Politiker und islamische Autoritäten verurteilen Tat

Staatsspitzen in Ägypten: Trauer über Anschlag auf Kirche

Nach dem Anschlag auf eine koptische Kirche in Kairo dauern die Ermittlungen offenbar an. Staatspräsident Adli Mansur bekundete laut einer Regierungspressemitteilung dem koptischen Patriarchen Tawadros II. telefonisch sein Beileid.

 (DR)

Nach dem Anschlag auf eine koptische Kirche in Kairo dauern die Ermittlungen offenbar an. Staatspräsident Adli Mansur bekundete laut einer Regierungspressemitteilung vom Dienstag dem koptischen Patriarchen Tawadros II. telefonisch sein Beileid. Die ägyptische Bevölkerung stehe zusammen und sei imstande, den Terrorismus auszurotten. Ministerpräsident Hasem al-Beblawi betonte seinerseits in einem Telefonat mit dem Kirchenoberhaupt, die Urheber dieses "kriminellen Anschlags" müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Bei dem Attentat vor der Kirche im Stadtteil Al-Warak im Norden Kairos am Sonntagabend starben mindestens vier Menschen, darunter ein acht- und ein zwölfjähriges Mädchen. 18 weitere Personen wurden nach Behördenangaben verletzt, als Täter auf einem Motorrad wahllos in eine Hochzeitsgesellschaft feuerten. Laut Medienberichten nahm die Polizei am Montag mehrere Verdächtige fest.

Aufruf zur Einheit

Neben den politischen Spitzen verurteilten die höchsten islamischen Autoritäten Ägyptens die Tat. Großmufti Schawki Ibrahim Allam und der Großscheich der Al-Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyeb, bezeichneten den Anschlag als im Widerspruch zur Lehre des Islam und riefen Muslime und Christen zur Einheit auf. Auch die salafistische Nour-Partei und die islamistische Muslimbruderschaft distanzierten sich.

EU-Außenkommissarin Catherine Ashton forderte ein Ende der Gewalt gegen religiöse Gruppen. In einer am Montagabend in Brüssel veröffentlichten Stellungnahme rief sie die ägyptische Regierung auf, die Schuldigen zu suchen und vor Gericht zu stellen. "Staaten haben alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um Gewalttaten gegen Menschen aufgrund deren religiöser Überzeugungen zu verhindern", so Ashton.

Zuvor hatte bereits Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) gemahnt, die Sicherheitskräfte müssten alle Ägypter schützen, auch Christen.

Nach einer von Amnesty International am 9. Oktober veröffentlichten Untersuchung wurden seit der Niederschlagung der Pro-Mursi-Proteste durch die ägyptische Polizei und das Militär mehr als 200 christliche Gebäude in Ägypten angegriffen und 43 Kirchen zerstört oder schwer beschädigt. Die koptischen Christen stellen rund zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung von insgesamt 85 Millionen. Genaue Angaben schwanken.


Kopten-Papst Tawadros II. (dpa)
Kopten-Papst Tawadros II. / ( dpa )
Quelle:
KNA