Wie sieht der künftige Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen aus?
Wie sieht der künftige Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen aus?
Dr. Holger Dörnemann
Dr. Holger Dörnemann

02.02.2017

Einordnung des Bischofswortes zu "Amoris laetitia" "Was unmöglich war, wird möglich"

Wiederverheiratete Geschiede können vielleicht wieder zur Kommunion gehen. Das bleibt von der Reaktion der deutschen Bischöfe zum päpstlichen Schreiben "Amoris laetitia" hängen. Doch was heißt die Stellungnahme konkret?

domradio.de: Die deutschen Bischöfe haben ihr Wort zu "Amoris laetitia" veröffentlicht. Hat man den Inhalt so erwarten können oder waren Sie an manchen Stellen überrascht?

Holger Dörnemann (Hauptabteilung Seelsorge des Erzbistum Köln): Zunächst einmal habe ich mich gefreut, als ich den Text gesehen habe, dass die Bischöfe aller 27 deutschen Diözesen sich auf einen Text, eine Stellungnahme geeinigt haben. Überrascht und noch mehr gefreut hat mich, dass das, was in dem Papstschreiben "Amoris laetitia" zum Teil auch in Fußnoten steht, die dann hinterher bis heute noch Gegenstand der Diskussion sind, keine Fußnoten mehr sind, sondern alles im Haupttext steht. Wir haben jetzt eigentlich eine sehr deutliche und klare Botschaft, die wir auch in den deutschen Sprachraum hinein übersetzen können.

domradio.de: Die Bischöfe setzen sich in ihrem Wort nur mit vier Punkten aus "Amoris laetitia" auseinander. Der Streitpunkt "wiederverheiratet Geschiedene" ist der letzte. Da heißt es, zu vermeiden sei sowohl ein Laxismus als auch eine rigoristische Haltung. Wie sieht denn der goldene Mittelweg nun aus?

Dörnemann: Es ist eine Kehrtwende, denn die Bischöfe schreiben selbst: Was bislang galt, war ein kategorischer und irreversibler Ausschluss. Daraufhin haben wir jetzt etwas anderes. Was vormals nicht möglich war, wird jetzt als möglich erachtet. Mittelweg meint, es ist weder eine allgemeine Zulassung noch ein allgemeines Verbot, sondern der Papst geht mit dieser neuen Richtung einen Schritt weiter, dass die Konkretion, die Unterscheidung, das Begleiten und differenzierte Lösungen in den Blick kommen können.

domradio.de: Wer entscheidet denn im Endeffekt – der Priester vor Ort? Und wenn der eine Priester etwas strenger und der andere etwas nachsichtiger ist?

Dörnemann: Was noch unter Johannes Paul II. – 1981 war die große Familienenzyklika "Familiaris consortio" – ausdrücklich verboten war, wird jetzt nicht ausdrücklich erlaubt, sondern es fällt einige Etagen tiefer direkt auf die Pastoral vor Ort, den Priester, der in der konkreten Begleitung dann diese differenzierten Lösungen finden muss. Das ist eine ganz anspruchsvolle Aufgabe, die hier vor jedem einzelnen Seelsorger steht, in der konkreten Situation das Beste zu finden. Da hat der Papst eine ganze Reihe von Kriterien schon aufgezogen, dass kein Fall gleich ist, der Fall einer Person, die unschuldig verlassen worden ist und ein anderer Fall, der einer anderen Kategorie entspricht. Jeder Fall hat eine andere Konsequenz. Man muss den Fall kennen, man muss in die Situation hinein, man kann nicht abgeleitet denken, sondern man muss sich der ganz konkreten Person von Angesicht zu Angesicht widmen und annehmen.

domradio.de: Ein anderer Punkt ist die Stärkung der Familie als Lernort des Glaubens, die gestärkt werden soll. Hier räumen die Bischöfe ein, dass "das Religiöse im Familienleben seine Selbstverständlichkeit weithin verloren" hat. Wie will man denn Familien stärken, in denen das gemeinsame Gebet oder das Gespräch über den Glauben weitestgehend verloren gegangen sind?

Dörnemann: Was das Schreiben auszeichnet ist eine lebensbejahende und alltagsnahe Sprache. Besonders bei diesem Punkt ist mir aufgefallen, dass die Bischöfe die Nähe zum Alltag suchen, dass religiöse Elemente und Rituale nicht das Außergewöhnliche brauchen, sondern das Alltägliche. Gott im Hier und Jetzt, in der konkreten Situation zu entdecken, meint halt in ganz unscheinbaren Momenten. Das Zweite ist aber auch, den Jahreskreis und das Kirchenjahr genauso bewusst zu verfolgen, da sind wir auch im Erzbistum dran. Wir haben eine eigene Internetseite zur Familienspiritualität und zum Jahreskreis, was auch über die Diözese bekannt ist, familien234.de, wo kein Fest ausgelassen wird und ganz viele Anregungen für den Alltag und anlassbezogen auf das Kirchenjahr ausgeführt sind.  

domradio.de: So ein Wort der Bischöfe ist in der Regel recht allgemein gehalten, so auch das zu "Amoris laetitia". Vieles müsse "in den konkreten pastoralen Situationen entwickelt werden". Worin sehen Sie denn jetzt Ihre Aufgabe als Referatsleiter für Katechese- und Sakramentenpastoral?

Dörnemann: Wir waren Ende 2013 die erste Diözese weltweit, die die Ergebnisse der Umfrage vor der Synode 2014 veröffentlicht hat. Was uns seitdem bewusst ist und was mich auch seitdem nie hat zur Ruhe kommen lassen, ist das Aufmerken einer Sollbruchstelle zwischen der gelebten Wirklichkeit und der Lehre der Kirche. Wie kommt beides zusammen?

Wir haben hier jetzt vier Felder, das Thema der Ehevorbereitung steht ganz oben auf, der Ehebegleitung, der Familienseelsorge und eben jetzt das neue Feld der Zuwendung zu Paaren, wo etwas nicht glatt gelaufen ist, wo man einen Scherbenhaufen hat und mit der Integration viel zu tun hat. Das sind unsere Aufgaben jetzt noch mal mehr, dass wir uns auch versichert haben, welche Möglichkeiten es da gibt. Wir sind dabei, ein Curriculum Ehevorbereitung nochmal neu auf die Verhältnisse heute auszudenken: Angebote für Paare, die kirchenfern sind und eher glaubensentwöhnt ebenso wie Angebote für Fortgeschrittene und Engverbundene, dass wir der Pluralität der Christen heute nochmal mehr gerecht werden. Das steht bei uns ganz oben auf, jetzt mit noch einer größeren Sicherheit, die uns beflügelt, in die Themen hineinzugehen. Wenn ich sagen kann, für das Erzbistum Köln: Wir haben einen pastoralen Zukunftsweg. Wie können Ehe und Familie ein Motor sein für die Gemeindeentwicklung vor Ort? Das wäre unser Proprium, das wir in den gesamten Zukunftsweg reintragen.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(dr)

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