Reporter bei der Arbeit
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02.11.2015

UNESCO-Bericht beklagt 700 getötete Journalisten in acht Jahren Meinungs- und Pressefreiheit weltweit bedroht

Weltweit gehen Staaten, Kriegsparteien und Verbrecher gegen Journalisten vor. 700 wurden zwischen 2006 und 2014 getötet, wie die UNESCO in einem neuen Bericht beklagt. Die Täter blieben oft straflos.

Von 2006 bis 2014 sind weltweit 700 Journalisten getötet worden, wie die UN-Weltkulturorganisation UNESCO am Montag in Paris mitteilte. Im Jahr 2015 ließen bis September weitere 70 ihr Leben.

Durchschnittlich alle fünf Tage wird ein Journalist getötet

"Durchschnittlich alle fünf Tage wird ein Journalist aufgrund seiner Arbeit umgebracht", sagte UNESCO-Generalsekretärin Irina Bokova bei der Vorstellung des Berichts "World Trends in Freedom of Expression and Media Development - Special Digital Focus 2015".

Die Unesco rief dazu auf, die Täter zu ermitteln und zu bestrafen. "Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten führt häufig zu einer Selbstzensur in der Berichterstattung und zu weniger verlässlichen Informationen für alle", sagte Wolfgang Schulz, Vorstandsmitglied der deutschen UNESCO-Kommission.

Arabischer Raum gefährlichste Region

Dem Bericht zufolge starben von 178 in den Jahren 2013 und 2014 getöteten Journalisten 64 im arabischen Raum, der damit die für Reporter gefährlichste Region war. In Lateinamerika und der Karibik kamen im selben Zeitraum 51 ums Leben, 30 in Asien und der Pazifikregion, 23 in Afrika und zehn in Ost- und Zentraleuropa. 2013 waren nur acht Prozent der insgesamt 91 getöteten Journalisten Auslandskorrespondenten. 2014 stieg dieser Anteil auf fast 20 Prozent (17 von 87). Zwölf der 17 im Jahr 2014 getöteten Auslandskorrespondenten starben in Syrien oder in der Ukraine.

Während weltweit mehr und mehr Staaten Gesetze erlassen und Maßnahmen ergriffen hätten, um Verbrechen an Journalisten zu ahnden, bleibe die Zahl der aufgeklärten Mordfälle gering. Nach Informationen der UNESCO wurden im Jahr 2012 nur fünf Prozent der Fälle aufgeklärt. Im Jahr 2014 waren es acht Prozent.

Verschlechterte Sicherheitslage für Journalisten in vielen Ländern

Die Sicherheitslage für Journalisten und unabhängige Medien hat sich im vergangenen Jahr in der Mehrzahl der Länder verschlechtert. Das geht aus der jüngsten Rangliste der Pressefreiheit hervor, die im Februar 2015 von der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) veröffentlicht wurde.

Zu den wichtigsten Gründen zählt ROG die gezielte Unterdrückung oder Manipulation der Medien in Konfliktregionen wie Syrien, Irak, Ukraine und den Palästinensergebieten. Zudem schränkten viele Staaten die Pressefreiheit unter dem Vorwand der nationalen Sicherheit ein. Immer öfter würden Journalisten, die über Proteste berichteten, zur Zielscheibe von Polizisten oder Demonstranten. Ferner unterdrückten in vielen Ländern Terrorgruppen, Milizen oder Verbrecherkartelle unliebsame Informationen mit Einschüchterung und skrupelloser Gewalt.

Schlusslicht Eritrea

Zur vielerorts verheerenden Lage von Journalisten und Bloggern, so ROG, trügen auch Zensur und Gewalt im Namen von Religionen bei. Immer mehr Staaten nutzten Gesetze gegen Blasphemie oder Religionsbeleidigung, um politische Kritik zu unterdrücken - so auch im Fall des saudischen Bloggers Raif Badawi.

Auf den letzten Plätzen der "Rangliste der Pressefreiheit" liegen derzeit Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan. Für die Liste wurden Daten aus 180 Staaten und Regionen im Zeitraum von Oktober 2013 bis Oktober 2014 ausgewertet. Deutschland findet sich auf Platz 12 im oberen Mittelfeld der EU-Staaten wieder.

Jonas Krumbein
(KNA)

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