Zerstörtes Kreuz an einer Kirche im Irak
Zerstörtes Kreuz an einer Kirche im Irak

11.11.2019

"Kirche in Not" warnt vor Ende des Christentums im Irak "Verfolgt und vergessen?"

Das internationale Hilfswerk Kirche in Not warnt vor einem Ende des Christentums in Teilen des Nahen Ostens, vor allem im Irak. Dort sei die Zahl der Christen binnen einer Generation um bis zu 90 Prozent gesunken.

So heißt es in einem neuen Bericht, der vom britischen Nationalbüro erstellt wurde. Die Untersuchung "Verfolgt und vergessen?" liegt nun in deutscher Übersetzung vor, wie die österreichische Sektion von Kirche in Not (Montag) mitteilte.

In den Ländern des Nahen Ostens sei nach dem militärischen Sieg über die Milizen des sogenannten Islamischen Staates der Völkermord an Christen und anderen Minderheiten gestoppt, so ein Befund der Studie. Allerdings halte der Exodus der Christen aus der Region weiter an. Die Angst vor einem Wiederaufflammen des Terrors sei zu groß.

Zu wenig Hilfe

Die jüngsten Meldungen aus dem Nordosten Syriens zeigten, so Kirche in Not, "wie real diese Angst ist". Vor 2003 habe es im Irak noch rund 1,5 Millionen Christen gegeben. Bis Mitte 2019 sei diese Zahl auf deutlich unter 150.000 gefallen; ein Rückgang von bis zu 90 Prozent innerhalb nur einer Generation. Auch in Syrien sei die Zahl der Christen seit Beginn des Krieges im Jahr 2011 um zwei Drittel zurückgegangen.

Trotz zuletzt höherer Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft für bedrängte Christen und Angehörige anderer religiöser Minderheiten gebe es immer noch zu wenig Hilfen, kritisiert das Hilfswerk. Für den Wiederaufbau im Irak hätten etwa die USA umfangreiche Mittel zugesagt; die Auszahlung stocke jedoch. Kirche in Not und andere Organisationen setzen sich für die Wiederbesiedelung christlicher Dörfer in der Ninive-Ebene ein. Dorthin sei mittlerweile rund die Hälfte der ehemaligen Bewohner zurückgekehrt.

"Hotspot" der Christenverfolgung

Als neuen "Hotspot" der Christenverfolgung nennt die Organisation Asien. In zahlreichen asiatischen Ländern habe sich die Lage für Christen und anderer religiöse Minderheiten deutlich verschärft. Ein Beleg seien die Anschläge am Ostersonntag auf Sri Lanka mit mehr 250 Toten und mehr als 500 Verletzen.

Neben islamistischen Gruppen seien ein zunehmender Nationalismus und autoritäre Regime für gewaltsames Vorgehen gegen Christen verantwortlich. Allein 2017 seien in Indien mehr als 450 antichristliche Überfälle gemeldet worden; sie gingen meist auf das Konto nationalistischer Hindus. Auch in China hat sich laut Kirche in Not trotz eines vorläufigen Übereinkommens mit dem Vatikan die Lage für Gläubige verschärft. Die kommunistische Regierung gehe rigoros gegen nicht staatlich genehmigte religiöse Aktivitäten vor.

(KNA)

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