Tabuthema "Sexualität im Alter"?
Tabuthema "Sexualität im Alter"?

16.09.2019

Tabuthema "Sex im Alter"? "Sexualität an sich hört bis zum Tod nicht auf"

In Filmen, in Serien, im Internet: Überall fallen heutzutage ganz selbstverständlich die Hüllen. Sexualität im Alter ist aber trotzdem noch ein Tabuthema. Zu Unrecht, meint Helene Maqua, zuständig für Altenhilfe beim Diözesan-Caritasverband.

DOMRADIO.DE: Man könnte fast auf die Idee kommen, dass bei Senioren Sexualität gar nicht mehr vorkommt. Was ist da dran?

Helene Maqua (Leiterin der Abteilung Altenhilfe beim Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln): Obwohl wir ja in wirklich aufgeklärten Zeiten leben, hält sich dieses Tabu ziemlich hartnäckig, dass Sex im Alter überhaupt keine Rolle mehr spielt. Da leben wir noch in Zeiten des vorigen Jahrhunderts, dass irgendwann in einem Alter das Bedürfnis aufhört, insbesondere, wenn Menschen auch noch pflegebedürftig werden. Da ist sicherlich ein bisschen dran, dass mit zunehmendem Alter auch Lust und Verlangen abnehmen. Aber, die Sexualität an sich hört bis zum Tod nicht auf.

DOMRADIO.DE: Unangenehm für beide Seiten kann es natürlich auch im Seniorenheim werden, wenn Pflegekräfte in ein Zimmer herein schneien, wo gerade Zärtlichkeiten ausgetauscht werden, oder?!

Maqua: Ja, das kann für beide Seiten unangenehm sein. Dafür gibt es aber auch die Möglichkeiten in den Einrichtungen, die Zimmer abzuschließen oder auch mit dem Personal zu sprechen: Hier bitte gerade nicht stören. Warum auch nicht?

DOMRADIO.DE: Bei dem Thema sollte man nicht vergessen, dass es im Seniorenheim auch zu sexualisierter Gewalt kommen kann. Wie werden Pflegekräfte dafür speziell sensibilisiert?

Maqua: Wir haben hier im Erzbistum Köln die Prävention zum Schutz von erwachsenen Schutzbefohlenen gegen sexuellen Missbrauch sehr ausgeweitet. Wir haben alle ein institutionelles Schutzkonzept in den Einrichtungen und Diensten, auch in den ambulanten Diensten erarbeitet. Das Personal wird geschult und in diesen Schulungen legen wir Wert darauf zu zeigen, dass der Mensch mit seinen Bedürfnissen und seinen Wünschen im Mittelpunkt steht, aber auch zu sehen, wo denn die Wünsche wirklich aufhören und wo der Wille eines anderen anfängt.

Das kann auch bei Bewohnern untereinander sein, dass zum Beispiel ein demenzkranker Bewohner immer in ein Zimmer einer anderen Bewohnerin geht, die das gar nicht möchte. Da muss natürlich auch das Personal eingreifen. Es muss auch eingreifen, wenn es zu nicht ganz offener aber latent sexualisierter Gewalt in der Sprache kommt. Auch bei Angehörigen kann das vorkommen oder Menschen, die sonst in eine Einrichtung kommen. Ohne das jetzt alles absolut hoch zu hängen, soll man doch da sehr sensibel reagieren.

DOMRADIO.DE: Sie haben es angedeutet: Auch ältere Menschen haben Bedürfnisse. Sexualität ist auch gesund. Trotzdem ist es ja noch immer ein Tabu. Warum?

Maqua: Es ist ein Tabu, weil die Gesellschaft eher über die Jugend geprägt ist und Sexualität wird mit Jugend, Zeugungsfähigkeit und Kinderbekommen gleichgesetzt. Sexualität geht aber auch darüber hinaus. Sie bedeutet ja auch Intimität, bedeutet Vertrauen von Partnern zueinander. Und das ist im Alter genauso gegeben.

DOMRADIO.DE: Was würden Sie sich wünschen. Was muss sich ändern im Umgang mit Sexualität im Alter?

Maqua: Ich denke, wir brauchen eine deutlich größere Gelassenheit, gerade auch in den Einrichtungen. Dass man da ein bisschen mehr darauf achtet: Wer hat denn überhaupt noch welche Bedürfnisse?

Das Interview führte Aurelia Rütters.

(DR)

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