Viele kirchlichen Trauungen wurden im Corona-Jahr verschoben.
Viele kirchlichen Trauungen wurden im Corona-Jahr verschoben.
Der schönste Tag im Leben soll für ein Brautpaar unvergesslich sein.
Der schönste Tag im Leben soll für ein Brautpaar unvergesslich sein.
Viele kirchlichen Trauungen wurden im Corona-Jahr verschoben.
Viele kirchlichen Trauungen wurden im Corona-Jahr verschoben.
Noch vor ein paar Jahren fand der klassische Ringtausch in der Kirche statt.
Noch vor ein paar Jahren fand der klassische Ringtausch in der Kirche statt.
Wer ein detailverliebtes Fest wünscht, engagiert zunehmend häufiger einen "Wedding Planner".
Wer ein detailverliebtes Fest wünscht, engagiert zunehmend häufiger einen "Wedding Planner".
Die Kölner Hochzeitsplanerin Esra Sippel will Brautleute glücklich machen.
Die Kölner Hochzeitsplanerin Esra Sippel will Brautleute glücklich machen.
Blumenkörbchen bei einer kirchlichen Trauung.
Blumenkörbchen bei einer kirchlichen Trauung.
Weiße Tauben sollen Liebe, Treue und Fruchtbarkeit symbolisieren.
Weiße Tauben sollen Liebe, Treue und Fruchtbarkeit symbolisieren.
Auf strahlende Gesichter am Ende des Tages arbeiten Hochzeitsplaner hin.
Auf strahlende Gesichter am Ende des Tages arbeiten Hochzeitsplaner hin.
Eine perfekt gedeckte Tafel gehört zu den Aufgaben von Esra Sippel.
Eine perfekt gedeckte Tafel gehört zu den Aufgaben von Esra Sippel.
Eine Hochzeit bedeutet viel Detailarbeit; Blumenschmuck gehört dazu.
Eine Hochzeit bedeutet viel Detailarbeit; Blumenschmuck gehört dazu.

22.05.2021

Auch 2021 im Wonnemonat Mai kaum Hochzeiten "Manche Paare haben komplett die Lust verloren"

Verliebt, verlobt, verheiratet: Als ob das so einfach wäre. Viele Brautleute erleben auch nach einem Jahr Pandemie, dass das Virus ihre Pläne durchkreuzt. Ausgefallene Trauungen und verschobene Termine setzen auch den Hochzeitsplanern zu.

Nur das Ergebnis zählt. Und das sind, wenn alles nach Plan läuft, ein strahlendes Brautpaar, eine perfekte Feier und unvergessliche Erinnerungen an den sprichwörtlich "schönsten Tag im Leben". Jedenfalls wenn es nach Esra Sippel geht. Denn das ist der Anspruch, den die 32-Jährige an sich selbst stellt. Schließlich geht es ihr darum, andere glücklich zu machen, dafür auch das Unmögliche irgendwie möglich zu machen. Und aus diesem Herzensanliegen zieht sie ganz viel Motivation für das, was sie tut. Denn die gebürtige Kölnerin ist Hochzeitsplanerin – und das mit Leib und Seele.

Mit anderen Worten: Sie ist für einen reibungslosen Ablauf des gesamten Festes verantwortlich – oder auch nur eine Teilplanung. Je nach Vereinbarung. Angefangen bei der Einladung, der passenden Location und dem Catering bis hin zum Fotoshooting, den Blumen und einem Dekorationskonzept. Auch um Details wie das Make up der Braut, die Kutsche zur Kirche oder den Oldtimer zum Landhaus, die Tischkarten, die Live-Band, den DJ oder die Outdoor-Rallye für die jüngsten Gäste kümmert sich ein "Wedding Planner", ohne den in Ländern wie Amerika so gut wie nichts geht. Ob Greenery, Boho, Vintage oder klassische Eleganz, ob Schlösschen, Scheune oder Zelt – jedes Paar soll die Hochzeit bekommen, die es sich wünscht: mit allem Drum und Dran, vor allem aber individuell auf seine ganz persönlichen Wünsche zugeschnitten.

