Blick auf den Trierer Dom
Blick auf den Trierer Dom
Bischof Stephan Ackermann
Bischof Stephan Ackermann

01.07.2020

Pfarreienreform im Bistum Trier Suche nach einem Ausweg

Nach dem Eingreifen des Vatikan versucht Bischof Ackermann, die Grundzüge der geplanten Reform der Pfarreien im Bistum Trier zu retten. Es dürfte zunehmend schwierig werden, für weitere Schritte Unterstützung zu finden.

Von den Plänen der im Bistum Trier geplanten Reform ist nach einem Eingreifen des Vatikan nicht mehr viel übrig. In wesentlichen Punkten haben die Behörden der römischen Kurie ein Stoppschild gesetzt - oder "hegen Bedenken", in Worten des Bistums. Unklar ist, wie viel Spielraum der Bischof für Änderungen hat. "Vieles ist in Frage gestellt", fasste unlängst Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg die Situation zusammen. Dennoch beteuert das Bistum, die Kernpunkte der Diözesansynode in den vom Vatikan eng gesteckten "Roten Linien" verwirklichen zu wollen.

Plan mit 35 Großpfarreien vom Tisch

Nach Gesprächen mit rund 200 Mitarbeitern skizzierte Bischof Stephan Ackermann zuletzt einen Weg, in welche Richtung es gehen könnte. Die geplanten 35 Großpfarreien, geleitet von einem Team aus Pfarrer und mehreren Laien, sind vom Tisch. Denn Rom schließt auf Ebene der Pfarrei eine gleichberechtigte Leitung mit Laien im Team ebenso aus wie Pfarreien in der ursprünglich geplanten Größe mit bis zu 100.000 Katholiken.

Stattdessen plant das Bistum mit mehr und kleineren Pfarreien. Höchstens 172 soll es im ältesten deutschen Bistum künftig geben - die weiterhin federführend von einem Priester geleitet werden. Im Raum steht, dazu die bisherigen Gemeinschaften, zu denen die 887 oft kleinen Pfarreien bereits zusammengeschlossen sind, zusammenzulegen.

Allerdings sind nach Angaben des Bistums derzeit bereits rund 40 Pfarrerstellen unbesetzt. Überlegt werde daher, nur etwa 150 Pfarreien einzurichten. Auch dann bliebe eine Lücke, die gefüllt werden müsste: An dem Punkt könnten wiederum Laien ins Spiel kommen. Als Gruppe könnten sie einer Pfarrei vorstehen, begleitet von einem "moderierenden Priester".

35 Seelsorgeräume auf übergeordneter Ebene

Zusätzlich sollen auf einer übergeordneten Ebene 35 Seelsorgeräume entstehen. Diese Pastoralen Räume könnten wiederum später einmal Pfarreien werden, schätzt der Trierer Pastoraltheologe Martin Lörsch. "Vielleicht kommt das schneller als wir ahnen", gibt er mit Blick auf abnehmende Kirchenbindung und rückläufige Priesterzahlen zu bedenken.

Der Vorsitzende des Katholikenrates, Manfred Thesing, sieht das Bistum durch die Einschränkungen des Vatikan "um viele Jahre zurückgeworfen". Eine weitere Reform in wenigen Jahren sei nun unvermeidlich. Auch befürchte er, dass Ehrenamtliche sich enttäuscht zurückzögen. Priester und Laien hätten "auf Augenhöhe" arbeiten sollen. Nun sehe es so aus, als würde der Spielraum der Ehrenamtlichen weiter von der Persönlichkeit des Priesters abhängen.

Bislang stehen grobe Konzepte im Raum. Weitere konkrete Schritte sollen im Herbst erarbeitet und eng mit Rom abgestimmt werden. Unklar ist derzeit auch, welche Rolle die 15 designierten Leitungsteams künftig einnehmen, die eigentlich die Großpfarreien hätten leiten sollen. Die entsprechende Seite auf der Homepage des Bistums ist aktuell inaktiv.

Stimmen zur Reform

Die Reform polarisiert das Bistum - wobei die inhaltliche Ungewissheit mit viel Meinung gefüllt wird. Wen man auch dazu fragt, ob Haupt- oder Ehrenamtliche, Priester oder Theologen, viele beziehen Position, wenige äußern Verständnis. Zu hören sind Vorschläge, wie man es hätte besser machen können, Unverständnis, warum nicht gleich der jetzt angedachte Weg eingeschlagen wurde, Unmut über die als Niederlage erlebte Entwicklung. Einige kritisieren, das Gesetz des Bischofs sei radikaler ausgefallen als die Synode es in ihrem Abschlusspapier empfohlen habe. Andere befürchten, die 35 Seelsorgeräume könnten zu "kleinen Generalvikariaten" mit großem Verwaltungsapparat aufgebläht werden. Und manche freuen sich über die "Roten Linien" aus Rom für den Bischof.

Ein Pfarrer, der künftig eine Großpfarrei hätte leiten sollen, kritisiert, dass das Bistum für eine Situation wie die aktuelle keinen Plan B gehabt habe. "Man hat sich seitens des Bistums vieles schöngeredet", meint er. Ein anderer sorgt sich um den Zusammenhalt im Klerus - und um die Autorität von Bischof Ackermann nach dem massiven Eingreifen aus Rom.

Kritik am Vorgehen des Vatikan

Ähnlich sieht es der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. Er wertet das Vorgehen des Vatikan als "Anmaßung" und "Demontage des Ortsbischofs", spricht von "zentralistischer und paternalistischer Attitüde" - unabhängig davon, dass Ackermann das ursprüngliche Reformgesetz in einzelnen Punkten anpassen müsse. Mit seinem Vorgehen habe der Vatikan signalisiert, jederzeit in den Kompetenzbereich von Bischöfen reinregieren zu können.

Dem gelte es, die Stirn zu bieten und für eigene Überzeugung einzustehen, fordert Schüller. Er betont, der jeweilige Ortsbischof könne auf Ebene der Struktur und Organisation am besten die Lage in seiner Diözese einschätzen. Und gibt zu bedenken, dass Ackermann insgesamt mit der Diözesansynode einen "kirchenrechtlich vorbildlichen" Weg eingeschlagen habe - dafür aber nun von Rom abgestraft werde.

Bischof Ackermann bemüht um die Einheit des Bistums

Bischof Ackermann weiß um die Spannungen im Bistum. Die Einheit des Bistums sei ihm wichtig, Spaltung wäre eine "Horrorvision", sagt er. Zudem stelle sich die Frage, wie die "starke Betonung der Synodalität durch den Papst" zusammenpasse mit der "Intervention, die doch stark das hierarchische Moment" einbringe. Wie Einheit jedoch gelingen soll bleibt bislang offen.

"Der Gesprächsfaden im Bistum ist teilweise gerissen", sagt Theologe Lörsch. Er sieht in der aktuellen Debatte einen Richtungsstreit - der auf anderer Ebene auch bundesweit ausgetragen werde. "Brückenbauer sind jetzt gefragt", sagt er. Das Bistum brauche Menschen mit integrierenden Kräften, denen es gelinge, die unterschiedlichen Gruppen wieder ins Boot zu holen und die Diskussionen und Konflikte zu versachlichen. "Das wird harte Arbeit."

Anna Fries
(KNA)

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