Monsignore Joachim Schroedel
Monsignore Joachim Schroedel

Monsignore Joachim Schroedel lebt und arbeitet seit 1995 in Ägypten und betreut von Kairo aus die nahöstlichen Länder Syrien, Jordanien, Libanon und Sudan sowie die ostafrikanischen Länder Libyen, Sudan, Eritrea und Äthiopien.

08.04.2013

Ein Hilferuf von Msgr. Schroedel aus Ägypten "Die Christen sind zutiefst verunsichert"

Wieder wurden am Wochenende in Ägypten koptische Christen ermordet. Msgr. Joachim Schroedel ist Seelsorger für die deutschsprachigen Gemeinden im Nahen Osten. Im domradio.de-Interview schildert die dramatische Situation in Kairo.

domradio.de: Im Umfeld der koptischen Markus-Kathedrale in Kairo ist es am Wochenende zu Zusammenstößen gekommen. Was genau ist passiert?

Msgr. Schroedel: Die Situation war eskaliert, nachdem ein christlicher Demonstrationszug von den Dächern der umliegenden Häuser mit Steinen beworfen worden ist. Das Schlimme war, dass die Sicherheitskräfte nicht eingegriffen haben. Es ist ein junger Mann erschossen worden, woher der Schuss kam, ist nicht bekannt.

domradio.de: Wer könnte denn hinter diesen Angriffen stehen?

Msgr. Schroedel: Das ist schwer zu sagen. Wir sind in Ägypten in den letzten Wochen in einer ganz spannungsreichen Situation, die kaum mehr zu überblicken ist. Die Menschen sind am Rande ihrer Möglichkeiten angelangt. Man kann unmöglich sagen, in welche Zukunft Ägypten geht. Die Menschen wissen, dass die Vorräte an Weizen vielleicht noch für 70 oder 80 Tage reichen, damit Brot gebacken werden kann. Diesel ist kaum noch zu bekommen. Es gibt also ein Transportproblem. Die Banken haben z.T. kein Geld mehr zum Auszahlen. Und in diese Situation hinein kommen dann Auseinandersetzungen, die vielleicht von Muslimbrüdern geschürt worden sind. Das kann ich aber nicht belegen. Aber eigentlich ist diese Region eher eine friedliche, umso mehr wundert es, dass so viele junge Menschen von den Dächern herunter mit Steinen geworfen haben. Das muss eigentlich organisiert gewesen sein. Die Kirchenleitung fordern, dass Ruhe einkehren muss und rufen zu Frieden und Verständigung auf. Die Christen hier in Ägypten brauchen dringend Solidarität, wie es neulich unser Erzbischof von Bamberg auch ausgedrückt hat.

domradio.de: Wie verhält sich denn Präsident Mursi in diesem Konflikt?

Msgr. Schroedel: Er muss! Sonst bricht ihm noch die letzte treue Gefolgschaft weg. Denn man hört nur noch Gegnerstimmen, die sich fragen, was sie sich da eingehandelt hätten, was mit diesen Muslimbrüdern los sei, die nichts auf die Reihe kriegen. Natürlich hat Mursi verbal sein Bedauern bekundet, aber was dahinter steht, wissen wir nicht. Schließlich hat er auch schon ganz andere Dinge von sich gegeben über das Christentum hier im Land. Es hat aber auch eine Verurteilung der Vorfälle von einem hohen muslimischen Würdenträger gegeben. Die Christen sind zutiefst verunsichert und wollen das Land verlassen. Aber auch die muslimische Bevölkerung ist am Rande des Erträglichen angelangt. Es ist zu befürchten, dass in zwei oder drei Monaten hier der Letzte das Licht ausmacht, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Ägypten muss tüchtig Strom sparen, die Nachtbeleuchtung ist vielfach ausgeschaltet. Es ist sehr beängstigend. Wir würden uns sehr freuen, wenn die internationale Staatengemeinschaft genauer hinschauen würde, auf das, was hier wirklich passiert.

domradio.de: Was könnte die Staatengemeinschaft überhaupt tun, um die Lage zu verbessern?

Msgr. Schroedel: Das Auge drauf bewahren, nicht nur wenn wieder Blut fließt, sondern auch in ruhigeren Zeiten. Immer wieder demokratische Strukturen anmahnen und schnelle finanzielle Hilfen ermöglichen. Für uns Christen sind aber auch die internationale Solidarität und die Gebete der Katholiken sehr wichtig. Auch ein Treffen von Papst Franziskus mit Koptenpapst Tawadros II. könnte vielleicht ein kleines oder mittleres Wunder bewirken.

Das Interview führte Mathias Peter.

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