Familie beim Spaziergang
Die Realität in Ehen und Familien sieht oft anders aus als in der kirchlichen Lehre

30.03.2015

Kluft zwischen kirchlicher Sexuallehre und Leben der Katholiken im Erzbistum Vielfalt christlicher Lebensentwürfe

Auch eine zweite Befragung der Kirchenbasis im Erzbistum Köln belegt eine deutliche Kluft zwischen kirchlicher Lehre über Ehe, Familie und Sexualität und dem Leben der Katholiken. Ein Problemfeld ist der Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen.

Wie schon bei einer ersten Fragerunde werden der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, aber auch "der faktische Ausschluss" von Homosexuellen als Problemfelder benannt, wie das Erzbistum Köln am Montag mitteilte. Mit Blick auf das Verbot künstlicher Verhütungsmittel werde eine "Doppelmoral" kritisiert.

Die auf 27 Seiten gesammelten Ergebnisse werden nach den Angaben an die Deutsche Bischofskonferenz übermittelt, die das Dokument mit den Stimmen aus anderen Diözesen nach Rom weiterleitet. Die Umfrage wurde zu der von Papst Franziskus einberufenen Bischofssynode gestartet, die sich im Herbst im Vatikan mit den Themen Familie und Sexualmoral befasst. Eine ähnliche Befragung hatte es bereits vor einer vorbereitenden Bischofssynode im Herbst vorigen Jahres gegeben.

Vielfältige christliche Lebensentwürfe

Laut Erzbistum zeigt sich die Kluft nach Ansicht der Befragten darin, dass Familie sich in vielfältigen christlichen Lebensentwürfen verwirkliche. In dem vom Vatikan formulierten Fragebogen aber werde christliche Ehe und Familie zu sehr verklärend dargestellt, während die multireligiöse und -kulturelle Gesellschaft längst Realität sei. Es fehle an einer wertschätzenden Sprache für Beziehungsformen, die dem kirchlichen Ideal nicht entsprechen. Auch sei die Methodenfrage bei der Empfängnisregelung bewusst ausgeklammert worden.

Die Zusammenstellung repräsentiert die Stellungnahmen aus acht Kreis- und Stadtdekanaten sowie fünf Gremien und Verbänden im Erzbistum Köln, wie es hieß. Der Familienbund der Katholiken habe sich mit einem Online-Fragebogen beteiligt, der über 17.000 Besuche und eine Seitenaufrufquote von fast 50.000 Klicks gehabt habe.

Nur wenige Fragebögen wurden ausgefüllt

Zugleich bedauerte der Leiter der Ehe- und Familienpastoral im Erzbistum Köln, Holger Dörnemann, eine geringe Rücklaufquote von 481 Fragebögen. In einer Rückmeldungen sei geäußert worden, dass die 46 Frageabsätze mit noch mehr Unterfragen sperrig und im "binnenkirchlichem Fachjargon" formuliert worden seien.

(KNA)

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