Droht dem Täter die Todesstrafe?
Schattenumriss Gefängnis

24.10.2018

"Café Rückenwind" hilft entlassenen Strafgefangenen beim Neustart Eine Gruppe, die sich stärkt

Seit mehr als einhundert Jahren leistet der Sozialdienst Katholischer Männer soziale Hilfe für Bedürftige wie Wohnungslose, Suchtkranke und Familien. Die Strafentlassenenhilfe bringt den Fachverband der Deutschen Caritas jetzt auch nach Berlin.

DOMRADIO.DE: Wie kann es sein, dass ausgerechnet die Hauptstadt keinen Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) hatte?

Pfarrer Stefan Friedrichowicz (Domkapitular des Metropolitankapitels bei Sankt Hedwig in Berlin und Gefängnisseelsorger): Das ist vorher gar nicht so aufgefallen, weil die Caritas in Berlin durchaus stark ist. Es gibt seit über hundert Jahren den Sozialdienst Katholischer Frauen in Berlin. Aber durch die Gefängnisarbeit hat sich das irgendwie angebahnt und da haben wir uns einen starken Partner gesucht.

DOMRADIO.DE: Und warum haben Sie gesagt: "Wir brauchen so eine Beratungsstelle für Männer?" Für Frauen gibt es die ja schon.

Friedrichowicz: Wir haben in Berlin mehrere große Gefängnisse und ich habe über die Jahre beobachtet, dass die Männer, die entlassen werden, dann oft kontaktlos sind. Sie wissen nicht recht, wohin, verlieren sich und werden oft straffällig und kommen wieder. Und da habe ich gedacht, es müsste etwas geben, wo die Männer einen Anlaufpunkt haben, in dem man sich jederzeit zwanglos treffen kann, um sich zu beraten.

"Café Rückenwind" heißt die Initiative. Aus unserem Pastoralverbund aus sieben Kirchtürmen haben sich etwa 20 Frauen und Männer gefunden, die etwas für entlassene Strafgefangene oder für Freigänger tun, damit sie wissen, wohin sie gehören. Und dann haben wir gesagt, dass wir das professionalisieren müssen. Wir brauchen einmal einen professionellen Helfer und dann einen professionellen Anbieter, der vernetzt ist. Da war der SKM zur Stelle und hat gesagt: "Wir sind, was ihr sucht."

DOMRADIO.DE: Was können Sie denn in dem Café den entlassenen Strafgefangenen anbieten?

Friedrichowicz: Wir bieten zunächst mal Gespräche an und daraus ergeben sich dann Möglichkeiten zur ehrenamtlichen Tätigkeit bei Tafeln oder Suppenküchen. Wir gehen dann gemeinsam auf die Suche und haben auch schon zu Bläsereien, Schlossereien, Malereien oder Bäckereien vermitteln können.

DOMRADIO.DE: Jetzt gibt es das Café und Sie haben noch den SKM als Dachverband dazu gegründet. Was soll der denn in Zukunft leisten?

Friedrichowicz: Der Dachverband soll mit uns zusammen letztlich ein Haus finden, in dem wir feste Büros haben, in dem wir einen Laptop und ein Telefon haben und vor Ort Beratung anbieten können. Der Dachverband soll uns helfen, Fördermittel zu beantragen, und uns ein Standing geben, damit wir eben nicht zu kurzatmig sind, sondern Kraft und Tradition haben.

DOMRADIO.DE: Das hört sich ja relativ leicht an, wenn Sie das sagen. Aber brauchen Sie da noch Unterstützung?

Friedrichowicz: Wir brauchen auf jeden Fall Unterstützung. Denn wir suchen zunächst einmal Räume, die wir über längere Zeit – am besten schon mal zehn Jahre – nutzen können, damit die Inhaftierten über die nächsten Jahre eine feste Adresse haben. Die spricht sich dann rum – das ist jetzt schon so – und die Leute kommen vorbei. Mich sprechen auch Anstalten an, damit bei uns Erstausführungen erfolgen können. Über ein Dutzend haben wir schon gemacht. Da kommen die Inhaftierten zunächst mal mit Handschellen, Fußfesseln und Beamten zu uns und können sich bei uns im Café mit Familienangehörigen treffen.

Das ist der Anfang. Das schafft Vertrauen und spricht sich dann im Gefängnis rum. Und vielleicht kommen wir dann später zu dem Model, wo Männer mit Langzeitstrafen keinen Beamten mehr brauchen, sondern von uns beim Ausgang einen Begleiter gestellt bekommen. Auf diese Art und Weise könnte sich das SKM – ähnlich wie eine Jugendgruppe – zu einer Gruppe von 20 bis 30 Männern entwickeln, die sich gegenseitig stärken.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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