Islamisten-Angriff auf Studenten in Kenia
Islamisten-Angriff auf Studenten in Kenia
Soldaten und Rettungskräfte eilen den Studenten zur Hilfe
Soldaten und Rettungskräfte eilen zur Hilfe

03.04.2015

Attentat auf christliche Studenten erschüttert Kenia Blutbad in Schlafsälen

Islamisten haben am Donnerstag in einer Universität in Kenia ein Blutbad angerichtet. Fast 150 Menschen, zumeist christliche Studenten, starben. Reinhard Kardinal Marx erinnerte beim Kreuzweg an Karfreitag an das Leid verfolgter Christen.

Beim bisher blutigsten Angriff somalischer Islamisten auf kenianischem Boden sind am Donnerstag 147 überwiegend junge Menschen ums Leben gekommen. Schwer bewaffnete Männer stürmten am frühen Morgen eine Universität in der Stadt Garissa im Südosten des Landes und richteten ein Blutbad unter den Studenten an. Anschließend verschanzten sie sich mit zahlreichen Geiseln in einem Wohnheim auf dem Campus. Erst viele Stunden später gelang es Sicherheitskräften, das Drama zu beenden.

Unter den Opfern sind nach Angaben des Innenministeriums in Nairobi auch die vier Täter. Mindestens 79 Menschen wurden verletzt, 587 Studenten konnten gerettet werden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Angriff scharf.

Die Polizei verhängte in der ostkenianischen Stadt und drei weiteren Bezirken des Landes eine nächtliche Ausgangssperre. Der Anschlag, der blutigste in Kenia seit Jahren, zielte Berichten zufolge auf christliche Studenten.

Islamisten-Sprecher: "Eine heilige Operation"

Zu der Tat bekannte sich die Islamistenmiliz Al-Shabaab aus dem Nachbarland Somalia. Ein ranghoher Sprecher der Gruppe sagte der Deutschen Presse-Agentur, es habe sich um "eine heilige Operation" gehandelt. Weitere Details wollte der Mann, der sich in der Region Lower Juba im Süden Somalias aufhält und anonym bleiben wollte, nicht nennen. Eine offizielle Stellungnahme gab es zunächst nicht.

Zeugen berichteten, die Täter hätten am Morgen zunächst die Moschee der Universität von Garissa attackiert und das Feuer auf die Anwesenden eröffnet. Später drangen sie offenbar in die Schlafsäle vor.

Als Drahtzieher der Attacke gilt ein in Kenia geborener Islamist, der im vergangenen Jahr bereits an den Anschlägen auf Zivilisten im Bezirk Mandera im Nordosten Kenias beteiligt gewesen sein soll. Dabei waren 60 Menschen ums Leben gekommen. Die Polizei leitete eine Großfahndung nach Mohamed Kuno ein, der als einer der Top-Kommandeure der Al-Shabaab gilt. Auf die Ergreifung Kunos, der auch unter dem Namen Mohamed Dulyadin bekannt ist, wurde eine Belohnung von 20 Millionen kenianischen Schilling (198 000 Euro) ausgesetzt.

Der "Standard" zitierte einen Sicherheitsbeamten mit den Worten, es habe zuvor Drohungen einer Terrorgruppe gegen die Universität gegeben. Garissa hat etwa 120 000 Einwohner und liegt rund 330 Kilometer östlich der Hauptstadt Nairobi unweit der Grenze zu Somalia.

Kenias Präsident ruft zu Wachsamkeit auf

"Die Angreifer haben sich den Weg zum Haupttor der Universität Garissa gebahnt, indem sie die Sicherheitskräfte am Eingang gegen 5.30 Uhr niedergeschossen haben", hieß es in einer Polizeimitteilung. Anschließend sei es zu schweren Schusswechseln gekommen. Stundenlang versuchte das Militär, die Geiseln aus dem Wohnheim zu befreien.

"Jeder im Land ist dazu aufgerufen, wachsam zu sein, während wir unseren Feinden entgegentreten", erklärte Präsident Uhuru Kenyatta. Der deutsche Vizebotschafter in Kenia, Friedo Sielemann, erklärte: "Deutschland verurteilt diese schreckliche Terrorattacke auf die Universität Garissa - einen Ort des Lernens und der persönlichen Entwicklung - auf das Schärfste."

Die Bundesregierung hat sich bestürzt über die blutige Geiselnahme gezeigt. "Dieser Anschlag auf unschuldige Menschen bringt erneut zum Ausdruck, mit welcher Brutalität die Terroristen von Al-Shabaab vorgehen und dass sie in ihrer menschenverachtenden Gesinnung keinerlei Skrupel kennen" erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Freitag in Berlin. "Unsere Gedanken sind bei den Menschen in Garissa und bei den Angehörigen der Toten", so Steinmeier weiter. "Der kenianischen Regierung versichere ich die Solidarität der Bundesregierung im Kampf gegen diesen Terror."

Kardinal Marx: Wohin mit all diesen Tränen?

Der Münchner Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, hob an Karfreitag beim "Kreuzweg der Völker" vor allem die Opfer der Geiselnahme in Garissa hervor, als er an das Leid verfolgter Christen erinnerte. "Wohin mit all diesem Leid? Wohin mit all diesen Tränen?" Ostern mache jedoch die Hoffnung, dass die Leidenden gerettet werden könnten.

Papst Franziskus hat den Terroranschlag als "Akt sinnloser Gewalt" verurteilt. Der immense Verlust an Menschenleben erfülle ihn mit tiefer Trauer, hieß es am Freitag in einem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichneten Telegramm an den Präsidenten der Kenianischen Bischofskonferenz, Kardinal John Njue.

Der Papst bete für die Opfer und sei ihren Familien und allen Kenianern im Geiste nahe, hieß es. Er bete auch für einen Wandel in den Herzen der Täter. Die Kenianer müssten ihre Anstrengungen für ein Ende der Gewalt und den Frieden verdoppeln.

Al-Shabaab bereits für mehrere Anschläge verantwortlich

Die Al-Shabaab verübt seit Jahren immer wieder Anschläge in Kenia, weil das Land mit Truppen gegen die Extremisten im Einsatz ist. Im März musste die Gruppe aber zahlreiche Rückschläge einstecken. So wurde einer der Top-Kommandeure in Mogadischu festgenommen, während ein anderer im Südwesten des Landes bei einem Drohnenagriff getötet wurde.

In Garissa hatten die Islamisten schon mehrmals Anschläge verübt. Erst im Dezember hatten Unbekannte eine Granate in ein Café geworfen und zwei Menschen verletzt. Im April 2013 attackierten vier Männer ein Hotel in der Stadt und töteten sechs Menschen. Auch in Nairobi schlugen Terroristen bereits zu. Bei einem Angriff auf das Einkaufszentrum Westgate in der kenianischen Hauptstadt waren im September 2013 mindestens 67 Menschen ums Leben gekommen.

(dpa, KNA)

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