Peter Beer, Generalvikar des Erzbistums München und Freising
Peter Beer, Generalvikar des Erzbistums München und Freising

18.12.2019

Neue Aufgabe für Münchner Generalvikar Beer in Rom Krisenmanager und Kinderschützer

Nein, er wird nicht Bischof, weder in Augsburg noch anderswo. Den Münchner Generalvikar Peter Beer zieht es nach Rom - als Professor. Mit einem Bein aber bleibt er in Bayern.

Peter Beer ist studierter Pädagoge und Theologe. In beiden Fächern hat er promoviert. In seinem letzten Job als Münchner Generalvikar musste er noch ganz andere Kompetenzen zur Geltung bringen: Da war er nicht selten mit Um- und Neubauten befasst. Auch mit manchem Abbruch. Nach zehn Jahren wird der 53-Jährige nun etwas Neues wagen. Der Lehrersohn geht als Professor nach Rom, wie am Dienstag bekannt wurde. Beer wirkt gelöst. Die Dekade hat nicht nur ihn verändert, sondern auch das Amt, das er nun hinter sich lässt.

Zu Neujahr 2010 machte ihn der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, der damals noch kein Kardinal und auch nicht Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz war, zu seinem Alter Ego. Von den 100 Tagen Schonfrist, die einem Neuling in so einer Stellung gemeinhin zugebilligt werden, konnte in diesem Fall keine Rede sein. Schon nach zwei Wochen hatte der Niederbayer seinen ersten Feuerwehreinsatz - in Kloster Ettal, dem bayerischen Auftakt zu einer Reihe kirchlicher Missbrauchsskandale.

Der Generalvikar als Krisenmanager

Beer hat in Abgründe geschaut. Im Frühsommer 2010 beauftragte er eine Münchner Anwaltskanzlei mit der Durchforstung aller greifbaren Personalakten der Erzdiözese nach Spuren von Missbrauch. Die Juristin bescheinigte Beer damals "unbedingten Aufklärungswillen". Das habe sie so nicht erwartet. Ansonsten fiel das Fazit ihrer Untersuchung wenig schmeichelhaft aus: Vertuschung, Aktenmanipulation und ein rücksichtslos nur auf Selbstschutz bedachter Klerus. Aus dieser Erfahrung heraus begann der Generalvikar die Bistumsverwaltung umzukrempeln, was ihm im Apparat nicht nur Beifall eintrug.

Als 2013 der damals noch katholische Weltbild-Konzern in Augsburg ins Schlingern geriet, musste Beer auch dort ran. Er übernahm den Vorsitz im Aufsichtsrat und stellte die Weichen so, dass ein Großteil der Arbeitsplätze durch die Insolvenz hindurch gerettet werden konnte. Betriebsrat und Gewerkschafter rechneten ihm das hoch an.

Einsatz für transparentere Vermögensverwaltung

Bei der neuen Architektur für eine transparentere Vermögensverwaltung im Erzbistum griff Beer abermals auf die Expertise der schon bei der Missbrauchsaufarbeitung engagierten Kanzlei zurück, die heute auch Mandate anderer Diözesen wie Köln oder Eichstätt hält. In der Debatte um eine bessere Vergleichbarkeit der Kirchenfinanzen warb der Geistliche - nicht immer diplomatisch - für die Anwendung der strengsten Regeln des Handelsgesetzbuches. Inzwischen bewegen sich die meisten Bistümer in diese Richtung.

An seinem künftigen Arbeitsplatz im Kinderschutzzentrum der Päpstlichen Universität Gregoriana (CCP) trifft der Fachmann für kontextuelle Theologie und Elementarpädagogik auf einen alten Bekannten und Mitstreiter in Sachen Missbrauchsbekämpfung. Geleitet wird das CCP vom gleichaltrigen Jesuiten Hans Zollner, der mit Beer, der aus Kelheim stammt, in Regensburg schon zur Schule ging.

Noch mit einem Bein in Bayern

Das CCP wurde 2012 in München gegründet und nach einer Pilotphase 2015 nach Rom verlegt. Bisher floss aus Oberbayern viel Geld in das Zentrum, nun wird es durch einen neuen Professor auch personell verstärkt.

Mit einem Bein bleibt Beer in Bayern. Als Vorsitzender des Stiftungsrats der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) wird er sich weiter dafür einsetzen, dass die einzige katholische Universität im deutschen Sprachraum möglichst bald Vollmitglied bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wird. Und dafür in München wohnen bleiben.

Amt des Generalvikars wird anders

Das Amt des Generalvikars wird nach Beers Abgang ein anderes sein. In München erhält sein Nachfolger eine Amtschefin mit weitgehenden Befugnissen zur Seite gestellt. In anderen Bistümern wird mit Interesse beobachtet, ob diese Arbeitsteilung funktioniert.

Fragt man den 53-Jährigen nach einer Bilanz der vergangenen zehn Jahre, fallen nachdenkliche Worte: "Man kriegt Schrammen ab, man wird bescheidener, was erreichbar ist und was nicht, und vorsichtiger", sagt Beer. Und dass die Kirche "heute noch Nachholbedarf hat in Organisation, Haltung und Einstellung".

Christoph Renzikowski
(KNA)

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