Segnungsgottesdienst für Liebende
Segnungsgottesdienst für Liebende

10.05.2021

Umgang mit Homosexuellen in der Kirche bleibt umstritten "Segensgottesdienste für Liebende"

Am Mittwoch verzeichneten die Organisatoren auf Facebook den 100. "Segensgottesdienst für Liebende". Ein Gros der Veranstaltungen findet an diesem Montag statt. Und schlägt schon jetzt Wellen in der katholischen Kirche.

Für eine "Graswurzelaktion" trägt die Initiative reiche Frucht. Mit "Segensgottesdiensten für Liebende" wollen Katholiken in Deutschland ein Zeichen setzen gegen das Nein aus dem Vatikan zur Segnung homosexueller Paare. Mehr als 100 Gottesdienste haben die Organisatoren bisher verzeichnet. Ein Großteil soll in diesen Tagen - "um den 10. Mai herum" - stattfinden. Wer die interaktive Karte auf der Homepage "liebegewinnt" anschaut, stellt allerdings auch fest, dass große Teile Bayerns, vor allem aber der Osten Deutschlands - mit Ausnahme von Berlin - Brachland sind.

Viel Beachtung - international und aus dem Vatikan

Trotzdem: Die Initiative lässt längst Debatten keimen - auch jenseits der deutschen Grenzen. Große Medien wie etwa das "Wall Street Journal" berichten darüber. Und im Vatikan wächst die Sorge, dass in Deutschland Spaltpilze unterwegs sind, die die Einheit der Weltkirche gefährden. Denn die Römische Glaubenskongregation hatte in einem Mitte März veröffentlichten Schreiben erklärt, die Kirche habe keine Vollmacht, gleichgeschlechtliche Beziehungen zu segnen. Diese Verbindungen entsprächen nicht dem göttlichen Willen.

Er hoffe nicht, dass die Segensgottesdienste zu einem Schisma führen, aber die Gefahr bestehe durchaus, sagte etwa der 90-jährige Kardinal Camillo Ruini, langjähriger Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz. Der australische Kardinal George Pell mahnte die deutschen Bischöfe "die Lehren der Schrift und die Lehren der Kirche aufrechtzuerhalten". Ein Teil der Kirche in Deutschland gehe "in die entschieden falsche Richtung".

Zwischen Reformen und Weltkirche

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, und seine Amtsbrüder zwischen Hamburg und Passau stehen damit von zwei Seiten unter Druck: Viele an der Basis wünschen sich Reformen in der katholischen Sexualmoral im Allgemeinen und beim Umgang mit Homosexuellen im Besonderen - während führende Vertreter der Weltkirche auf die Bremse treten.

Dass das Thema auch bei dem von den deutschen Bischöfen und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken initiierten Synodalen Weg zur Zukunft der Kirche eine wichtige Rolle spielt, macht die Sache nicht einfacher. "Unsere Verbindung zu Rom und zum Heiligen Vater ist sehr eng", betonte Bätzing jetzt noch einmal gegenüber dem italienischen Pressedienst ACI Stampa.

Was sind mögliche Folgen?

Mit den Segensgottesdiensten sind die Bischöfe gezwungen, sich zumindest indirekt zu positionieren. Droht ihnen gar die Exkommunikation, also der Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft, wenn sie solche Feiern zulassen? Selbst über diese Frage meditieren bereits die Experten. Nein, meint der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Das Papier der Glaubenskongregation sei, auch wenn es vom Papst genehmigt wurde, kein lehramtliches Dokument, sondern lediglich als Hilfestellung für den bischöflichen Dienst zu verstehen.

Ja, meint dagegen Gero Weishaupt. "Ein Bischof, der das päpstliche Verbot der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ignoriert und ihm zuwiderhandelt, zieht sich die Exkommunikation als Tatstrafe zu, d.h. sie tritt ein, sobald ein Bischof sich öffentlich zugunsten einer Segnung homosexueller Verbindungen einsetzt", sagte der Kirchenjurist der österreichischen Internetseite kath.net.

Kritik von Bischof Bätzing

Bischof Bätzing kritisierte die aktuellen Segnungsgottesdienste im Vorfeld. Gottesdienste hätten "ihre eigene theologische Würde und pastorale Bedeutung. Sie sind nicht als Instrument für kirchenpolitische Manifestationen oder Protestaktionen geeignet". Bernd Mönkebüscher, Pfarrer im nordrhein-westfälischen Hamm, und einer der Initiatoren von "Liebe gewinnt" widerspricht. "Wir protestieren nicht gegen etwas, sondern wir stellen uns an die Seite von Menschen, die von Kirche immer noch etwas erwarten."

Während Theologinnen und Theologen darüber streiten, auf welche biblischen und lehramtlichen Wurzeln sich der Umgang mit homosexuellen Menschen berufen kann, erscheinen die Segensgottesdienste den Teilnehmern an den ersten Feiern wie ein kleines Senfkorn Hoffnung. "Das ist Kirche", sagt einer von ihnen am Donnerstagabend in Geldern: "Und nicht, was da oben gesagt wird."

Joachim Heinz
(KNA)

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