Christenverfolgung im Nahen Osten
Christen auf Arabischer Halbinsel: Missionieren verboten

01.12.2016

Bischofskonferenz mit neuer Arbeitshilfe zu Kirche in Arabien Christen an der Wiege des Islam

Auf der Arabischen Halbinsel stand die Wiege des Islam. Anders als im Mittleren Osten können auch Christen meist in Frieden leben - mit Einschränkungen.

Bei der Arabischen Halbinsel denkt man meist zunächst an Saudi-Arabien, das erzkonservative wahhabitische Königreich ohne Religionsfreiheit, zugleich weitaus größtes Land der Region. Auch die Nachricht von Anfang März ließ aufhorchen, dass vier Mutter-Teresa-Schwestern im Bürgerkriegsland Jemen überfallen und ermordet wurden. Sie gehörten zu den letzten im Land verbliebenen Christen. Abgesehen von diesen beiden Staaten jedoch können Christen in Arabien ihre Religion weitgehend unbehelligt leben - solange sie nicht missionieren.

Ihre neue Arbeitshilfe über verfolgte und bedrängte Christen auf der Arabischen Halbinsel stellte die Deutsche Bischofskonferenz am Donnerstag in Berlin vor. Deren Weltkirche-Beauftragter Erzbischof Ludwig Schick und der Apostolische Vikar des Vikariats Südliches Arabien, der Schweizer Bischof Paul Hinder, zeichnen darin ein differenziertes Bild. Das Fazit: Kultusfreiheit zumeist ja, Religionsfreiheit nein.

Eingeschränkte Menschenrechte

Vom Westen weitgehend unbemerkt, lebt in den allgemein sehr gastfreundlichen Golfstaaten eine bunte und vielfältige christliche Gemeinschaft. Allerdings sind fast alle Staaten der Arabischen Halbinsel Monarchien, die bis heute teilweise absolut regiert werden. Die Menschenrechte sind nur eingeschränkt gewährleistet.

Repressionen haben Christen in fünf der sieben Golfstaaten - in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), dem Oman, in Kuwait, Katar und Bahrain nicht zu befürchten. Ihnen ist es gestattet, sich zu versammeln, zu beten und ihre eigenen Angelegenheiten zu regeln. Ein Recht zum Religionsübertritt gibt es aber nur als Einbahnstraße: hin zum Islam. Bischof Hinder: "Es ist immer möglich, Muslim zu werden; aber ein Muslim darf nicht zu einem anderen religiösen Bekenntnis übertreten."

Kirche von Ausländern

Die katholische Kirche in Arabien ist eine Kirche von Ausländern, zuallermeist Arbeitsmigranten aus Indien, von den Philippinen oder aus Afrika; einige wenige kommen aus Europa oder aus Amerika. Die meisten verlassen die Region nach einigen Jahren wieder - ein wichtiger Grund dafür, dass nur sehr wenige von ihnen in echten Kontakt zur einheimischen arabischen Bevölkerung und zur islamischen Gemeinde kommen. Ein interreligiöser Dialog findet kaum statt, und auf politischer und gesellschaftlicher Ebene haben Christen, selbst der Bischof, keine Mitsprache.

Die gemeinsame Sprache, die Lingua franca in diesem Vielvölkergemisch Kirche, ist Englisch. Jeder Priester beherrscht Englisch und bringt zudem seine jeweilige Muttersprache mit: die Sprachen von Tamil Nadu, Karnataka und Goa aus Indien, Arabisch, Französisch; für Philippiner gibt es eigene Gottesdienste in Tagalog. Wie die Katholiken sind auch die Priester, zumeist Kapuzinerpatres, international.

Volle Gottesdienste

Erzbischof Schick, der die Region im Februar besuchte, zeigt sich beeindruckt von den großen, lebendigen Gottesdiensten mit tausenden Teilnehmern, nicht nur in der Kathedrale von Abu Dhabi. "Die Gottesdienste sind voll, besonders am Freitag - der ja in muslimischen Ländern der Sonntag ist, auch für die Christen." Aber auch an Werktagen seien die Gottesdienste gut besucht. Allein in der Rosenkranz-Basilika in Katar finden an den Wochenenden bis zu 30 Gottesdienste in 12 Sprachen statt.

In den Emiraten - in krassem Gegensatz zum Nachbarn Saudi-Arabien - genießen religiöse Minderheiten verfassungsmäßig rechtlichen Schutz. Der Staat stellt Land für den Bau von Kirchen zur Verfügung. Allerdings fehlt es immer mehr an Kirchengebäuden. In den Vereinigten Arabischen Emiraten etwa gibt es nur acht Kirchen für 900.000 Katholiken. Allein in Dubai, so Hinder, nähmen an einem Wochenende zwischen 50.000 und 60.000 Menschen an den Messfeiern teil.

Lehrstück für Deutschland

Bei allen Bedrängungen und Bedrückungen sieht Weltkirche-Bischof Schick die Situation in den Golfstaaten, die Internationalität und die Offenheit der Kirche dort, auch als ein Lehrstück für Deutschland - "denn auch unsere Kirche wird durch den Zuzug von Migranten und Flüchtlingen immer internationaler."

 

Alexander Brüggemann
(KNA)

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