Der Trierer Bischof Ackermann feiert das Patronatsfest im August
Bischof Stephan Ackermann

22.01.2020

Bischof Ackermann verteidigt Pfarreienreform Korrespondenz mit Rom

​Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat die vom Vatikan vorerst gestoppte Pfarreienreform in seinem Bistum gegen Kritik verteidigt. Den Austausch mit den römischen Stellen bezeichnete Ackermann als "unkompliziert und gut".

Er habe nun zwei Stellungnahmen an die zuständigen römischen Stellen geschickt, sagte Ackermann in einem Interview der Trierer Bistumszeitung "Paulinus" (Ausgabe vom 26. Januar). Er betonte, die Überlegungen, die hinter dem vorerst ausgesetzten Umsetzungsgesetz zur Pfarreienreform stünden, seien "nicht einem mutwilligen Wunsch nach Veränderungen entsprungen". Sie seien vielmehr der Versuch, auf die Herausforderungen der Zeit zu antworten.

Ackermann fügte hinzu, dass der auf die katholische Kirche wirkende "Veränderungsdruck" hoch sei "und noch weiter steigt". Es gehe letztlich "nicht bloß um eine Reform von Strukturen. Wir wollen eine Kirche, die stärker missionarisch und diakonisch ausgerichtet ist", erklärte der Bischof.

Zusammenlegung vorerst ausgesetzt

Im November 2019 hatte sich nach Beschwerden einer Priestergruppe und mehrerer Katholiken aus dem Bistum der Vatikan eingeschaltet. Die Kleruskongregation bestimmte, die Zusammenlegung der Pfarreien im Bistum Trier vorerst auszusetzen, um die Kritik sorgfältig zu prüfen.

Ursprünglich war geplant, dass zum 1. Januar 2020 die ersten 15 neuen Großpfarreien im Bistum starten sollten. Ackermann sollte gegenüber der Kleruskongregation und dem Päpstlichen Rat für die Interpretation der Gesetzestexte zu den Beschwerden Stellung nehmen - was er nun tat.

In dem Interview betonte er, die Trierer Diözesansynode habe "sehr deutlich formuliert, dass es eine andere Gestalt der territorialen Seelsorge braucht". In seinen Stellungnahmen erläutere er aber auch, "dass die Auflösung der bisherigen Pfarrstrukturen nicht zu einer Anonymisierung der kirchlichen Lebenszusammenhänge und damit zu den gefürchteten 'XXL-Pfarreien' führt".

Im Austausch mit Rom

Immer wieder sehe er bei seinen Besuchen im ganzen Bistum, "wie eine kleiner werdende Zahl an Aktiven mit hohem Einsatz versucht, die pfarrlichen Aktivitäten, Strukturen und Traditionen aufrechtzuerhalten". Für innovative Projekte diakonischer oder missionarischer Art fehlten jedoch "häufig die Zeit und die Kraft".

Die aktiven Gemeindemitglieder stünden in der Gefahr, "zunehmend zu einer geschlossenen Gruppe zu werden". Er halte es aber für wichtig, "auch kirchenfernen Christen oder interessierten Menschen, die gar nicht zur Kirche gehören, niederschwellige Zugänge zu eröffnen." Missionarische und diakonische Aufbrüche gebe es erfahrungsgemäß "oft neben den pfarrlichen Strukturen".

Ackermann sagte weiter, er stehe "seit der Aussetzung des Umsetzungsgesetzes in schriftlichem und telefonischem Kontakt mit den römischen Stellen". Zudem habe er angeboten, auch zu persönlichen Gesprächen nach Rom zu kommen. Insgesamt könne er bislang von einem "unkomplizierten und guten Austausch" sprechen. Einen weiteren "Zeitplan" gebe es allerdings noch nicht.

Ackermann weist Kritik zurück

Zur Rolle von Priestern in den geplanten Großpfarreien sagte der Bischof, das Priestersein im Bistum Trier könne sich künftig in größerer Bandbreite entfalten, "weil nicht jeder Priester 'zwangsläufig' Pfarrer werden muss". Ackermann: "Ich erhoffe mir von dieser Weitung des Priesterbildes, dass dadurch der priesterliche Dienst im Bistum für junge Männer neu an Attraktivität gewinnt."

Er wies die Kritik zurück, dass eine "Entkopplung von Priesterweihe und Hirtenamt" entstehe. "Wohl aber nehmen wir Abschied von einer bestimmten traditionellen Gestalt des 'Pfarrerseins'", sagte Ackermann. Wenn nun durch das Umsetzungsgesetz eine "erhebliche Zahl" von Priestern von Verwaltungsaufgaben entlastet werde, ergäben sich damit Freiräume für Aktivitäten der Seelsorge, Diakonie und Verkündigung. In den Pfarreien könne dann auch "Leitung kollegialer als bisher wahrgenommen" werden, wodurch die "Gefahr des Klerikalismus" bekämpft werde.

Norbert Demuth
(KNA)

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