Hochzeitplanerin – ein Beruf mit Empathie

Dafür laufen bei Esra Sippel, die ihre Liebe zum "Wedding Planning" vor ein paar Jahren bei ihrer eigenen Hochzeit entdeckt hat, alle Fäden zusammen. Denn jedes noch so kleine Detail soll stimmen und diesen Tag zu einem ausschließlich positiv besetzten Erlebnis für Paare machen, die bei ihren Vorbereitungen Unterstützung brauchen, eventuell schon konkrete Vorstellungen mitbringen oder vorab keine Zeitressourcen für dieses aufwendige Fest haben. Vor allem aber will Sippel den Druck rausnehmen, stattdessen für größtmögliche Entspannung bei den Brautleuten sorgen. Dazu gehört auch, das sie am Tag selbst das Zeitmanagement im Blick behält, möglichst unsichtbar viel Kleinarbeit im Hintergrund erledigt und damit Braut und Bräutigam in jedem Moment das sichere Gefühl gibt, dass für das äußere Gelingen der Feier optimal gesorgt ist und beide ihren großen Tag maximal genießen können.

"Das ist mehr als ein Job und hat nicht nur mit Organisationstalent zu tun", sagt Hochzeitsplanerin Sippel über ihre Arbeit. Schließlich gehe es um nichts weniger als die Erfüllung eines Traums. Und jede Hochzeit sei nun mal etwas sehr Persönliches. "Dabei beflügeln mich immer wieder neu die vielen positiven Emotionen dieser sehr unterschiedlichen Liebespaare." Aber dafür müsse natürlich auch die Chemie stimmen. "Das ist das A und O, wenn man sich in intensiver Abstimmung ein paar Monate gemeinsam auf den Weg macht", findet sie. Und man brauche viel Empathie in diesem Beruf, um in die Menschen hineinzuhorchen und herauszufinden: Was wünschen die sich? Welche Geschichte steckt hinter diesem Paar? Wohin soll es gehen?

Es geht immer um zwei Menschen und ihre Liebe

Als erfahrene Eventmanagerin und nach insgesamt fast 200 Hochzeiten, die sie für ihren früheren Arbeitgeber ausgerichtet hat, verfügt Esra Sippel heute nicht nur über viel Know how, sondern auch ein großes Netzwerk an Dienstleistern, was Voraussetzung für diese Tätigkeit ist. Spricht sie eine Empfehlung für eine Location, einen Fotografen oder Floristen aus, muss die Qualität stimmen. "Ich lebe von Verlässlichkeit und dem Vertrauen, das mir Menschen entgegenbringen. Ohne diese Basis geht es nicht. Ich verkaufe kein fertiges Produkt, und zuallerletzt geht es dabei um mich selbst. Vielmehr biete ich als Beraterin nur meine Begleitung bei diesem wichtigen Schritt an."

Scouten, scouten, scouten laute daher auch ihre Devise: immer wieder nach neuen Orten und Anbietern suchen, mit denen eine Zusammenarbeit zum Erfolg, das heißt, zur Zufriedenheit der Kunden führt. Zumal Sippel Hochzeiten nicht nur in Köln und Umgebung, sondern in ganz Deutschland ausrichtet; sogar fürs Ausland hat sie im Hochsommer Anfragen. „Das erfordert noch mehr Recherche und noch mehr Emailverkehr, aber wir machen alles möglich, selbst wenn der Sehnsuchtsort Venedig heißt, weil das Paar damit vielleicht die Erinnerung an ein romantisches Date verbindet.“ Könne sie dann mit ihren Ideen und Inspirationen dazu beitragen, dass Menschen ihren Traum lebten, sei das für sie und ihre Mitarbeiterinnen das größte Geschenk. "Das treibt mich an", erklärt die junge Frau. "Es ist die Kirsche auf dem Sahnehäubchen, wenn sich am Ende monatelanger Vorarbeit ein Fest in seiner ganzen Pracht entfaltet und ich nur in glückliche Gesichter schaue." Schließlich gehe es immer um zwei Menschen, ihre Liebe und deren gemeinsame Reise.

