach Möglichkeit regelmäßig treffe und bei dem ich auch beichte", erklärte Woelki in einem Interview der "B.Z. am Sonntag". Seine Sünden seien vermutlich nicht anders als bei vielen anderen Menschen: "Auch mein Verhältnis zu Gott ist Schwankungen unterworfen. Auch in meinem Verhältnis zu Menschen bin ich nicht immer korrekt und unkompliziert. Zudem versuche ich, persönliches Versagen im Umgang mit Menschen zu thematisieren."

Die wichtigste Aufgabe sei für ihn als Bischof, "dem Evangelium ein Gesicht zu geben", so Woelki. Er sei kein Politiker, betonte er. "Meine Botschaft trägt den Namen Jesus Christus." Der christliche Glaube müsse jedoch zugleich Anschluss an die Gesellschaft halten. Das sei möglich, indem Kirche die Option für die Armen wahrnehme oder sich in Lebensschutz und Lebensrechtsfragen positioniere. In seinem neuen Amt will er einen ersten Schwerpunkt in der Hilfe für Flüchtlinge setzen.

Bereits seine Vereidigung in der Düsseldorfer Staatskanzlei werde er dazu nutzen, das Gespräch darüber mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) zu suchen, kündigte Woelki an. Es reiche nicht aus, die Übernahme der Krankenkosten für Flüchtlinge zu regeln, unterstrich der Kardinal. "Sondern es müssen auch Voraussetzungen für Familienzusammenführung und Unterbringung geschaffen werden."

"In seinem Namen kommen wir, in seinem Namen stehen wir. Insofern haben wir überall Gott mitzubringen, wohin wir auch gehen."

(DR, epd, KNA, dpa)

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