Statistik: 323.000 Hartz IV-Aufstocker
Statistik: 323.000 Hartz IV-Aufstocker

08.05.2013

Zahl der Hartz-IV-Aufstocker 2012 gestiegen Arm trotz Arbeit

Immer mehr Menschen in Deutschland verdienen trotz eines Jobs zu wenig, um davon leben zu können. Im domradio.de-Interview fordert Caritas-Generalsekretär Georg Cremer eine bessere Kinderbetreuung und ausgewogene Mindestlöhne.

Die Zahl der sogenannten Hartz-IV-Aufstocker ist im vergangenen Jahr gestiegen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bestätigte am Mittwoch einen Zeitungsbericht, wonach 2012 insgesamt 323.000 Menschen, die monatlich mehr als 800 Euro brutto verdienen, zusätzlich zum Job Sozialleistungen beziehen mussten, um über die Runden zu kommen. Im Jahr zuvor waren es rund 15.000 weniger. Die aktuellen Zahlen befeuern die Debatte um den Mindestlohn.

Höhere Mietpreise sind laut BA ein Grund

Zuletzt hatte es 2008 mehr Aufstocker gegeben. Damals mussten 346.000 Menschen Hilfe vom Amt in Anspruch nehmen, obwohl sie mehr als 800 Euro im Monat verdienten. Nach Angaben eines BA-Sprechers geht der Anstieg im vergangenen Jahr vor allem auf höhere Lebenshaltungskosten, vor allem höhere Mietpreise zurück.

Besonders deutlich ist der Anstieg den Angaben zufolge bei Singles: Die Zahl der Aufstocker unter ihnen ist um 38 Prozent auf mehr als 75.000 gestiegen. Insgesamt waren dem Bericht zufolge 2012 durchschnittlich etwa 1,3 Millionen Hartz-IV-Bezieher erwerbstätig, etwa genauso viele wie 2009.

Mehr Selbstständige stocken auf

Knapp die Hälfte von ihnen hatte nur einen Mini-Job, verdiente also 400 Euro oder weniger. 91,3 Prozent der Aufstocker insgesamt waren abhängig beschäftigt, ihr Anteil nimmt aber seit 2007 kontinuierlich ab. Gestiegen ist seitdem hingegen der Anteil der Selbstständigen, die zusätzlich zum Einkommen Sozialleistungen beziehen müssen. 2012 waren das rund 126.000 Personen, 54.000 mehr als 2007. Ihr Anteil an den Aufstockern stieg von knapp sechs Prozent vor sechs Jahren auf 9,5 Prozent im Jahr 2012.

Angesichts der aktuellen Zahlen dringen Opposition und Verbände auf den mehrfach von ihnen geforderten flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro in der Stunde. Der Präsident des Sozialverbands Deutschlands, Adolf Bauer, erklärte in Berlin, es sei ein Skandal, wenn für immer mehr Menschen in Deutschland ein Vollzeitjob nicht zum Leben reiche.

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Dagmar Ziegler, sagte, der vorgeschlagene Mindestlohn würde Familien aus dem Sozialleistungsbezug befreien. Die Linkspartei-Vorsitzende Katja Kipping erklärte, sich dem gesetzlichen Mindestlohn zu verweigern sei "Beihilfe zur Ausbeutung". Union und FDP haben sich inzwischen beide zu Mindestlohnregelungen bekannt. Sie streben jedoch nicht eine flächendeckend einheitliche Untergrenze, sondern nach Branchen und Regionen unterschiedliche Mindestverdienstgrenzen an.

(epd)

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