Von Corona voll ausgebremst

Esra Sippel füllt ihren Beruf mit Leidenschaft. Das sieht man ihr an, wenn sie beim Erzählen schnell ins Schwärmen gerät. "Ich freue mich, auf diese Weise so viele unterschiedliche Menschen kennenzulernen und sie im entscheidenden Moment glücklich zu sehen." Trotzdem liegt ihre letzte Hochzeit lockdownbedingt schon eine ganze Weile zurück. Just im März des vergangenen Jahres hatte sie den Sprung in die Selbständigkeit gewagt, „weil ich mein eigenes Ding machen wollte und davon überzeugt bin, dass Menschen mit uns Freude und Spaß haben können“, sagt sie über ihr noch junges Unternehmen "The great wedding". Statt täglicher Routine mal die eigenen Flügel ausbreiten – dieses Ziel geht sie mit viel Enthusiasmus an.

Doch schon wenige Tage später bremst Corona sie voll aus. Alle bereits gebuchten Termine werden abgesagt oder verschoben. Das bedeutet von jetzt auf gleich den Verlust von Einnahmen, aber auch von Sicherheiten, wie und wann es für heiratswillige Paare weitergehen wird. Denn wer will sich schon im allerkleinsten Kreis das Ja-Wort geben und nicht einmal die beste Freundin umarmen dürfen?

Manche Paare resignieren nach zweimal Verschieben

"Seit einem Jahr fangen wir alle Emotionen auf, die mit einer geplatzten Hochzeit einhergehen, trösten oder bieten inzwischen sogar den dritten Termin in Folge an. Das heißt, wir beginnen mit unserer Arbeit immer wieder von vorne: suchen wieder neu nach einem Termin und passen auch das Programm noch einmal aktuell an." Ob Kirche und Pfarrer, freie Trauung und Redner – so oder so hingen da viele, viele Stunden dran. "Dabei hatten wir im Winter noch geglaubt, dass die Frühlingshochzeiten nicht gefährdet sein würden. Nun aber stellt sich heraus, dass selbst die Verschiebung um ein ganzes Jahr nichts gebracht hat."  Manche Paare würden zwischenzeitlich sogar ganz resignieren und gar nicht mehr heiraten wollen. "Die haben komplett die Lust verloren. Für die ist das Thema durch."

Bis zu neun Monaten dauere in ihrem Metier normalerweise die Saison. "Wir hatten 2020 bereits Aufträge bis weit in den Oktober. Sogar eine Winterhochzeit auf der Alm kann originell sein, so dass wir eigentlich das ganze Jahr über gut zu tun gehabt hätten, dann aber erst einmal alles auf Null runterfahren mussten." Nachdem nun auch in diesem Mai jedes Wochenende vollständig ausgebucht gewesen, aber dann alles abgesagt worden sei und auch die Juni-Paare längst einen Rückzieher gemacht hätten, hoffe sie nun auf Juli. Doch das sei wie ein Blick in die Glaskugel. Letztlich wisse niemand, wie es in sechs Wochen aussehe.

