Nach Erdbeben in Mexiko
Nach Erdbeben in Mexiko
Adveniat-Länderreferent Reiner Wilhelm
Reiner Wilhelm, Mexiko-Referent bei Adveniat

21.09.2017

Adveniat zur Hilfe in Mexiko nach dem Erdbeben "Die Nachbarschaftshilfe ist enorm"

Insgesamt sind mehr als 20 Millionen Personen von den Folgen des Erdbebens in Mexiko betroffen. Im Interview berichtet Reiner Wilhelm vom Hilfswerk Adveniat von der enormen Solidarität und darüber, wie gerade die katholische Kirche helfen kann.

domradio.de: Am schwersten betroffen ist die Hauptstadt und Millionenmetropole Mexiko-Stadt. Was wissen Sie darüber, wie es jetzt dort aussieht?

Reiner Wilhelm (Mexiko-Referent beim katholischen Hilfswerk Adveniat): Ich hatte relativ schnell nach dem Erdbeben Kontakt mit unseren Partnern. Der Sekretär der Bischofskonferenz rief mich an und sagte nur, es habe sich alles sehr stark bewegt, wir wissen noch nicht, was alles passiert ist, aber wir brauchen Hilfe. Das bestätigte sich dann im Laufe des Tages. Dort gibt es nun ein riesen Trümmerfeld, viele Menschen kamen nicht nach Hause und wenn sie nach Hause kamen, sahen sie, dass ihre Häuser so stark beschädigt waren, dass sie da nicht mehr reinkonnten, ohne Gefahr zu laufen, selbst erschlagen zu werden. Viele Menschen haben nur noch das, was sie am Leibe tragen. Deswegen ist es unheimlich toll, diese große Solidarität zu erleben. Viele Menschen, Freiwillige, Nachbarn gehen auf die Straße, helfen, fragen, wo es Not tut, helfen mit Medikamenten, Nahrungsmitteln oder Kleidung. Diese Nachbarschaftshilfe ist enorm groß.

domradio.de: Was haben Ihnen Ihre Partner berichtet, inwieweit sind die selbst betroffen? 

Wilhelm: Ich habe die Information bekommen, dass unter den Toten und Schwerverletzten niemand unserer Partner ist. Aber die Gebäude sind erheblich beschädigt. Zum Teil kann man nicht reingehen, sie können nicht weiter benutzt werden. Da müssen erhebliche Reparaturmaßnahmen erfolgen. Insofern sind auch unsere Partner sehr stark betroffen. Viele haben mir davon berichtet, dass sie sich an das schwere Erdbeben vor 32 Jahren erinnert gefühlt haben. Man muss wissen, man hatte gerade zwei Stunden vorher eine Erdbebenübung gemacht. Und zwei Stunden später ist man in dieser Situation und die Leute waren völlig perplex. Aber es ist tatsächlich so gewesen, dass diese Übungen nicht umsonst waren. Und man hat relativ schnell und gut darauf reagiert.

domradio.de: Alle berichten von einer enormen Welle der Solidarität, so auch der Vorsitzende der nationalen Bischofskonferenz. Was genau unternimmt die Kirche, um diese Solidarität zu unterstützen?

Wilhelm: Man braucht natürlich Informationen. Das, was Kirche ausmacht, ist, dass sie nicht nur in den großen Städten präsent ist, sondern wirklich bis in die kleinsten Dörfer kommt. Sie ist auch in den ländlichen Bereichen tätig, wo wirklich sehr große Schäden sind. Man sieht die Berichte nur aus den großen Städten, wo die Hilfe sofort ankommt, da sind die Soldaten, da ist die Nachbarschaftshilfe. Aber vom Umland sieht man relativ wenig. Aber da sind Caritas und die Pastoral Social sehr präsent.

domradio.de: Noch befinden sich die betroffenen Gebiete in akuter Notlage, sind auf Notfallhilfe angewiesen. Dafür hat Adveniat bereits 20.000 Euro Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Wie geht es jetzt weiter? Der Wiederaufbau dürfte teuer werden.

Wilhelm: Das sieht man allein schon daran, dass schon am 7. September in einer anderen Gegend in Mexiko die Erde sehr stark gebebt hatte. Und da sind, laut aktueller Bestandsaufnahme, um die 300 Kirchen einfach zusammengefallen, kaputt gegangen oder reparaturbedürftig. Aber nicht nur die Kirchen und Kapellen sind betroffen, sondern auch Gemeindesäle, Schulen und so weiter. Und ich gehe davon, dass sich diese Zahl nach diesem Erdbeben erheblich erhöht. Wir wissen also noch nicht, was kommt, aber es dürfte sehr, sehr teuer werden.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.

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