11.10.2013

Limburger ZdK-Mitglied ruft zur Einkehr auf "Neuanfang ohne Gebrüll"

Gibt es überhaupt noch die Chance auf Versöhnung im Bistum Limburg? Dr. Barbara Wieland ist Mitglied für das Bistum Limburg beim Zentralkomitee der Deutschen Katholiken. Sie ruft alle Seiten zur Einkehr auf.

domradio.de: Wie beurteilen Sie die aktuelle Entwicklung in Ihrem Bistum?

Dr. Wieland: Das Bistum ist schon lange in Parteien zerfallen, die neue Dynamik hat es natürlich durch die nun genannten Kosten für das Bischofshaus bekommen. Die Stimmung ist äußerst aufgeheizt, auch durch die prominent vernehmbaren Stimmen. Andererseits gibt es auch eine Reihe von Menschen, auch von Ehrenamtlichen, die erst einmal die Fakten geklärt haben und die Situation auf ein Normalmaß herunterfahren möchten. Und dann zu schauen, wer eigentlich verantwortlich ist und welche Konsequenzen gezogen werden müssen. Spaltung, ja, aber es gibt auch leisere Stimmung, derer, die den aktuellen Zustand überwinden wollen.

domradio.de: Sie waren dabei, als der Frankfurter Stadtdekan die Summe von 31 Millionen Euro Baukosten verkündet hat. Wie fielen die unmittelbaren Reaktionen aus?

Dr. Wieland: Er hat diese Zahl relativ unvermittelt in den Raum gestellt. Ohne weitere Informationen. Zunächst einmal war da nur Schweigen. Unverständnis und eine mangelnde Einschätzung, was das nun zu bedeuten habe. Ganz wenige nur haben etwas gesagt in diesem Moment. Alle nötigen Informationen fehlten, zudem hatte der Stadtdekan die Sitzung zwischenzeitlich verlassen, weil er telefonieren wollte. Es gab dann auch keine Möglichkeit mehr, mit ihm darüber zu sprechen.

domradio.de: Gibt es überhaupt noch die Chance auf Versöhnung?

Dr. Wieland: Wir sind kein Wirtschaftsunternehmen und keine Bank. Wir sind die katholische Kirche. Uns ist es aufgegeben, in dieser außerordentlich schwierigen Situation auf unsere zentrale Botschaft zu schauen. Die Botschaft von Tod und Auferstehung. Und zwar nicht irgendwann, sonders jetzt hier und heute. Was heißt das konkret? Es geht zunächst darum, sich klar zu machen, dass wir eine andere Art von Lösung finden müssen. Die kommt nicht im Gebrüll daher, sondern im leisen Ton. Nicht im Erdbeben, sondern im Windhauch kommt Gott. WIr sollten eine Achtsamkeit einnehmen, um einen unabdinbaren Neuanfang aufkommen lassen zu können. Der Neugang ist nötig, mit Bischof Tebartz oder mit jemand anderem. Aufgrund der Stimmung geht es gar nicht ohne einen Neuanfang. So eine Lösung, wie wir sie hier in Frankfurt bei Banken kennen kann unsere Lösung nicht sein. Nach dem Motto: "Vorstandsvorsitzender taugt nicht, raus mit ihm und der Nächste". Was geben wir denn hier ein Bild von Kirche ab? Das geht gar nicht.

domradio.de: Benedikt XVI. hat ja vorgemacht, dass ein Rücktritt möglich ist.

Dr. Wieland: Natürlich ist Rücktritt grundsätzlich eine der Möglichkeiten. Aber auch dann muss ein ganz subtantieller Neuanfang her. Die Parteien können ja jetzt auch nicht einfach so weitermachen, sondern man muss in jedem Fall zu wirklich ehrlichen Lösungen und einem anderen Miteinander kommen. Das geht nur mit einem Neuanfang.

Das Interview führte Tobias Fricke.

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