Diskussion um "Ehe für alle"
Diskussion um "Ehe für alle"
Reinhard Kardinal Marx
Reinhard Kardinal Marx
Thomas Sternberg
Thomas Sternberg

28.06.2017

Kirchenvertreter kritisieren "Ehe für alle" "Auflösung des Ehebegriffs"

Die "Ehe für alle" rückt in greifbare Nähe. Noch in dieser Woche soll im Bundestag darüber abgestimmt werden. Kirchenvertreter bedauern nicht nur die "Auflösung des Ehebegriffs" sondern auch das "überstürzte politische Verfahren".

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat die geplante Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare kritisiert. "Die Deutsche Bischofskonferenz betont, dass die Ehe - nicht nur aus christlicher Überzeugung - die Lebens- und Liebesgemeinschaft von Frau und Mann als prinzipiell lebenslange Verbindung mit der grundsätzlichen Offenheit für die Weitergabe von Leben ist", erklärte der Erzbischof von München und Freising am Mittwoch in Bonn.

Der Staat müsse aus Sicht der Bischöfe auch weiterhin die Ehe in dieser Form schützen und fördern, so Marx weiter. "Wir bedauern, wenn dieser Ehebegriff aufgelöst werden soll und damit die christliche Auffassung von Ehe und das staatliche Konzept weiter auseinandergehen. Es ist auch wegen der von vielen Seiten geäußerten erheblichen verfassungsrechtlichen Bedenken völlig unangemessen, eine solche gesellschaftspolitische Grundentscheidung in diesem überstürzten Verfahren zu fällen."

Der Bundestag könnte noch in dieser Woche über die "Ehe für alle" entscheiden. Mit den Stimmen von Grünen, Linken und SPD gab der Rechtsausschuss am Mittwochmorgen grünes Licht dafür, den entsprechenden Gesetzentwurf auf die Tagesordnung des Bundestags zu setzen. Er soll auch homosexuellen Paaren eine Ehe ermöglichen.

ZdK-Präsident kritisiert politischen Schnellschuss

Der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Prof. Thomas Sternberg, betonte ebenfalls, dass die Begriffe "Ehe" und "Familie" für die Ehe vorgesehen seien, die auch auf die Weitergabe von Leben ausgerichtet ist, also der Gemeinschaft von Mann und Frau. "Wir haben aber auch gesagt, dass wir Partnerschaften anerkennen und auch für die Gleichstellung von Partnerschaften gleichgeschlechtlicher Art sind", ergänzte Sternberg gegenüber domradio.de.

Für den ZdK-Präsidenten stelle sich auch die Frage, "ob die Väter und Mütter des Grundgesetzes, die damals geschrieben haben, dass Ehe und Familie unantastbar sind, nicht selbstverständlich das Ehebild im Blick hatten, das eine Gemeinschaft von Mann und Frau mit einem Hinblick auf Zukunft vorsieht." Den Staat habe im Grunde die Sexualität dabei gar nicht zu interessieren, so Sternberg.

Auch für ihn habe die Politik in der Frage der Themenbehandlung ein unnötig schnelles Tempo angeschlagen. Hier werde etwas mit unangemessener Schnelligkeit hochgezogen, weil alle drei möglichen Koalitionsparteien der CDU eine "Ehe für alle" als offensichtliche Grundlage für Koalitionsverhandlungen gemacht hätten. Damit bekomme das Thema ein übergroßes Gewicht, betonte Sternberg.

Er sieht die Ehe als solche auch nicht durch die derzeitige Diskussion auf dem Prüfstand. Vielmehr werde die Ehe dadurch infrage gestellt, dass es eine immer verbreitetere Vorstellung davon gibt, dass die Ehe nur ein Lebensabschnittsmodell sei. "Doch das ist es eben nicht", so Sternberg. Ehe sei eine Verbindung, "die natürlich scheitern kann". Aber man müsse sich bemühen, gemeinsam auch schwere Zeiten und in Krisen durchzustehen. Wenn man dies nicht angehe, gefährde man das Verständnis von Ehe viel mehr, erklärte Sternberg.

Moraltheologe: Kinderlose Ehe eine vollwertige Ehe

Der Moraltheologe Prof. Stephan Goertz sieht hingegen mit der "Ehe für alle" eine gesellschaftliche Realität als rechtlich anerkannt. Damit werde die Wirklichkeit von homosexuellen Partnerschaften und ihrer menschlichen Qualitäten, die sich nicht grundsätzlich von heterosexuellen Ehen unterschieden, respektiert, so Goertz gegenüber domradio.de.

Die lehramtliche Position, die hier nur "Unordnung" gesehen habe, entspreche nicht mehr den Erfahrungen und Wertüberzeugungen der Gegenwart. Der Professor für Moraltheologie an der Katholischen-Theologischen Fakultät der Universität Mainz sieht in der Diskussion aber auch einen gravierenden Unterschied, der sich auf die Orientierung der Ehe auf Kinder und Familie hin beziehte.

In der katholischen Tradition werde diese Verknüpfung sehr betont, so Goertz. "Aber diese Verknüpfung scheint für das Verständnis der Ehe nicht mehr wesentlich zu sein. Eine Ehe ist auch nach katholischer Lehre ohne Kinder eine vollwertige Ehe. Daher würde ich nicht sagen, dass die Ehe für alle nun mit dem katholischen Glauben völlig unverträglich ist. Die Liebe begründet eine Ehe. Die Fortpflanzung ist demgegenüber ein Geschenk, aber kein Gebot."

Weihbischof Puff: Unterschied zwischen Ehe und christlicher Ehe

Für den Kölner Weihbischof Ansgar Puff besteht die Ehe ganz eindeutig in einer Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau. Er sei zudem absolut davon überzeugt, dass Gott jeden Menschen unabhängig von seiner sexuellen Neigung liebt. Dabei sei es egal, ob jemand heterosexuell oder homosexuell ist. Homosexuelle hätten auch durchaus ihren Platz in der Kirche, so Puff bei domradio.de.

Aber Ehe sei in seinen Augen etwas für Heterosexuelle. Er werde deshalb in Zukunft differenzieren, ob es eine Ehe ist oder eine christliche Ehe - das sei nämlich ein Unterschied.

Erzbischof Koch: Bischöfe nicht homophob eingestellt

Bereits in der vergangenen Woche hatte der Familienbischof der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Heiner Koch, sich gegen eine Öffnung der Ehe ausgesprochen, zugleich aber betont, die Position der Bischöfe sei "keinesfalls homophob motiviert".

Eine Unterscheidung zwischen Ehe und einem Rechtsinstitut für gleichgeschlechtliche Paare bedeute keine Diskriminierung, ganz im Gegenteil werde so "der Unterschiedlichkeit der Lebensformen adäquat Rechnung getragen".

(DR, KNA)

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