Caritas gegen Auszahlung von Arbeitslosengeld im Supermarkt
Caritas gegen Auszahlung von Arbeitslosengeld im Supermarkt
Michaela Hofmann
Michaela Hofmann

15.11.2017

Caritas gegen Auszahlung von Arbeitslosengeld im Supermarkt "Das geht auf Kosten der Hartz-IV-Empfänger"

Der Caritasverband für das Erzbistum Köln kritisiert gegenüber domradio.de Pläne der Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosengeld künftig an Supermarktkassen auszuzahlen.

domradio.de: Ich habe das erst mal als Service für die Betroffenen verstanden, nach dem Motto, dann müssen die nicht jedes Mal extra zum Amt, wenn sie kein Konto haben. Warum ist das in Ihren Augen nicht so?

Michaela Hofmann (Armutsreferentin im Diözesan-Caritasverband): Also die Personen müssen ja trotzdem noch zum Amt, um den Antrag zu stellen. Dann wird im Amt darüber entschieden. Dieser Weg ist also nicht gespart. Es ist eben ein Unterschied, ob der Betroffene das Geld direkt im Amt mitnehmen kann, oder ob er ein Schreiben in die Hand gedrückt bekommt und damit losziehen muss, um das beim Supermarkt einzulösen. Das bedeutet halt noch mal zusätzliche Wege.

domradio.de: Bisher können Arbeitslose Bargeld an 309 Kassenautomaten in Jobcentern und Arbeitsagenturen erhalten. Das soll ja jetzt abgeschafft werden. Wie erklären Sie sich das?

Michaela Hofmann: Letztendlich geht es darum, Geld zu sparen, weil eine Transaktion acht Euro kostet. Außerdem frisst auch die Wartung der Automaten Geld. Aber das jetzt nach "draußen" zu verlagern, das geht auf Kosten der Leute. Das kann's nicht sein.

domradio.de: Es ist peinlich für die Betroffenen, wenn die Leute in der Kassenschlange mitkriegen "Ah, der ist Hartz IVler!"

Michaela Hofmann: Ja, jeder kann sehen, dass die Person Hartz IV bekommt, weil sie mit einem Zettel an die Kasse geht und nicht mit einer Bank-Karte, so wie die anderen Leute. Zum anderen: Was ist, wenn ich gar nichts kaufen möchte? Damit die unangenehme Situation nicht aufkommt, dürften viele genötigt sein, auch in Märkten einzukaufen, in denen sie vielleicht sonst nicht einkaufen würden.

domradio.de: Sie sehen das also in erster Linie als Bloßstellung, als Erniedrigung…

Michaela Hofmann: Das ist eine Bloßstellen und in der Praxis ist das nicht notwendig. Die Menschen sollten eher ein Konto erhalten. Das ist ja das Problem: Leute haben kein Konto, auf das das Geld überwiesen werden kann. Die Jobcenter könnten zum Beispiel mit Banken vor Ort eine Vereinbarung abschließen, damit diese Menschen ein Konto nutzen können.

domradio.de: Ist das Ganze denn jetzt schon beschlossene Sache?

Michaela Hofmann: Also bisher sind das Pläne. Gerade deshalb ist es wichtig, darüber zu sprechen und zu berichten. Wir hoffen, dass diese Idee noch mal überdacht wird.  

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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