Eine aus Nordkorea geflohene Christin (rechts) bei einem Gottesdienst am 18.8.14 im südkoreanischen Seoul.
Eine aus Nordkorea geflohene Christin (r.) im südkoreanischen Seoul

31.07.2015

Hilfsorganisation Open Doors zur Christenverfolgung in Nordkorea "Alle Generationen der Christen sollen ausgelöscht werden"

In Nordkorea hat ein kanadischer Priester gesagt, dass er das Regime stürzen wollte. Es sei unwahrscheinlich, "dass mit dem Geständnis ein wahrer Satz verbunden ist", sagt Markus Rode von der Hilfsorganisation Open Doors im domradio.de-Interview.

domradio.de: Was ist von den Aussagen und der Pressekonferenz zu halten?

Markus Rode (Korea-Experte bei Open Doors, der Hilfsorganisation für verfolgte Christen): Wer in Nordkorea unter Druck gesetzt wird, und das über Monate, der wird wahrscheinlich alles gestehen. Das Regime hat eine solche Brutalität im Erpressen von Geständnissen und auch wie Menschen unter Druck gesetzt und verfolgt werden, dass man nicht davon ausgehen kann, dass mit diesem Geständnis auch nur ein wahrer Satz verbunden ist. 

domradio.de: Der Pfarrer wurde im Fernsehen vorgeführt. Ist das untypisch oder gehört das zum System?  

Rode: Ich glaube, das ist im Rahmen der Propaganda ein gefundenes Fressen gewesen für Kim Jong-un. Er hat jemanden gefunden, der aus dem Westen kommt und Christ ist und sagt: Wir wollten das Regime stürzen. Im Endeffekt ist das für Kim Jong-un eine Bestätigung, noch mehr das Feindbild des Westens und der Christen im eigenen Volk hochzuhalten.

domradio.de: Nordkorea ist zum 13. Mal in Folge das Land, in dem weltweit am meisten Christen verfolgt werden - das geht aus dem Weltverfolgungsindex  2015 von Open Doors hervor. Was heißt das für die Christen dort konkret?  

Rode: Man muss sich vorstellen, dass Christen nur im Untergrund leben und überleben können. Wir gehen von ungefähr 300.000 Christen aus, die sich nur in ganz kleinen Gruppen treffen können. Sie werden von einer extra ausgebildeten Geheimpolizei im ganzen Land gesucht werden. Es werden ungefähr 50.000 Christen in den Arbeitslagern verfolgt und gefoltert - in einer unglaublichen Weise. Es liegt also ein unglaublicher Druck auf den Christen. Und dennoch wächst die Untergrundgemeinde. Die Christen mit denen wir persönlich in Kontakt sind, bestätigen uns immer wieder, wie dankbar sie sind, dass sie nicht vergessen wurden und dass viele Christen, auch in Deutschland, für sie beten. 

domradio.de: Hat sich die Situation für die Christen in Nordkorea in den vergangenen Jahren noch verschärft? 

Rode: Die Situation ist inzwischen so extrem, dass man sich fragt, wie man sie überhaupt noch verschärfen kann. Wenn ein Christ von der Polizei entdeckt wird, dann geht die gesamte Familie ins Arbeitslager - inklusive der Kinder. Man versucht alle Generationen der Christen auszulöschen. Kim Jong-un befestigt die Grenze nach China, er versperrt also den Fluchtweg. Außerdem sind seine Aktivitäten ausgeklügelter geworden, um Christen ausfindig zu machen. Die Situation ist unter ihm für die Christen noch schlimmer geworden.

domradio.de: Haben Sie Hoffnung auf Besserung?  

Rode: Wir sind selbst Christen und haben die Hoffnung, dass unsere Gebete erhört werden. Wir beten intensiv für eine Veränderung und wir glauben auch, dass es von innen heraus eine Veränderung gibt - die Untergrundgemeinde wächst ja. Außerdem muss man sehen, dass das Misstrauen in diesem Regime untereinander zunimmt. Kim Jong-un lässt ja permanent seine engsten Mitarbeiter und Vertrauten hinrichten. Es gibt also offensichtlich eine große Angst in dem Regime vor Umstürzen. Wir hoffen natürlich, dass die Menschen in Nordkorea irgendwann in Freiheit gelangen und von dem Joch dieses Regimes befreit werden.

 

Das Interview führte Aurelia Rütters.

(dr)

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