Nach jahrelanger Sanierung wird die ehemalige Goerlitzer Synagoge als Kulturforum wiedereröffnet
Nach jahrelanger Sanierung wird die ehemalige Goerlitzer Synagoge als Kulturforum wiedereröffnet

12.07.2021

Prälat ordnet Wiedereröffnung der Görlitzer Synagoge ein "Die Synagoge muss eine Aufgabe haben"

Jahrzehntelang wurde sie renoviert, nun wird die Görlitzer Synagoge wiedereröffnet. Allerdings nicht als Gottesdienstraum, sondern als Kulturzentrum. Was bedeutet das für die Stadt und wieso wird über einen Davidsstern auf dem Dach diskutiert?

DOMRADIO.DE: Die katholische Kirche ist in Görlitz ja direkte Nachbarin der Synagoge, oder?

Prälat Peter Canisius Birkner (Nimmt für das Bistum Görlitz an der Einweihung der Synagoge teil): Ja, das Pfarrhaus steht etwa zehn Meter neben der Synagoge.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet das für Sie, wenn die Synagoge wiedereröffnet wird?

Birkner: Das ist für uns eine gute Nachbarschaft. Auf der anderen Seite aber darf man nicht vergessen, dass die Synagoge kein Kultgebäude mehr ist und deswegen ein gewisser innerer Abstand da ist. Aber wir haben natürlich selbst sehr viel verfolgt, was aus diesem großartigen Gebäude im Laufe der Zeit geworden ist.

DOMRADIO.DE: Die Synagoge hat eine lange, wechselvolle Geschichte. Was ist da wichtig zu wissen?

Birkner: Das hängt natürlich mit dem Judentum in Görlitz zusammen, denn das Judentum ist ja im Grunde genommen erst 1847 wieder bei uns aufgewacht. Dementsprechend sind die Bauten, die wir haben, nicht gleich alle in dieser Pracht gewesen, wie sie jetzt dasteht. Die heutige Synagoge ist die sogenannte Neue Synagoge, die 1911 eingeweiht worden ist, und das aber in einem prächtigen Jugendstil.

DOMRADIO.DE: Jetzt wird das Synagogengebäude in erster Linie ein Kulturzentrum beherbergen. Warum ist das so?

Birkner: Weil die Synagoge eine Aufgabe haben muss. Wir haben in Görlitz leider bis jetzt keine jüdische Kultgemeinschaft. Es ist also keine jüdische Gemeinde vorhanden. Dementsprechend kann dieser Raum auch nicht als jüdischer Kultraum genutzt werden. Zum anderen ist das Gebäude Eigentum der Stadt geworden, es wurde in der DDR-Zeit von der jüdischen Gemeinde von Dresden an die Stadt verkauft. Und jetzt steht dieser Raum zur Verfügung und wir freuen uns darüber, weil wir einen solchen Raum für diverse Kulturveranstaltungen hier in Görlitz gerne und gut gebrauchen können.

DOMRADIO.DE: Mit der Geschichte der Synagoge hängt ja auch zusammen, das lange hin und her diskutiert wurde, ob denn auch wieder ein Davidstern an der Kuppel angebracht werden soll oder nicht. Das wird jetzt bald geschehen. Was ist das für ein Zeichen nach außen?

Birkner: Das ist eine Frage der Diskussion, die noch weiter läuft. Es geht auf der einen Seite darum, dass der jüdische Stern ein Zeichen des jüdischen Volkes und damit des jüdischen Glaubens ist. Zum anderen wird das Gebäude selbst in diesem Sinne nicht genutzt. Darum ist die eine Seite die, die sagt: kein Kultraum, deswegen auch kein Kultzeichen. Die anderen aber sagen – und ich meine, mit Recht: Hier ist nicht nur der Kultgedanke wichtig, sondern hier ist wichtig zu zeigen, dass wir in Görlitz eine hohe jüdische Kultur hatten und vielleicht auch wieder einmal bekommen werden. Und diese hohe jüdische Kultur hat natürlich etwas mit dem Kult zu tun, ist aber vielmehr auch Ausdruck des täglichen Lebens, das wir hier haben. Und dazu gehört auch das Judentum.

DOMRADIO.DE: Sie nehmen für das Bistum Görlitz an der feierlichen Eröffnungszeremonie teil. Mit welchen Gefühlen gehen Sie dorthin?

Birkner: Mit einem frohen Gefühl. Denn wir sind sehr stolz mit allen Görlitzern zusammen, dass wir dieses Gebäude jüdischen Ursprungs haben und nutzen und repräsentieren können. Das ist natürlich eine große Anstrengung gewesen, die über Jahre gegangen ist. Wir haben sehr schlimme Jahre mit diesem Gebäude hinter uns. Dementsprechend freuen wir uns, dass wir jetzt wieder mal einen Tag haben, an dem wir uns wirklich mit Freude äußern können.

Das Interview führte Michelle Olion.

(DR)

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