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Spielstunde in der Kita

28.08.2017

Studie: Qualität von Kitas wird besser Der Wohnort ist entscheidend

Baden-Württemberg mit Bestnoten, Sachsen am Schluss: Laut einer Studie hängt die Betreuung in Kitas stark vom Wohnort ab. Besser wären bundesweite Standards, so der Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder.

Die Studie "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann Stiftung ist am Montag vorgestellt worden und bescheinigt den deutschen Kindertagesstätten (Kitas) erhebliche regionale Unterschiede. Die Bildungschancen hingen maßgeblich vom Wohnort ab. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK), Frank Jansen, plädiert deshalb für vergleichbare Standards bundesweit. "Für uns sind eine hochwertige Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern eine nationale Aufgabe, der sich der Bund nicht entziehen kann", begründet Jansen seine Forderung nach einem verstärkten Engagement des Bundes.

Weniger Kinder pro Erzieher

Für die Studie wurden erstmals die Personalschlüssel der 402 Kreise und kreisfreien Städte ausgewertet. Es zeigt sich: Nach dem Kita-Ausbau der vergangenen Jahre machen sich die Investitionen in eine bessere Ausstattung verstärkt bemerkbar. Kümmerte sich vor fünf Jahren noch eine Erzieherin um durchschnittlich 4,8 Kinder unter 3 Jahren, waren es im vergangenen Jahr 4,3 Mädchen und Jungen. In den Gruppen mit den Kindern ab 3 Jahren verbesserte sich der Personalschlüssel von 9,8 auf 9,2 Kinder pro Erziehendem.

Betreuung in Westdeutschland besser

Generell ist die Betreuungssituation in Westdeutschland besser als in Ostdeutschland. So betreut eine Erzieherin in den alten Bundesländern durchschnittlich 3,6 Krippenkinder, während es in den neuen rund 6 Mädchen und Jungen unter 3 Jahren sind. Traditionell besuchen hier allerdings auch mehr unter 3-Jährige eine Einrichtung: Rund 52 Prozent dieser Gruppe werden in Ostdeutschland in einer Krippe betreut, während es in Westdeutschland 28 Prozent sind.

Auch bei der Betreuung der über 3-Jährigen schneidet der Westen besser ab: Dort kommen 8,5 Kinder auf eine Fachkraft, im Osten sind es 12,2 Mädchen und Jungen. Somit kommen die alten Bundesländer der Empfehlung der Studie recht nahe: Die Autoren plädieren für einen Personalschlüssel von 1 zu 3,0 für die Krippenkinder und 1 zu 7,5 für die älteren Kinder. Bei den Ländern erfüllt Baden-Württemberg diese Empfehlungen. Schlusslicht bei der Betreuung ist Sachsen, wo die Quoten 1 zu 6,6 bei den Krippenkindern und 1 zu 13,4 bei den älteren Jungen und Mädchen betragen.

Mehr Personal würde knapp 5 Mrd. Euro kosten

Deshalb fordern die Autoren der Studie eine verlässliche Kita-Qualität in ganz Deutschland. Laut einer weiteren Studie der Stiftung, die Ende des vergangenen Jahres vorgestellt wurde, wünscht sich das auch die Mehrheit der Eltern – wobei allerdings nur die Hälfte bereit ist, dafür tiefer in die Tasche zu greifen.

Die Forderung für bundeseinheitliche Standards ist nicht neu und für eine Umsetzung muss der Staat sehr viel Geld bereitstellen: Nach Berechnungen der Stiftungen braucht es für einen kindgerechten Personalschlüssel bundesweit weitere 107.200 Vollzeitbeschäftigte. Dieses Personal würde jährlich rund 4,9 Milliarden Euro zusätzlich kosten.

Bundesweiter Qualitätsprozess vor 3 Jahren gestartet

Bund und Länder kommen bei ihren Berechnungen sogar auf das Doppelte, auch deswegen, weil sie auch eine bessere Sprachförderung und Gebührenentlastung für Eltern miteinplanen. Der Ausbau der Kitas ist eigentlich Ländersache, doch schon seit mehreren Jahren stellt auch der Bund Mittel bereit. Weil ein bundesweites Kita-Qualitätsgesetz derzeit als unrealistisch gilt, startete die frühere Familienministerin und derzeitige Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), bereits vor drei Jahren einen bundesweiten Qualitätsprozess und holte alle Beteiligten an einen Tisch.

Eine Arbeitsgruppe einigte sich schließlich auf einen Orientierungsrahmen für die Betreuung, der dem geforderten Personenschlüssel der Bertelsmann-Studie sehr nahe kommt. Um eine bessere Betreuung zu erreichen, kündigten Bund und Länder im vergangenen Jahr eine Qualitätsoffensive an und sagten eine deutliche Aufstockung der Mittel zu. Nach der Bundestagswahl wird sich zeigen, wie dann dafür zuständige Bundesminister sich auf diesem Feld positionieren.

Birgit Wilke
(KNA)

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