Stefan Lunte
Stefan Lunte

Stefan Lunte arbeitet für die Kommission der Europäischen Bischofskonferenzen (Comece). Der Deutsche ist Herausgeber der Wochenzeitung „Aurore du Bourbonnais“.

331 Ja-Stimmen für "Homo-Ehe"
331 Ja-Stimmen für "Homo-Ehe"

24.04.2013

Comece-Referent zum Beschluss der "Homo-Ehe“ Des einen Freud, des anderen Leid

In Frankreich dürfen gleichgeschlechtliche Paar künftig heiraten und Kinder adoptieren. Das umstrittene Gesetz hat endgültig das Parlament passiert. Doch Frankreich bleibt gespalten, prognostiziert Comece-Referent Stefan Lunte.

domradio.de: Die Opposition will das Gesetz nun vor dem Verfassungsrat des Landes anfechten. Welche Chancen haben die Gegner der Reform überhaupt noch etwas an dem Beschluss zu ändern?

Stefan Lunte: Ich glaube, es gibt keine Chance das Gesetz als solches zu annullieren oder suspendieren zu lassen durch den Verfassungsrat. Es kann sein, dass das Gesetz in einzelnen Punkten noch einmal korrigiert werden muss, aber ich glaube, dass die Chancen da auch nicht so riesengroß sind. Wenn dann in der Frage des vollen Adoptionsrechts für gleichgeschlechtliche Paare, da ist möglicherweise etwas zu erwarten und dann setzen manche der Gegner des Gesetzes auch darauf, dass Präsident Hollande sich von der Massivität und der Deutlichkeit der Opposition beeindrucken lässt und wie schon in vergangenen Fällen andere französische Präsidenten schon gemacht haben, dass sie das Gesetz nicht unterschreiben und nicht ausfertigen.

domradio.de: Kardinal André Vingt-Trois ist Erzbischof von Paris und Vorsitzender der französischen Bischofskonferenz, also der ranghöchste französische Vertreter der katholischen Kirche. Er hatte vor gut einer Woche erklärt, dass die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben zu einer "gewalttätigen Gesellschaft" führen könne. Es drohe die Gefahr, dass die französische Gesellschaft auseinanderbreche. Wie schätzen Sie das ein? Droht Frankreich jetzt der Kollaps?

Lunte: Nein, der Kollaps droht nicht. Kardinal Vingt-Trois hat das in seiner letzten Rede als Bischofskonferenzvorsitzender gesagt, er ist jetzt durch den Erzbischof von Marseille ersetzt worden (am 1. Juli übernimmt Georges Paul Pontier, Erzbischof von Marseille den Vorsitz, Anm. d. Red). Im Grunde hat er damit ausgesprochen, was alle Bischöfe zur Zeit in Frankreich denken, dass dieses Gesetz kein Gutes ist, dass es den Weg öffnet für eine grundlegende Änderung des Rechts von Familie und Ehe und er hat daher also schon eine Meinung der deutlichen Mehrheit der Bischöfe zur Sprache gebracht. Ob es zum Kollaps kommt, ich glaube nicht. Nein.

domradio.de: Der Streit um die Homo-Ehe hatte die französische Gesellschaft in den vergangenen Monaten gespalten, bei Großdemonstrationen gingen Zehntausende Menschen immer wieder gegen die Reform auf die Straße, wie sieht das mit Frankreichs Parteienlandschaft aus, droht da auch jetzt die Gefahr von Polarisierung?

Lunte: Ja, die ist ja auch schon im Parlament sehr stark zu spüren gewesen. Es waren schon sehr sehr harte Auseinandersetzungen im Parlament, 137 Stunden lang wurde debattiert, das ist schon sehr beeindruckend zu sehen, wie dieses Thema die Leidenschaften entflammt hat. Es ist eine echte Frage an Präsident Hollande, der auch angetreten ist, das Land zu befrieden, nachdem der frühere Präsident Sarkozy immer als Spalter dargestellt wurde. Nun ist er mit dem Wunsch angetreten, das nicht mehr zu tun, hat aber letztlich genau das getan.

domradio.de: Die Sozialisten haben für die Homo-Ehe in Frankreich gestimmt, die konservative Opposition und Kirche sind dagegen. Menschen sind gestern schon auf die Straßen gegangen. Wie werden wohl die Kirchenvertreter reagieren?

Lunte: Man muss sehr genau unterscheiden, es gab gestern Abend in Paris, in vielen Städten Frankreichs Demonstrationen der sogenannten "Manif pour tous", der Demonstration für alle. Das ist eine übergreifende Bewegung, die Hunderttauende, wenn nicht sogar Millionen mobilisiert hat. Eine kleine Minderheit von denen hat sich nach der regulären Demonstration auf dem Platz der Invaliden gesetzt und dort mit kleinen Kerzen Mahnwachen gehalten, das waren etwa 3.000 und noch einmal eine kleine Minderheit von denen, einige Hundert, die haben nun das Medieninteresse auf sich gezogen, mit rechtsradikalen sehr abscheulichen Elementen haben sie den Krawall gesucht und die Auseinandersetzung mit der Polizei.

Das Interview führte Dagmar Peters

 

(dr)

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