Podiumsdiskussion mit Petra  Dierkes (Hauptabteilung Seelsorge beim Erzbistum Köln), Dr. Benedikt Jürgens (ZAP Bochum), Prof. Dr. Haderlein und der Moderatorin Ina Kramer
Podiumsdiskussion mit Petra Dierkes (Hauptabteilung Seelsorge beim Erzbistum Köln), Dr. Benedikt Jürgens (ZAP Bochum), Prof. Dr. Haderlein und der Moderatorin Ina Kramer
Kabarettist Jürgen Becker (l.) und Bruno Schrage, Pastoralreferent für die Caritas im Erzbistum Köln
Kabarettist Jürgen Becker (l.) und Bruno Schrage, Pastoralreferent für die Caritas im Erzbistum Köln
Ralf Haderlein, Professor für Sozialmanagement an der Hochschule Koblenz
Ralf Haderlein, Professor für Sozialmanagement an der Hochschule Koblenz
Caritas-Logo
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05.09.2017

Fachforum der Diözesan-Caritasverbände NRW Wie führt man ein christliches Unternehmen?

Was bedeutet es eigentlich, ein christliches Unternehmen zu führen? Jedenfalls viel mehr als kirchliches Arbeitsrecht und ein Kreuz über dem Eingang - darin waren sich die Teilnehmer eines Fachforums in Köln einig. 

Was zeichnet ein christliches Unternehmen aus und wie sollte sich die Führung von anderen Unternehmen unterscheiden? Das waren die zentralen Fragen, mit denen sich das Fachforum der Diözesan-Caritasverbände aus Nordrhein-Westfalen an diesem Dienstag beschäftigt hat.

Unter dem Titel "Von der Kunst ein christliches Unternehmen zu führen – Identität managen!" waren rund 120 Führungskräfte aus kirchlichen Organisationen und kirchliche Vertreter eingeladen. Hintergrund ist, dass Führungskräfte christlicher Unternehmen immer mehr vor der Herausforderung stehen, eine besondere Unternehmenskultur im säkularen Umfeld von Gesellschaft und Arbeitswelt zu gestalten. In einem waren sich die Teilnehmer schnell einig: ein christliches Unternehmen ist nicht nur am Namen und am Kreuz über der Tür erkennbar, sondern es definiert sich vor allem durch seine Firmenkultur und die besondere Haltung seiner Mitarbeiter.

Christliches Profil ist wichtig

Grundlage dafür sei ein klares christliches Profil, so Ralf Haderlein, Professor für Sozialmanagement an der Hochschule Koblenz und einer der Hauptredner bei diesem Forum. Denn Profillosigkeit führe in der Pluralität zu Orientierungslosigkeit und Beliebigkeit. Dafür müsse der christliche Auftrag lebendig gestaltet und kontinuierlich weiterentwickelt werden, so seine Forderung. Doch was bedeutet das in der Praxis? Haderlein nannte dafür ein konkretes Beispiel: "Wenn ein Pfleger einem alten Menschen die Haare kämmt, sollte er das im Sinne des Evangeliums tun. Es geht nicht nur ums Haarekämmen, sondern um die Zuwendung für andere Menschen. Das ist Glaube."

Dies den Mitarbeitern zu vermitteln, sei Aufgabe der Führungskräfte, so Bruno Schrage, Pastoralreferent für die Caritas im Erzbistum Köln und einer der Mitorganisatoren des Forums. "Die Führungskräfte müssen die Voraussetzung schaffen, dass die Mitarbeiter sagen: Das ist gut, dass ich in einem christlichen Unternehmen arbeite", fordert er. Der Glaube könne Mitarbeiter in vielen Situationen tragen, davon ist er überzeugt. Etwa dann, wenn jemand nicht mehr weiter wisse oder an seine Grenzen komme, so Schrage. Dann gelte es, in einem Unternehmen solidarisch zu bleiben, weil es auch einen Gott gebe, der bis zum Letzten solidarisch sei. "Diesen Horizont und dieses Hoffnungspotenzial in das Unternehmen hineinzubringen, das passiert heute nicht mehr von alleine, sondern dafür muss das Unternehmen oder die Organisation sorgen", erklärt er.

Katholische Blindarm-OP?

Für eine Auflockerung des Programms sorgte der Auftritt des Kabarettisten Jürgen Becker, der seinen eigenen Blick auf die Thematik hat. Er ist überzeugt: Humor und Religion haben vieles gemeinsam, weil beide mit einer unstimmigen Situation umgehen müssten. Beim Humor würde das Ganze durch das Lachen aufgebrochen und so eine Distanz geschaffen, sagt Becker. "Bei der Religion ist das genauso. Auch da wird Distanz geschaffen und man überlegt sich: Wie sieht das von oben aus? Wie sieht das ein Gott?" Eine offene Frage blieb dem Kabarettisten aber am Ende doch: "Wie kann man einen Blinddarm katholisch operieren?"

Bruno Schrage weiß Rat: "Der Unterschied ist ganz bestimmt nicht in der Qualität der Fachlichkeit zu finden, aber in der Überzeugung, mit der ich die Arbeit verrichte. Das hat zur Folge, dass die Mitarbeiter dann auch mit einem anderen Einsatz dabei sind, weil eine tiefe innere Motivation dahintersteht."

Sarah Didden
(DR)

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