Caritas: Nach Anschlägen auch Flüchtlingsheime stärker schützen

"Anschläge zeigen die Zerrissenheit der Gesellschaft"

Nach den Anschlägen in Dresden hat die Caritas im Bistum Dresden-Meißen einen stärkeren Schutz auch von Flüchtlingsunterkünften gefordert. Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften betonten den gemeinsamen Einsatz für Dialog und Toleranz.

Ein Polizeiauto steht am 28.09.2016 vor der Fatih Camii Moschee in Dresden (Sachsen). / © Sebastian Kahnert (dpa)
Ein Polizeiauto steht am 28.09.2016 vor der Fatih Camii Moschee in Dresden (Sachsen). / © Sebastian Kahnert ( dpa )

Die Gefahr extremistischer Anschläge bestehe auch nach den Feiern weiter, die zum Tag der Deutschen Einheit von Samstag bis Montag in der Landeshauptstadt geplant sind. Die Anschläge zeigten die Zerrissenheit der Gesellschaft, erklärte Diözesan-Caritasdirektor Matthias Mitzscherlich am Mittwoch in Dresden. "Als Christen lehnen wir die Gewalt ab. Die Bereitschaft, Menschen zu verletzen oder gar zu töten, verurteilen wir auf das Schärfste."

Auch die Geschäftsführerin des Caritasverbandes Dresden, Heike Riedel, betonte, die Anschläge zeigten, "was passiert, wenn Angst vor fremden Kulturen und Religionen zu Hass und Gewalt" führe. In Dresden bietet die Caritas unter anderem Migrationsberatung für Erwachsene, einen Jugendmigrationsdienst und Flüchtlingssozialarbeit an.

Verwirrendes Bekennerschreiben

Zwei Sprengsätze waren am Montagabend innerhalb kurzer Zeit vor der Tür einer Moschee und auf der Terrasse des Kongresszentrums in Dresden explodiert, wo am Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober der Empfang des Bundespräsidenten ausgerichtet wird. Menschen wurden nicht verletzt. Ebenfalls am Montag findet deutschlandweit der Tag der offenen Moschee statt.

Nach den Tätern wird weiterhin mit Hochdruck gesucht. Im Internet ist eine Erklärung aufgetaucht. Das Schreiben war am Dienstag auf der Seite "linksunten.indymedia.org" - nach Angaben der Ermittler eine linksextremistische Plattform - veröffentlicht und später wieder entfernt worden. "Es ist unklar, ob es echt ist und von wem es stammt", sagte Klein. 

Zentralrat der Muslime: Terroristen wollen Gesellschaft spalten

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) verurteilte die Bombenattentate "als politisch motivierte Terroranschläge". Der Vorsitzende Aiman Mazyek verwies zur Begründung in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch) darauf, dass die Anschläge kurz vor den Feiern zum Tag der Deutschen Einheit und vor dem gleichzeitig stattfindenden Tag der Offenen Moschee passiert seien. 

Mazyek rief die Bürger dazu auf, sich gegen Rechtsextremismus zu stellen. Terroristen wollten die Gesellschaft spalten. Juden, Christen, Muslime und Menschen ohne Religion sollten sich wehrhaft zeigen "gegenüber dem ansteigenden Rechtsextremismus und der Islamfeindlichkeit in Deutschland".

Zelt der Religionen zum 3. Oktober weiterhin geplant

Ungeachtet der Sprengstoffanschläge vom Montag wird es beim Dresdner Bürgerfest zum "Tag der Deutschen Einheit" ein "Zelt der Religionen" geben. Unter dem Motto "Verschieden glauben - Gemeinsam leben" wollen Bahai, Buddhisten, Christen, Juden, Muslime und Sikhs am Wochenende die religiöse Vielfalt Sachsens vorstellen. Das teilten Vertreter der Gemeinschaften am Mittwoch in Dresden an.

Am 3. Oktober, dem Einheits-Feiertag, wird zudem ein ökumenischer Gottesdienst in der Frauenkirche gefeiert, den das ZDF direkt überträgt. Daran wirken Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing, der katholische Bischof Heinrich Timmerevers vom Bistum Dresden-Meißen und der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos mit.

"Partner auf Augenhöhe"

Der muslimische Vertreter im Organisationskreis des Zeltes, Muhammed R. Wellenreuther, betonte, er fühle sich trotz der jüngsten Anschläge in Dresden sicher. Zugleich berichtete er jedoch, dass Musliminnen in Dresden beleidigt worden seien, weil sie ein Kopftuch trugen. Einige von ihnen trauten sich deshalb nicht mehr auf die Straße.

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Nora Goldenbogen, kritisierte die Präventionsmaßnahmen der Sächsischen Landesregierung gegen Rechtsextremismus als unzureichend. Sie rief die Landesregierung auf, die Religionsgemeinschaften als Partner auf Augenhöhe wahrzunehmen. Eine "vereinzelte Feiertagsaktion" reiche nicht aus, um die religiöse Vielfalt in Sachsen zum Ausdruck zu bringen.

Für das Recht auf Religionsfreiheit

In dem bei der Kreuzkirche stehenden Zelt wollen Juden und Muslime das Brauchtum bei der Feier ihrer Neujahrsfeste vorstellen, die in diesem Jahr auf den 3. Oktober fallen. Wie die evangelische Kirchenrätin Tabea Köbsch und die katholische Ökumene-Referentin Elisabeth Naendorf ankündigten, wollen die Kirchen in dem Zelt auch in einen Dialog mit Menschen treten, die keiner Religionsgemeinschaft angehören.

Am 3. Oktober wollen die beteiligten Religionsgemeinschaften überdies ein "Dresdner Wort" verabschieden, das für das grundgesetzlich verankerte Recht auf Religionsfreiheit eintritt. Das Zelt steht vom 1. bis 3. Oktober von 10 bis 20 Uhr offen.

 

 

 


Quelle:
KNA