Altar in teilweise zerstörter syrischer Kirche
Altar in zerstörter syrischer Kirche
Teilweise zerstörte Büste auf einem Altar
Teilweise zerstörte Büste auf einem Altar
Zerstörung in Ost-Ghuta
Zerstörung in Ost-Ghuta

29.05.2018

In Ost-Ghuta ist christliches Leben verschwunden Zerstörte und geplünderte Kirchen

In Harasta und Arbin östlich von Damaskus lebten Christen, Muslime, Alawiten und Drusen einst "wie ein Gewebe" zusammen. Der Krieg hat nicht nur die Städte und Kirchen zerstört, sondern auch das gegenseitige Vertrauen.

Die Tunnel der Kämpfer beginnen bei den Gotteshäusern. In Jobar, etwa drei Kilometer von der Damaszener Altstadt entfernt, liegt der Eingang direkt neben der Moschee. In Harasta, etwa 15 Kilometer von Damaskus entfernt, beginnt ein weiterer Tunnel in einer Kirche.

Die östliche Ghuta ist durchdrungen von einem unterirdischen Verbindungsnetz, das von den Kampfgruppen in sieben Jahren Krieg gebaut wurde. Durch die Tunnel wurden Lebensmittel und medizinische Güter, Waffen und Munition, Menschen und Tiere geschleust. Kampfgruppen und Geschäftsleute kontrollierten die Zu- und Ausgänge der Tunnel und wurden reich durch den Krieg, durch die Not der Menschen.

Zerstörte Kirchen

In Harasta gelangt man von der griechisch-orthodoxen Kirche des Heiligen Elias aus in diese Unterwelt. Neben dem Altarraum ist der Boden aufgerissen, die aus dem Stollen gegrabene Erde wurde von den Kämpfern im gesamten Kirchenschiff aufgeschüttet.

Die gläsernen Kronleuchter, die früher hoch über den Gläubigen schwebten, hängen nun dicht über der Erde. Nichts erinnert mehr an das Sakrale dieses Ortes, kein Kreuz, kein Altar, kein Gestühl, keine Bildnisse. Zwei Kirchen gibt es in Harasta. Die St.-Elias-Kirche ist ebenso wie die nahe gelegene griechisch-katholische Kirche der Jungfrau des Friedens zerstört.

Aus den Protesten gegen Präsident Baschar al-Assad wurden Anfang 2012 in dieser Gegend bewaffnete Aufstände, erinnert sich Gabriel Kahila, der Priester der St.-Elias-Kirche. Er lebt heute in Damaskus. 500 christliche Familien hätten früher in Harasta gewohnt, etwa 2.500 Menschen. Das Leben sei damals günstiger und ruhiger als in Damaskus gewesen, darum hätten sich viele junge Menschen entschieden, in Harasta eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen und in Damaskus zu arbeiten.

Dann begannen die Proteste, vor allem junge Muslime griffen zu den Waffen und gaben sich immer extremistischer. Im Oktober 2012 habe es dann eine große Explosion im Gebäude des staatlichen Geheimdienstes mit vielen Toten gegeben, alle Christen hätten Harasta fluchtartig verlassen.

Viele wollen Syrien ganz verlassen

Nachdem die islamistischen Kämpfer im April 2018 abgezogen waren und die östliche Ghuta wieder frei war, kehrten die früheren Bewohner von Harasta und auch die Christen seiner Gemeinde zurück, um nach ihren Häusern und Wohnungen zu sehen, erzählt der Priester. "Sie wollten herauszufinden, was ihnen geblieben war."

Die Freude über die Rückkehr wechselte in einen Schock, als sie die große Zerstörung sahen, sagt Pere Gabriel: "Sechs Jahre haben sie gewartet und gehofft, in ihre Häuser zurückzukehren. Doch alles ist zerstört und verwüstet, niemand aus unserer Gemeinde will wieder in Harasta wohnen. Die meisten wollen Syrien jetzt ganz verlassen."

Christen sind verschwunden

"Der Krieg wurde zum Geschäft", sagt Scheich Abdul Rahman Shaker, der allgemein Abu Hassan genannt wird. Er predigt heute wieder in der Al Zahra-Moschee in Harasta. Der Scheich unterstützte anfangs die Protestbewegung, er war Teilnehmer einer Delegation aus Harasta, die 2011 Präsident Assad traf. Als die Demonstranten zu den Waffen griffen war er dagegen und schloss sich dem Versöhnungskomitee von Harasta an. Das versuchte wieder und wieder zu vermitteln, vergeblich.

Der Scheich wurde von den Kämpfern gefangengenommen, kam wieder frei und floh, um von Damaskus aus weiter einen friedlichen Ausgang des Geschehens zu erreichen. Jahre vergingen bis er im vergangenen April zurückkehren konnte, um den Menschen beim Neuanfang zu helfen. Die Al Zahra-Moschee wird renoviert. In dieser Woche soll in der Moschee ein großes Fastenbrechen stattfinden und alle sind eingeladen.

Es ist Ramadan, der muslimische Fastenmonat, in dem geholfen und vergeben werden soll. Auch in Harasta soll einander vergeben werden, doch der Weg dorthin ist weit. Christen gibt es hier nicht mehr. "Wir haben immer wie ein Gewebe zusammengelebt", sagt Abu Hassan. "Ich hoffe, dass die Christen zurückkehren werden."

Karin Leukefeld
(KNA)

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