Schüler vor der Berufswahl
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20.07.2016

Zahl der Schulabgänger ohne Schulabschluss in NRW weiter gestiegen Trübe Berufsaussichten

Es ist eine bedenkliche Entwicklung: In Nordrhein-Westfalen haben knapp 12.000 Jugendliche (6 Prozent) im Jahr 2014 die Schule verlassen, ohne zumindest einen Hauptschulabschluss erreicht zu haben.

Die Zahl ist im Vergleich zu den Vorjahren (2013: 5,5 Prozent und 2012: 5,4 Prozent) gestiegen. "Das Bildungssystem versagt an vielen jungen Menschen", sagt Dr. Frank Joh. Hensel, Direktor des Diözesan-Caritasverbandes. Auch bundesweit ist der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss mit 5,7 Prozent wieder leicht angestiegen, 2013 und 2012 verharrte er noch bei 5,6 Prozent.

In den Kreisen und Städten NRWs zeichnet sich mehrheitlich ein ähnliches Bild ab: In Köln stieg der Anteil der Schüler ohne Hauptschulabschluss auf 5,8 Prozent (2013: 5,4 Prozent) und in Düsseldorf sogar auf 8 Prozent (2013: 6,7 Prozent). Im Kreis Mettmann hat sich die Situation mit 3,7 Prozent Schulabgängern ohne Abschluss jedoch verbessert (2013: 5,3 Prozent).

Kaum Chancen im Arbeitsleben

"Wir müssen dringend die Tageseinrichtungen und Schulen stärken, damit die Jugendlichen einen Bildungsabschluss erreichen und ihre eigenen Kompetenzen erkennen können", fordert Hensel. Wer die Schule ohne Abschluss verlasse, habe kaum Chancen, im Arbeitsleben Fuß zu fassen. Das Land NRW müsse klare Aussagen zur Finanzierung der Offenen Ganztagsschulen und der Frühen Hilfen machen und ein anspruchsvolles und verbindliches Qualitätskonzept vorlegen. Hensel: "Bildung darf weder vom Geldbeutel der Eltern noch von der Haushaltslage der einzelnen Kommunen abhängen."

Michaela Hofmann, Referentin für Armutsfragen beim Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V. spricht im domradio.de-Interview von einem "Versagen der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen". Es seien zwar viele Plätze in Kindertageseinrichtungen geschaffen worden, allerdings seien diese Einrichtungen allzuoft aufgrund von Personalmangel und fehlender Ausbildung eher "Verwahranstalten".

Seit dem Jahr 2012 wertet die Caritas jährlich die Zahlen der amtlichen Statistik zu den Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss aus. Damit soll ein Blick auf diejenigen gelenkt werden, die in einer Gesellschaft, deren Arbeitsplatzangebot immer mehr durch Bildung bestimmt ist, eine schlechte Ausgangsposition haben.

(Caritas, DR)

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