Caritas-Präsident Peter Neher
Caritas-Präsident Peter Neher

09.03.2018

Caritaspräsident mahnt Auseinandersetzung mit NS-Zeit an "Glaube schützt nicht vor Fehlverhalten"

Zur immer neuen Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus hat Caritas-Präsident Peter Neher aufgerufen. Die Jahre von 1933-45 seien eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, sagte Neher am Freitagabend in Freiburg.

"Umso wichtiger ist es, dass wir uns mit dem damals geschehenen Unrecht auseinandersetzen", sagte der Präsident des Deutschen Caritasverbandes am Freitagabend in Freiburg. Er eröffnete in der Zentrale des Caritasverbands eine Ausstellung über das Schicksal und die Lebenswege von Christinnen, die die Nationalsozialisten ins Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück deportierten.

Für die Aufarbeitung sei es wichtig, auch an die Menschen zu erinnern, die sich gegen die nationalsozialistischen Verbrechen und für eine bessere Welt einsetzen, betonte Neher. Dazu gehöre auch das ehrliche Eingeständnis, dass der christliche Glaube keineswegs ein Garant für Widerstand gegen Unrecht sei. "Glaube schützt nicht vor Fehlverhalten. Mehr noch, Glaube kann blind machen und dadurch Fehlverhalten unterstützen", so der Caritaspräsident. Umso wichtiger sei es, dass sich Religionen auch heute für Kritik von außen und für Selbstreflexion öffneten. Andernfalls drohten Religionen zu Ideologien zu verkommen.

Ausstellung über Christinnen

Die bis zum 20. April im Freiburger Lorenz-Werthmann-Haus gezeigte Ausstellung stellt exemplarisch 13 Christinnen vor, die aus ihrer christlichen Überzeugung heraus Juden und anderen Verfolgten halfen und dadurch selbst ins Visier der Nationalsozialisten kamen.

"Der Mut und die Kraft vieler widerständiger Frauen sind bis heute kaum bekannt. Auch weil sie selbst, wenn sie denn überlebten, nach dem Krieg kaum Aufsehen um ihr Handeln machten und still wieder in die zweite Reihe zurücktraten", sagte Ausstellungskuratorin Sabine Arend. Die Ausstellung wolle hier neue öffentliche Aufmerksamkeit schaffen.

Frauen wurden ins Konzentrationslager Ravensbück deportiert

Porträtiert werden beispielsweise Gertrud Luckner (1900-55), die in Süddeutschland verfolgten Juden zur Flucht in die Schweiz verhalf, die französische Partisanin Yvonne Pagniez (1896-1981) oder die in Ravensbrück umgekommene Gründerin eines christlich-orthodoxen Hilfswerks, Elizaveta Skocova (1891-1945). Beschrieben wird auch, wie Christinnen im Verborgenen im KZ Gottesdienste oder Marienandachten feierten.

Das KZ Ravensbrück im heutigen Brandenburg war das größte Frauen-Konzentrationslager. Zwischen 1939 bis zur Befreiung durch die Sowjets 1945 waren hier unter unmenschlichen Bedingungen rund 120.000 Frauen aus mehr als 30 Staaten eingesperrt.

(KNA)

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