Ein Plakat mit einem Porträt von Asia Bibi
Ein Plakat mit einem Porträt von Asia Bibi
Berthold Pelster
Berthold Pelster
Unterstützer der Gruppe Tehrik Labaik Ya RasoolAllah nehmen an einem Protest gegen Asia Bibi teil
Unterstützer der Gruppe Tehrik Labaik Ya RasoolAllah nehmen an einem Protest gegen Asia Bibi teil
Ehemann und Tochter von Asia Bibi
Ehemann und Tochter von Asia Bibi

12.11.2018

Wie frei wäre die Christin Asia Bibi in Deutschland? "Mit Racheakten ist immer zu rechnen"

Schon bald könnte Asia Bibi Pakistan verlassen. Als mögliches Ausreiseziel gilt Deutschland. Wäre sie dann in Sicherheit? Das Hilfswerk "Kirche in Not" bezweifelt das und mahnt, insgesamt den Blick auf Christen in Pakistan nicht zu vernachlässigen.

DOMRADIO.DE: Sie stehen über Asia Bibis Familie mit ihr in Kontakt. Wie realistisch ist es, dass Asia Bibi nach Deutschland kommt?

Berthold Pelster (Kirche in Not): Ich glaube, dass es sehr realistisch ist, dass sie Pakistan verlassen wird. Da hat sich jetzt eine sehr breite Front an Unterstützern aufgetan. Politiker in Deutschland und anderen europäischen Ländern machen sich stark dafür, dass Asia Bibi das Land verlassen kann. Sogar der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat sich dafür ausgesprochen. Sie wollen Asia Bibi einladen und sozusagen den Weg zu einem Visum, also einer Ausreiseerlaubnis, ebnen. Da gibt es eine breite Front der Unterstützung. Von daher glaube ich, dass es gute Chancen gibt, dass Asia Bibi Pakistan verlassen wird. Ob das dann Deutschland oder vielleicht Frankreich oder Holland als Zielland sein wird, muss man dann sehen.

DOMRADIO.DE: So oder so wäre das für die Familie eine große Erleichterung und Freude, endlich wieder zusammen zu sein, oder?

Pelster: Auf jeden Fall. Und wir sind schon sehr dicht zusammen. Am vergangenen Samstag haben meine italienischen Kollegen in Rom zur Tochter von Asia Bibi, Eisham, Kontakt gehabt. Da war der Stand der Dinge, dass der Ehemann Asia Bibi schon getroffen hat, die Kinder sie aber noch nicht sehen konnten. Alle halten sich aus Sicherheitsgründen an einem geheimen Ort auf und warten darauf, dass sie endlich wieder zusammengeführt werden. Die Tochter, Eisham, hat uns gesagt: "Wenn ich meine Mutter endlich wiedersehe, dann werde ich sie ganz, ganz fest in den Arm nehmen und wir werden sicherlich lange miteinander weinen."

DOMRADIO.DE: Angenommen, das Ausreiseziel wäre wirklich Deutschland, dann müsste Asia Bibi Asyl beantragen. Die Bundesregierung hat signalisiert, dass es da schon Gespräche mit Pakistan gibt und es von ihrer Seite eine Bereitschaft gibt. Diesbezüglich sind also keine großen Probleme mehr zu erwarten, oder?

Pelster: Das ist das Formelle, das Politische sozusagen. Eine andere Frage ist, ob Asia Bibi und ihre Familie wirklich außer Lebensgefahr sind. Denn in Pakistan droht die tödliche Gefahr von Seiten der Extremisten und selbst in Deutschland dürfte sie wahrscheinlich nie ohne Bodyguards auf die Straße gehen, möglicherweise müsste sie eine neue Identität annehmen, müsste Ihr Äußeres verändern, müsste untertauchen und einen neuen Namen annehmen. Sie kann nicht einfach als freier Mensch in Deutschland oder auch in einem anderen europäischen Land leben. Die Gefahr besteht, dass trotzdem noch irgendein religiöser Fanatiker auftaucht, der meint, durch Lynchjustiz, durch ein tödliches Attentat auf sie für Gerechtigkeit sorgen zu müssen.

DOMRADIO.DE: Die Situation in Pakistan ist weiter sehr angespannt. Das würde eine Ausreise von Asia Bibi sicher auch nicht ändern. Sehen Sie die Gefahr, dass dann an anderen Christen Rache verübt werden könnte?

Pelster: Das ist eine Gefahr, die für die Christen in Pakistan besteht. Die werden sicherlich jetzt höhere Sicherheitsvorkehrungen treffen müssen. Die Christen in Pakistan brauchen weiterhin unsere Unterstützung, weil sie immer mit Racheakten rechnen müssen. Aber wir dürfen auch die Regierung nicht vergessen, für die das eine äußerst heikle Angelegenheit ist. Religiöse Fanatiker haben im Vorfeld immer wieder angedroht, wenn ihr Asia Bibi freilasst, wird es in Pakistan einen Krieg geben. Das sind die Worte, die so gebraucht wurden. Wir dürfen nicht vergessen, dass es noch Dutzende weiterer Opfer des Blasphemiegesetzes gibt, die bis heute im Gefängnis sitzen und auf ein Gerichtsurteil warten. Auch hier müsste man sich noch viel stärker einsetzen. Religionsfreiheit muss auf jeden Fall weiterhin auf der Tagesordnung der Politik bleiben.

DOMRADIO.DE: Sehen Sie in dem Fall Asia Bibi die Chance, dass eine erhöhte Aufmerksamkeit den Christen vor Ort wirklich auch etwas bringt?

Pelster: Ich denke ja. Wir haben in der Vergangenheit schon des Öfteren Aktionen gemacht, auch mit dem Ehemann von Asia Bibi und der Tochter Eisham. Im Februar 2018 haben wir zum Beispiel in Rom eine große Aktion gemacht. Wir haben das Kolosseum fünf Stunden lang rot angestrahlt, sozusagen in blutrotes Licht getaucht. Damit haben wir die Öffentlichkeit über das Schicksal Asia Bibis und der Christen in Pakistan informiert und über die Notwendigkeit der Religionsfreiheit gesprochen. Das waren Bausteine, die mit dazu beigetragen haben, dass Asia Bibi jetzt so sehr im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht. Aber das alles hätte nicht unbedingt zehn Jahre dauern müssen, das hätte alles viel schneller gehen müssen.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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