24.07.2015

Caritas-Ausstellung im Paderborner Diözesanmuseum Provokation Nächstenliebe

Mitleid und Hilfe waren den Römern fremd. Erst die Christen brachten die Nächstenliebe in die Welt. Die Ausstellung im Erzbischöflichen Diözesanmuseum Paderborn zeigt die Erfolgsgeschichte der christlichen Nächstenliebe.

Niemand darf von der Liebe zum Nächsten ausgeschlossen werden, so war das Credo der frühen Christen. Diese "Kultur des Herzens" passte nicht in das rationale Weltbild der Römer, so Prof. Christoph Stiegemann, Direktor des Paderborner Diözesanmuseums. Gegen alle Widerstände setzten sich die Christen für die Armen, Witwen und Schwachen ein. Mit der revolutionären Kraft der tätigen Nächstenliebe prägen die Christen bis heute die Geschichte der Welt.  

Geschichte der Nächstenliebe im Spiegel der Kunst

Eine kulturhistorische Rückschau soll ab Freitag (24. Juli) die große Ausstellung im Paderborner Diözesanmuseum bieten. Die Kunst "als Seismograph menschlicher Befindlichkeiten und geistig-kultureller Entwicklungen" habe das Thema Nächstenliebe durch die Jahrhunderte bis heute immer wieder aufgegriffen, sagt Stiegemann. In der Schau werden die Antworten von Künstlern wie Raffael, Lucas Cranach den Älteren, Peter Paul Rubens, auch Ernst Ludwig Kirchner, Pablo Picasso, Käthe Kollwitz bis hin zu Bill Viola gezeigt.

Wie alles anfing

Gleich am Eingang ein Highlight: eine der ältesten Abschriften des Briefes von Paulus an die Korinther mit dem «Hohelied der Liebe» als multimediale Präsentation. Der Text über die Liebe, die alles erträgt, glaubt, hofft, allem standhält und niemals aufhört, steht im Zentrum der gesamten Schau.

Vorbild für den vorbehaltlosen Dienst am Nächsten war Jesus. Darstellungen der wundersamen Brotvermehrung auf liturgischen Gefäßen aus dem 6. Jahrhundert und Bilder von der Fußwaschung geben davon Zeugnis. Schon bald organisierten die frühen Christen ihre caritativen Aktivitäten. Klöster und Armenhäuser wurden gegründet, die für alle Fremden oder Bedürftige ihre Tore öffneten. Auch die christlichen Könige des Mittelalters als weltliche Stellvertreter Christi waren in der Pflicht, sich um die Armenfürsorge zu kümmern. Neben die Klöster traten Hospitäler als bürgerliche Einrichtungen zur Krankenpflege sowie andere frühstaatliche Versorgungseinrichtungen. Hier zeigt die Schau Abbildungen von Armenhäusern oder Beginen bei der Waschung von Toten. Es entstanden Laienbewegungen wie die Elenden-Bruderschaften, die ihr gesamtes Hab und Gut weggaben, um anderen zu helfen.

Die vielen bildlichen Darstellungen der "Sieben Werke der Barmherzigkeit" waren eine Art gemalte Moralpredigt, so Stiegemann, die im Kontrast zu den 7 Todsünden gesetzt wurden. Eine der ältesten, um 1140 entstanden, ist in Paderborn zu sehen: ein elfenbeinerner und mit Edelsteinen verzierter Einband des Psalters der Königin Melisende aus der British Library. Eine Nürnberger Bettelordnung aus dem späten 15. Jahrhundert gibt Zeugnis der zunehmenden Regulierung. Es werde unterschieden zwischen denen, die nicht arbeiten wollen und den wirklich Bedürftigen, so Stiegemann. "Ein Thema mit ganz starkem sozialen Sprengstoff", das auch heute diskutiert werde. Darstellungen des Heiligen Martin machen die Probematik augenfällig. Ein wichtiges Motiv ist die personifizierte Caritas, dargestellt als Mutter, die selbstlos für ihre Kinder da ist. Als einen der Höhepunkte präsentiert das Museum eine Altartafel von Raffael aus dem Jahre 1507, eine Leihgabe der Vatikanischen Museen.

Neue  Wege im 16. Jahrhundert

Eine Abteilung ist der Zeit der Aufklärung im 16. Jahrhundert gewidmet. "Man suchte, das Wirken Gottes in der Ordnung der Welt zu erkennen, diese in ihren Gesetzen sichtbar zu machen und zu erklären", so Stiegemann. 

Mit der Reformation entfernt sich die Caritas immer weiter von der Religion und wird als staatliche Aufgabe begriffen. Klöster werden geschlossen und zu Heilanstalten für geistig Kranke oder zu Heimen umfunktioniert. Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert bringt Massenelend, ebenso der Erste Weltkrieg Anfang des 20. Jahrhunderts. Davon vermitteln schwarz dominierte Bilder von Käthe Kollwitz einen Eindruck. Caritasverbände und Diakonie gründen sich. Für die Nazi-Zeit stehen Namenslisten mit vergasten Kindern aus Heilanstalten - die Perversion von Caritas.

Auch heute noch ein Thema

Am Ende der Ausstellung stehen die ikonenhaft anmutenden riesigen Fotos der New Yorker Künstlerin Vanessa Beecroft. Auf einem ist sie selbst in Madonnen-Pose mit zwei sudanesischen Babys abgebildet - eine Anfrage an den reichen Westen zur Hilfe in Afrika. Es ist auch das Titelbild der Ausstellung. Die stumme Videoinstallation von Bill Viola konfrontiert die Besucher mit tief erschrockenen Menschen, die in Zeitlupe auf ein nicht zu sehendes schreckliches Geschehen blicken, sich abwenden und gegenseitig unterstützen. Mit dem Thema Mitleiden als allgemein menschliche Fähigkeit entlässt die Schau die Besucher.

(KNA, DR)

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