Protestierende Flüchtlinge in Regensburger Pfarrheim
Protestierende Flüchtlinge in Regensburger Pfarrheim
Polizisten vor dem Pfarrheim St. Emmeram
Polizisten vor dem Pfarrheim St. Emmeram
Jakob Schötz, stellvertretender Pressesprecher Bistum Regensburg
Jakob Schötz, stellvertretender Pressesprecher Bistum Regensburg

09.08.2016

Bistum Regensburg zum Ende der Pfarrheim-Belagerung Grenzen einer Unterstützung

Fünf Wochen haben Flüchtlinge in Regensburg unter dem Schutz der Kirche für ihr Bleiberecht demonstriert - nun ist das Pfarrheim geräumt worden. Für die Forderungen sei die Kirche der falsche Ansprechpartner, erklärt der Stellvertretende Pressesprecher des Bistums Regensburg Jakob Schötz im Interview.

domradio.de: Sie haben den Menschen lange geholfen und Gespräche über einen freiwilligen Auszug mit den Flüchtlingen geführt. Woran ist das gescheitert?

Jakob Schötz (stellvertretende Pressesprecher des Bistums Regensburg): Zum einen ist es so, wir haben dieser Gruppe von rund 50 Personen von Anfang an gesagt, dass wir sie nur für eine sehr begrenzte Zeit unterstützen und aufnehmen können. Die Forderung, die sie gestellt haben, war eine politische. Da sind wir als Kirche nicht der richtige Ansprechpartner.

domradio.de: Das war die Forderung nach dem Bleiberecht?

Schötz: Genau, für die gesamte Gruppe. Es sollte eine politische Entscheidung erzwungen werden. Dabei können wir als Kirche leider auch nicht weiterhelfen. Wir können nur die humanitäre Hilfe für eine Zeit übernehmen. Und genau das haben wir auch angeboten.

Allerdings hat sich die Situation dann zunehmend verschlechtert. Personen haben mit Selbstmord gedroht, oder auch mit der Tötung des eigenen Kindes. Zudem haben sich noch die hygienischen Bedingungen verschlechtert. Denn das Pfarrheim, das wir der Gruppe zur Verfügung stellen konnten, war nicht so ausgelegt, dass so eine große Gruppe so lange Zeit darin verbringen kann.

domradio.de: Sie haben bei den Behörden dann Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt und die Versorgung mit Lebensmitteln eingestellt. Warum?

Schötz: Im Vorfeld haben wir viel verhandelt und mit den Menschen gesprochen. Wir haben den Pfarrer dieses Pfarrheims als menschlichen Ansprechpartner und Seelsorger in die Gruppe geschickt. Wir hatten einen Verhandler, der mit den Personen gesprochen hat, aber auch Asylsozialberater hier von der Caritas im Bistum Regensburg. Wir waren ständig im Kontakt mit den Menschen. Wir haben versucht sie davon zu überzeugen, dass es das Beste wäre, wenn sie in die ursprünglichen Unterkünfte zurückkehren. Denn ihre Forderung konnte man einfach nicht durchsetzen. Jeden Tag, den sie länger in Regensburg bleiben, verschlechterte sich in ihrem laufenden Asylverfahren auch umso mehr ihr Status. Denn sie konnten viele Fristen nicht wahren und Anträge stellen, weil das nur dort geht, wo sie gemeldet sind.

domradio.de: Wir lesen, dass die Räumung ohne Zwang stattgefunden hat, wie ist das abgelaufen?

Schötz: Ich kann auch nur berichten, was uns die Polizei danach gesagt hat. Die Polizei sei reingegangen und hat mit den Personen gesprochen und konnten sie überzeugen das Pfarrheim zu verlassen. Also es wurde - so wie man im Amtsdeutsch sagt - kein unmittelbarer Zwang ausgeübt.

domradio.de: Es könnte sich alles darstellen wie: Die Kirche die eigentlich Menschen helfen sollte wirft arme wehrlose Flüchtlinge auf die Straße - was sagen Sie dazu?

Schötz: Für uns ist klar, dass wir Menschen, die in Not zu uns kommen und um Hilfe bitten, nicht im Stich lassen. Aber natürlich immer nur im Rahmen unserer Möglichkeiten. Es war eben so, dass wir auf politische Entscheidung keinen Einfluss nehmen können, die räumliche Situation nicht passte und dann eben die zunehmende Gefahrenlage, dass eben mit Selbstmord und Tötung gedroht wurde.

domradio.de: Das weitere Vorgehen in den Händen der Justiz - inwieweit sind sie da noch involviert?

Schötz: Da sind wir gar nicht mehr involviert. Wir haben die humanitäre Unterstützung übernommen. Gestern wurde das eben durch die polizeilichen Behörden beendet. Die Personen werden jetzt wieder an die ursprünglichen Unterkünfte zurückgebracht - alles außerhalb von Regensburg, wie Hamburg, Baden-Württemberg und Oberbayern.

domradio.de: Sie sind erleichtert, so liest man, der Generalvikar ihres Bistums Regensburg Michael Fuchs hat gesagt: dass eine gewisse Nachdenklichkeit bleibe….

Schötz: Das ist selbstverständlich, denn wir sind erleichtert, dass es zu einem guten Ende kam. Es ist niemandem geschadet worden, alles ist freiwillig passiert. Gleichzeitig ist es schon so, wir wollen ja auch helfen. Hier im Bistum gibt es ein riesen großes Engagement von vielen Frauen und Männern, die in unterschiedlichen Bereichen der Diözese zum Wohl von Flüchtlingen abreiten. Da sind wir froh, dass es so was gibt, wir können den Menschen auch wirklich bei Seite stehen. Nur bei diesem speziellen Fall wurden uns Grenzen vor Augen geführt.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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