Ein Plakat mit einem Porträt von Asia Bibi
Ein Plakat mit einem Porträt von Asia Bibi
 Saif-ul-Malook, Anwalt von Asia Bibi
Saif-ul-Malook, Anwalt von Asia Bibi

20.11.2018

Anwalt: Asia Bibi würde in jedes europäische Land ausreisen Es scheitert bisher am Visum

Gern würde die verfolgte Christin Asia Bibi aus Pakistan ausreisen, bisher habe ihr aber keine Regierung einen Pass oder ein Visum ausgestellt, so ihr Anwalt. Bibi favorisiere dabei kein bestimmtes europäisches Land.

Drei Wochen nach ihrem Freispruch vom Vorwurf der Gotteslästerung harrt die Christin Asia Bibi nach Angaben ihres Anwalts nach wie vor an einem geschützten Ort in Pakistan aus. Bibi warte weiter auf eine Möglichkeit zur Ausreise, sagte Saif-ul-Malook am Dienstag in Frankfurt am Main. Sobald sie ein Visum oder einen westlichen Pass bekomme, könne sie Pakistan verlassen. Bislang habe aber kein Land ein entsprechendes Angebot gemacht.

In Pakistan nicht sicher

Asia Bibi war 2009 nach einem Dorfstreit um ein Glas Wasser wegen Gotteslästerung angezeigt und 2010 zum Tode verurteilt worden. In einer bahnbrechenden Entscheidung hob das Oberste Gericht dieses Todesurteil am 31. Oktober diesen Jahres auf.

In Pakistan sei Bibi nicht sicher, betonte der Anwalt. Nach dem Freispruch war es zu heftigen Protesten muslimischer Hardliner gekommen. Die Richter des Obersten Gerichts seien schon zuvor bedroht worden, sagte Malook. Er appellierte an den Westen, Asia Bibi mit ihrem Ehemann und ihren zwei Töchtern aufzunehmen.

Dass die angekündigte Wiedervorlage des Falls vor Gericht der Frau die Ausreise verwehren könnte, wies Malook zurück. Asia Bibi sei freigesprochen und könne nicht aufgehalten werden, wenn das Ausland ihr den Weg öffne. Alles andere würde gegen die pakistanische Verfassung verstoßen, betonte der Jurist, der selbst jahrelang in Pakistan unter Polizeischutz stand und sich nach dem Urteil in Europa in Sicherheit brachte.

Keine Präferenz für ein bestimmtes Land

Bibi habe keine Präferenz, in welchem Land sie künftig leben wolle, sagte Malook bei dem Pressegespräch, das das katholische Hilfswerk Missio aus Aachen und die nichtstaatliche Organisation Diplomatic Council organisiert hatten. "Sie kam nie aus ihrem Dorf, kennt nicht einmal pakistanische Großstädte. Für sie wäre jedes westliche Land in Ordnung."

Sprachliche Hürden müsste die zweifache Mutter überall überwinden, erklärte Malook: Bibi sei nicht gebildet und spreche auch kein Englisch.

In direktem Kontakt mit Bibi steht Malook seit dem Richterspruch nicht. Ihm sei aber aus verlässlicher Quelle versichert worden, dass es seiner Mandantin und deren enger Familie gutgehe und sie an einem sicheren Ort in Pakistan seien.

Spannungen in Pakistan

Der Fall Asia Bibi hatte in den vergangenen Jahren immer wieder zu Spannungen und Gewalt geführt. Ein Jahr nach dem Todesurteil wurde der Gouverneur der Punjab-Provinz, Salman Taseer, von seinem eigenen Bodyguard umgebracht, weil er sich für die Freilassung der Christin eingesetzt hatte.

Das Oberste Gericht hatte bereits 2016 den Fall erörtern wollen, doch weil einer der Richter es wegen Befangenheit ablehnte, den Fall zu hören, mussten ein neues Richtergremium eingesetzt werden.

Pakistans Blasphemie-Gesetz sieht bei Gotteslästerung unter anderem die Todesstrafe vor. Das islamische Land hat bislang jedoch noch niemanden wegen Blasphemie hingerichtet. Es gab aber Lynchmorde nach dem Vorwurf der Gotteslästerung.

(KNA, epd)

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