Flüchtlinge aus Afghanistan und Pakistan auf Lesbos
Caritas Polen will humanitäre Korridore errichten

19.07.2016

Caritas Polen arbeitet an humanitären Korridoren für Flüchtlinge Einreisebedingungen in die EU ein Schnippchen schlagen

Die katholische Kirche in Polen macht ernst mit der Einrichtung humanitärer Korridore für Syrienflüchtlinge aus dem Libanon. Die Idee stammt von der katholischen Laienbewegung Sant'Egidio und wird in Italien bereits praktiziert.

Der Nationaldirektor der polnischen Caritas, Marian Subocz, erklärte im Gespräch mit der Caritas im Bistum Essen, er stehe aktuell im Dialog mit dem polnischen Außen- und Innenministerium, um die Bedingungen auszuhandeln. Die Polnische Bischofskonferenz hatte sich in der vergangenen Woche auch für die humanitären Korridore ausgesprochen.

Papst Franziskus hatte im März von einem "Pilotprojekt, das Solidarität und Sicherheit vereint" gesprochen und die Korridore ausdrücklich als "konkretes Zeichen des Einsatzes für den Frieden und das Leben" gelobt.

Erteilung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit

Nach der EU-Visaverordnung können die sonst strengen Einreisebedingungen in die EU durch "Erteilung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit" umgangen werden, etwa aus humanitären Gründen. Die Behörden im Libanon müssen eine Genehmigung erteilen. Im Aufnahmeland werden die Flüchtlinge registriert und beantragen dann Asyl. Die beteiligten Hilfsorganisationen und die Pfarrgemeinden sorgen für die Reise, die Unterkunft und die Integrationsmöglichkeiten. Der Staat beteiligt sich nicht.

Im Rahmen des Modells sollen "bedürftige" Flüchtlinge nach Polen einreisen können, etwa alleinstehende Frauen mit Kindern, Kriegsverletzte, Opfer von Menschenhandel, alte oder behinderte Menschen, teilte die Caritas im Bistum Essen mit.

Polnische Caritas will Christen und Muslime aufnehmen

Rudi Löffelsend, Vorstandsmitglied der Caritas Flüchtlingshilfe Essen, betonte, die polnische Caritas wolle sowohl Christen als auch Muslime aufnehmen. Das Modell könne auch dazu beitragen, den Schleppern das Handwerk zu legen. Subocz erklärte: "Wir werden klein anfangen, aber wir hoffen, dass in Zukunft mehr dazukommen, um sie endlich vor Todesgefahren auf dem Meer zu bewahren, aber auch vor finanzieller Ausbeutung durch den Menschenhandel."

Die Caritas in Polen verfügt nach eigenen Angaben über rund 5.000 Pfarrcaritasgruppen, also Ehrenamtlichen-Gruppen, die helfen werden.

(KNA)

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