28.03.2020

Mönche des Klosters Ettal stellen Produktion um Desinfektionsmittel statt Likör

Ettaler Klosterliqueur Grün oder Bitter – das sind Spirituosen, die normalerweise in der Benediktinerabtei Kloster Ettal destilliert werden. In Zeiten der Corona-Krise ist das anders.

DOMRADIO.DE: Wem ist das eingefallen: Desinfizieren statt destillieren?

Christian Loth (Pressesprecher Kloster Ettal): Darauf gekommen ist das Klinikum in Garmisch-Partenkirchen selbst, das vorausschauend, sozusagen antizipiert hat, dass es eng mit der bundesweiten Versorgung an Desinfektionsmitteln wird. Das Klinikum hat uns vor gut eineinhalb Wochen angesprochen, ob wir uns vorstellen könnten, gemeinsam mit der Klinik-Apotheke Desinfektionsmittel herzustellen. Da wir über große Vorräte an hochprozentigem Alkohol verfügen, haben wir sofort zugesagt und gemeinsam die Produktion gestartet.

DOMRADIO.DE: Waren Rohstoffe vorhanden?

Loth: Ein, zwei Sachen mussten wir bestellen, die wir so nicht vorrätig hatten. Für Desinfektionsmittel, wie es vom Klinikum gewünscht wird, braucht es einmal Alkohol, zum anderen gereinigtes Wasser, aber auch Glitzerol und Wasserstoffperoxid. Diese beiden Sachen hatten wir nicht vorrätig. Wasserstoffperoxid ist auch nicht so leicht zu bekommen und wir brauchten ein paar Ausnahmegenehmigungen, um es zu besorgen. Dabei haben uns die Ämter – sowohl das Landratsamt als auch das Hauptzollamt – wahnsinnig gut unterstützt. Inzwischen haben wir alles da. Ich bin gerade aus der Destillerie gekommen und wir sind mitten in der Produktion.

DOMRADIO.DE: Gerade in der Lebensmittelproduktion gelten ja normalerweise  sehr strenge Verordnungen, ist eine Umstellung einfach so möglich gewesen oder haben Sie eine Sondergenehmigung?

Loth: Wir haben dafür eine Sondergenehmigung bekommen, es handelt sich ja um einen Katastrophenfall. Normalerweise dürften wir es nicht machen, gar keine Frage. Und wir sind auch in gewisser Weise nicht mehr wir selbst, sondern wir sind jetzt eine Außenstelle der Klinik-Apotheke in Garmisch-Partenkirchen geworden. Die Apothekerin selbst war auch gerade mit vor Ort, sodass wir wirklich ganz viel Expertise und Fachkenntnis haben und mit den technischen Voraussetzungen, die wir haben, dann wirklich perfektes und hochqualitatives Desinfektionsmittel herstellen können.

DOMRADIO.DE: Wie viel können Sie denn davon herstellen?

Loth: Aktuell haben wir ausreichend Alkohol und sonstige Zutaten da, um etwa 10.000 Liter herstellen zu können. Da die Nachricht ist erst zwei Tagen alt und die Nachfrage ist schon immens – also es geht auch weit über Kliniken hinaus, es gibt Hausärzte und Friedhofsverwaltung, die sich melden – deswegen denken wir schon darüber nach, das Ganze auch noch einmal aufzustocken.

DOMRADIO.DE: Das ist ja eine super Sache, nicht nur für das Klinikum oder für Ärzte. Sie haben ja auch unfassbar viele Mitarbeiter, 180 an der Zahl. Können die so weiterbeschäftigt werden?

Loth: Für alle 180 reicht die Tätigkeit ehrlich gesagt nicht aus. Es ist aktuell tatsächlich so, dass die Situation in unseren Betrieben dramatisch ist. Wir haben ein Hotel, zwei Läden und sind vom Tourismus abhängig. All das ist aktuell geschlossen. Deswegen ist es schon schön, dass wir jetzt hier einen Bereich gefunden haben, in dem wir noch tätig sein können, in dem wir zumindest einigen Mitarbeitern Aufgaben verschaffen konnten, weil ein Großteil unserer Mitarbeiter leider in Kurzarbeit gehen musste.

DOMRADIO.DE: Ist denn an Ihren Desinfektionsmitteln noch ein bisschen Klosterlikör spürbar? Riecht es anders als andere Mittel?

Loth: Nein, darauf würde sich zum Beispiel auch die Klinik-Apotheke niemals einlassen. Hier ist alles hochqualitativ. Man wird nicht die Spur eines Ettaler Grüns finden - und auch nicht die Spur eines Ettaler Gins.

DOMRADIO.DE: Aber wenn das vorbei ist, dann gibt es Kloster Grün, Kloster Bitter oder Kloster Gelb wieder? Auf welche Farbe freuen Sie sich am meisten?

Loth: Ich bin ein Fan aller Farben, mag aber am liebsten unseren Ammergauer Heulikör, ein ganz regionales Produkt. Man muss sich übrigens keine Sorgen machen, dass man jetzt in der Corona-Krise nicht auf unsere Produkte zugreifen kann, weil wir aktuell Desinfektionsmittel herstellen. Unsere Lager sind gut gefüllt. Wer bestellen mag, kann es jederzeit in unserem Online-Shop tun.

Das Gespräch führte Heike Sicconi.

(DR)

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