Paare wollen bei großem Fest keine Abstriche machen

"Und trotzdem", hält Esra Sippel dagegen, "die Hoffnung stirbt zuletzt. Die hält uns am Leben. Es hilft ja nichts. Wir müssen das Beste daraus machen und umdenken: von einem Saal mit 150 Gästen zu einer kleineren Gesellschaft draußen an der frischen Luft mit einem funktionierenden Hygienekonzept." Auch in Zukunft gelte es, mit dem Virus zu leben. Zelt- oder Gartenhochzeiten seien sowieso gerade sehr im Kommen und könnten mit chicer Deko auch viel Atmosphäre versprühen. Schließlich wählten ohnehin mittlerweile gefühlt weit mehr als die Hälfte aller Paare eine freie Trauung – ohne Kirche und ihre traditionellen Rituale. Das entspreche längst gängigem Trend.

Der Evangelische Kirchenverband Köln und Region jedenfalls verzeichnet bei den Eheschließungen innerhalb des Corona-Jahres einen Rückgang von etwa 80 Prozent. Das Erzbistum Köln erhebt seine Statistik erst zum Sommer. Doch vermutlich gibt es dort pandemiebedingt einen vergleichbaren Einbruch beim kirchlichen Ja-Wort. Im Vergleich dazu eher geringfügig abweichende Zahlen führt bei den standesamtlichen Trauungen das Kölner Rathaus. Diese sind eher grundsätzlich rückläufig. Wurden 2018 noch 6179 Hochzeiten pro Jahr registriert, 2019 dann 5660, waren es 2020 mit insgesamt 5365 nur knapp 300 weniger als im Vorjahr. Trotz Corona. Allerdings bis zum 15. Mai in diesem Jahr auch erst 1121. Schlussfolgerung: Vor allem bei der aufwendigen kirchlichen Feier wollten hunderte heiratswillige Paare keine Abstriche machen und sich mit einer überschaubaren Festgesellschaft begnügen. Dann lieber verschieben und unter besseren Vorzeichen einen neuen Versuch starten.

An ausgefallenen Hochzeiten hängt für viele die Existenz

So hat das auch Esra Sippel erlebt. Nachdem sich über Monate im wahrsten Sinne des Wortes so richtig niemand getraut hätte, es an einem Stück nur Stornierungen gegeben habe und neue Anfragen stagniert hätten, fasse sie erst allmählich wieder Mut, gesteht sie. Angesichts der sinkenden Inzidenzzahlen läge zurzeit zumindest wieder ein Hauch von Euphorie in der Luft, beschreibt die Hochzeitsplanerin ihre Gefühlslage. Trotzdem stört sie am meisten, dass die Politik für fast alles einen Fahrplan habe, nur für die Eventbranche nicht. Diese falle durch sämtliche Raster. "Lange hatten wir keinerlei Perspektive", klagt sie.

Das hat sich nun geändert. Ganz aktuell gibt es für das Land NRW auch beim Thema Hochzeiten nun Öffnungspläne. Ab einer Inzidenz unter 50 sollen private Veranstaltungen mit 50 Gästen im Innenbereich und 100 Gästen im Außenbereich wieder möglich sein. "Ein erster Schritt in die richtige Richtung, der uns natürlich freut", zeigt sich Sippel erleichtert, hat aber auch Mitgefühl für alle Kolleginnen und Kollegen, die die Lockdowns wirtschaftlich nicht überleben. Viele aus der Event- und Gastronomie-Branche müssten pandemiebedingt gerade Konkurs anmelden, weiß sie, weil diese ohne staatliche Hilfen ihren Betrieb nicht am Leben halten könnten. "Es bricht mir das Herz zu sehen, wie viele Existenzen daran hängen, die gerade kaputt gehen. Viel zu lange wurden wir einfach nicht gesehen."

Aufgeben, wo sie doch gerade erst durchstarten wollte, ist für Esra Sippel dennoch keine Alternative. Dafür ist sie bei ihrer Arbeit viel zu sehr mit dem Herzen dabei. "Ich liebe es einfach, Menschen zu inspirieren, kreativ zu sein und Wünsche zu erfüllen“, betont sie und fügt fast trotzig hinzu: „Diese Freude lasse ich mir auch von Corona nicht nehmen."

Beatrice Tomasetti
(DR)

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