Marienkirche in Rheda Wiedenbrueck
Marienkirche in Rheda Wiedenbrueck

28.08.2020

Wie ein junger Katholik auf seine "Heimatkirche" blickt "Der Diskurs in der Kirche müsste größer sein"

DOMRADIO.DE-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen trifft Menschen vor ihren Heimatkirchen: Jacobus Middelanis aus Rheda-Wiedenbrück hatte immer einen guten Kontakt zur Kirche. Aber für junge Menschen brauche es einen neuen Anreiz, findet er.

DOMRADIO.DE: Haben Sie auch mit der Marienkirche zu tun?

Jacobus Middelanis (Student): Ja, natürlich. Ich bin hier in Wiedenbrück groß geworden, bin hier zur Kommunion gegangen - nicht hier in der Marienkirche, sondern in der Aegidius-Kirche - ich bin hier zur Firmung gegangen und war hier lange bei den Messdienern tätig.

Die Messdiener in Wiedenbrück sind für die Marienkirche und für die Aegidius-Kirche zuständig. Ich habe hier viele Stunden in den Messen gedient und war auch in der Leiterrunde tätig.

DOMRADIO.DE: Hat es Spaß gemacht, das Leben in der Gemeinschaft zu erleben?

Middelanis: Ja, total. Die Gemeinschaft der Messdiener hier in Wiedenbrück ist wirklich sehr gut. Es ist natürlich heutzutage immer ein bisschen schwierig, neue Leute zu finden, die auch Lust haben, in der Kirche tätig zu sein und sich zu engagieren. Aber unter uns ist die Gemeinschaft wirklich gut.

Ich finde auch, dass die Gemeinschaft unter den jungen Leuten in der Gemeinde selbst sehr gut ist. Es gibt eine Familiengruppe, die oft zusammen Essen veranstaltet hat, auch Wallfahrten, auf denen alle verschiedenen Gruppen in der Gemeinde zusammengekommen sind. Das war wirklich schön.

DOMRADIO.DE: Wie sieht das geistliche, religiöse Leben als Student momentan aus?

Middelanis: Momentan bin ich tatsächlich hier in der Kirche gar nicht so engagiert wie früher, weil ich jetzt hier nicht mehr zugange bin. Ich beschäftige mich momentan viel mit Fragen der Religion.

Wie soll mein Glaube aussehen? Wie soll das in der Zukunft aussehen? Solche Sinnesfragen beschäftigt mich sehr. Früher hat man viel von den Eltern mitgekriegt, jetzt beschäftigt man sich dann doch irgendwie selbst mehr damit. Was glaube ich eigentlich selbst? Was möchte ich glauben? Wozu möchte ich meinen Beitrag leisten? Solche Dinge.

DOMRADIO.DE: Welche Sachen sind Ihnen denn in dem Zusammenhang wichtig?

Middelanis: Ich glaube, dass man in dieser sich schnell verändernden Welt einen Punkt hat, an dem man sich festhalten kann, an den man immer zurückkommen kann. Ein bisschen wie ein Zuhause, wie die Eltern, zu denen man immer zurück kommen kann.

Zu Gott, beziehungsweise zur Kirche zurückkommen. Egal, ob man eine Zeit lang weg war, eine Zeit lang nicht so aktiv war, man kann immer wieder zurückkommen. Ich habe das Gefühl, dass man immer wieder neu aufgenommen wird. Aber besonders wichtig ist mir dabei, dass sich die Kirche auch irgendwie weiterentwickelt, sich nach vorne bewegt.

DOMRADIO.DE: Wo muss die Kirche sich für einen jungen Menschen nach vorne bewegen? Wo muss was passieren?

Middelanis: Vor allem in Themen wie "Frauen in der Kirche". Ich finde zum Beispiel, dass Frauen auch Priester werden sollten. Das finde ich eine gute Sache.

Ich finde auch, in Fragen wie "Homosexualität" müsste sich die Kirche mal stärker positionieren und ein bisschen mehr Toleranz zeigen. In solchen modernen Fragen, die eigentlich in der Gesellschaft schon durchweg akzeptiert sind und respektiert werden, müsste der Diskurs in der Kirche noch ein bisschen größer sein.

Ich finde unter den jungen Leuten ist der Diskurs schon ziemlich gut. Vor allem die alten Menschen in der Kirche, die Priester, könnten noch ein bisschen mehr auf solche Dinge und vor allem auf junge Leute eingehen. Das ist natürlich schwierig, wenn in den Messen immer nur relativ viele alte Menschen sitzen. Aber irgendwie muss ja auch der Anreiz geschaffen werden, dass junge Leute noch am Kirchenleben teilnehmen möchten.

DOMRADIO.DE: Woran liegt es, dass die Kirche die jungen Leute heute oft vielfach nicht mehr erreicht? Ist es die Sprache? Sind es die Gottesdienste? Was bereitet jungen Menschen heute Probleme?

Middelanis: Ich denke, dass das Prinzip "Religion" vielleicht dadurch, dass alle so viele Zugänge zu Informationen haben, einfach nicht mehr als so wichtig wahrgenommen wird, dass es viele Leute einfach nicht mehr erreicht.

Aber ich glaube, dass die jungen Leute einfach keine Lust haben, in die Kirche zu gehen, wenn in der Messe 95 Prozent Rentner oder Ü-50er sitzen. Und, dass die Form auch oft steif ist, dass es immer der gleiche Ablauf ist.

Es wird nicht frei und locker mal hier und da was geändert. Nicht "Heute machen wir es mal so" oder "Heute treffen wir uns nicht in der Kirche, sondern machen mal was auf der Wiese", oder sowas. Ich glaube, das würde schon vielen den Anreiz geben, einfach mal zuzuhören und sich damit zu beschäftigen.

DOMRADIO.DE: Was wünschen Sie sich ganz persönlich für Ihr weiteres religiöses Leben?

Middelanis: Dass ich das Richtige für mich selbst finde. Etwas, womit ich glücklich werden und sein kann, womit ich etwas habe, wo ich mich immer darauf verlassen kann. Zu glauben, ist für mich schon ziemlich wichtig. Das ist für mich immer ein guter Rückhalt. Ich hoffe, dass ich das in meinem Leben finde.

Das Interview führte Ingo Brüggenjürgen.

(DR)

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