Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst
Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst

30.08.2013

Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst im Interview "Wir müssen da mehr tun!"

Es gibt keinen Bischof in Deutschland, der medial und unter den Gläubigen derzeit so in der Kritik steht, wie der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Im exklusiven Interview mit domradio.de spricht der Bischof über seine Amtsführung, Liturgie und sein Bischofshaus.

domradio.de: Herr Bischof, welche Spuren hat diese Woche, hat die Kritik bei Ihnen hinterlassen?

Tebartz-van Elst: Es war eine Woche mit großen Herausforderungen. Es ist eine Zeit, in der ich darüber nachdenke, was sich hinter dieser Kritik verbirgt. Ich nehme die Kritik ernst. Es ist eine Zeit, die ich nutze, um genau hinzuhören und viele Gespräche zu führen. Das ist mir ganz wichtig. Und wichtig ist mir auch, im Gebet mit diesen Herausforderungen umzugehen.

domradio.de: Es kommt nicht alle Tage vor, dass es in Ihrer größten Bistumsstadt im Frankfurter Dom Beifall gibt für einen Brief, in dem Sie scharf kritisiert werden. Da wird ihnen vorgeworfen, Sie seien für einen Vertrauensverlust in das Bistum verantwortlich. Die Bistumsleitung müsse das Vertrauen wiederherstellen, wird gefordert. Wie bewerten Sie das?

Tebartz-van Elst: Wenn so etwas kommt, ist es ganz wichtig, miteinander zu reden, und das tue ich in diesen Tagen an vielen Orten mit vielen Gruppen und Kreisen, mit den synodalen Gremien und jedes Mal, wenn ich diese Gespräche führe, erlebe ich, dass ich da, wo wir miteinander im Austausch sind, wo ich höre, wo ich Kritik ernst nehme, auch zeigen kann: Wie können wir miteinander in die Zukunft gehen. Das ist wichtig. Es gibt im Leben von Menschen immer Auseinandersetzungen und Konflikte. Und dann ist es so wichtig, miteinander zu sprechen. Zu hören, was ist es, was den anderen stört, was ihn hindert. Das möchte ich gerade als Bischof tun. Es ist Auftrag des bischöflichen Dienstes, hinzuhören. Und Dienst an der Einheit auszuüben. Das möchte ich, und deshalb sind Gespräche unerlässlich.

domradio.de: Sie haben auch Gespräche in Rom geführt. Was ist das Ergebnis?

Tebartz-van Elst: Ich habe die Situation angesprochen, wie sie bei uns im Bistum ist. Und ich habe große Unterstützung und großen Rückhalt erfahren. Das hat mich sehr ermutigt.

domradio.de: Ihre Amtsführung wird kritisiert, es wird so dargestellt, als säßen Sie einsam auf dem Bischofsberg oben und würden alles ganz alleine entscheiden. Das ist ein Eindruck, der sich aufdrängt, wenn man nur in die Medien schaut.

Tebartz-van Elst: So ist es ganz und gar nicht. Es ist bei uns im Bistum eine wirklich gut entwickelte synodale Tradition vorhanden. Deswegen ist mir das Gespräch mit den synodalen Gremien sehr wichtig. Das heißt aber auch, dass wir das synodale Prinzip zukunftsfähig machen müssen. Und das heißt, immer wieder auch zu schauen: Was heißt es jetzt, was heißt es in Konflikten. Und so bin ich mit den Gruppen im Gespräch.

domradio.de: Ihnen wird auch ein Hang zu einer pompöser Liturgie vorgeworfen. Wie bewerten Sie das?

Tebartz-van Elst: Das ist nicht meine Absicht, eine pompöse Liturgie zu feiern. Dass aber die Liturgie feierlich ist, dass Jesus Christus in der Mitte steht und nicht menschlicher Aktionismus, das ist mir immer ein großes Anliegen gewesen. Das habe ich selber, als ich in der Lehre für Liturgiewissenschaft tätig war, auch den Studenten vermittelt. Und das möchte ich selber auch als Zeugnis meines Glaubens weitergeben. Ich merke, dass da, wo Jesus Christus durchkommt in der Liturgie, da werden auch die Herzen der Menschen bewegt. Und dazu beizutragen, das ist mir wichtig. Die Liturgie ist Quelle und Gipfel allen Tuns der Kirche, so sagt es das Zweite Vatikanische Konzil, dem ich mich da sehr verpflichtet fühle. Und dazu möchte ich beitragen. Liturgie darf nicht provozieren. Liturgie will zusammenführen. Liturgie will aufbauen, und da müssen wir uns immer wieder auch fragen, wie wir das zum Ausdruck bringen können. Die Liturgie der Kirche ist in diesem Sinne sozusagen dann auch das, was gerade dazu verhelfen möchte, deswegen haben wir ja die Symbolhandlungen der Kirche so entwickelt, wie wir sie feiern. Wir feiern sie hier wie anderswo auch, und das ist auch ein Dienst an der Einheit.

domradio.de: Die Süddeutsche Zeitung nennt Sie den "größten Schadensfall der katholischen Kirche Deutschlands". Dann wird ein bescheidener Papst Franziskus dargestellt und behauptet, in Limburg sei das alles anders.

Tebartz-van Elst: Papst Franziskus hat uns schon uns ganz wichtige Impulse gegeben und gibt sie weiter, wofür wir sehr dankbar sind. Das bedeutet für einen Bischof, sich dem auch zu stellen und darüber nachzudenken, was das heute heißt. Papst Franziskus hat auf dem Rückweg vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro im Flugzeug ein sehr lesenswertes Interview gegeben. Er fragt: Was heißt das: Einfachheit? Er sagt, darüber muss jeder dann selber ins Nachdenken kommen, das ist für den einen dies, für den anderen das. Und er betont immer wieder, wie wichtig die Gastfreundschaft, die unmittelbare Begegnung ist. Und dafür haben wir in Limburg das Bischofshaus gebaut, und diesem Zweck soll es dienen: dass hier viele Menschen aus dem Bistum zusammenkommen können. Deswegen haben wir es gebaut mit allen Herausforderungen, die vom Baugrundstück damit verbunden waren. Es soll ein Ort des Gastfreundschaft und der Begegnung sein. Viele waren schon hier, und noch mehr sollen kommen! Es ist mein Anliegen, als Bischof mit den Menschen in Begegnung zu sein. Sie bei mir zu Gast zu haben und mit ihnen gleichsam auch in Mahlzeiten Gemeinschaft zu teilen. Dafür braucht es Orte der Begegnung.

domradio.de: Die Kosten für das Bischofshaus sind auch in der Kritik. Was beabsichtigen Sie in Sachen Offenlegung der Kosten?

Tebartz-van Elst: Gerade das wollen wir in den nächsten Wochen tun! Wir wollen die Kosten offenlegen, damit auch verständlich wird, wie hier gebaut worden ist und was Mehrkosten verursacht hat. Damit sich jeder ein verlässliches Bild machen kann.

domradio.de: Können Sie zu den Kosten jetzt konkret etwas sagen?

Tebartz-van Elst: Ich kann das nicht, das müssen die Fachleute tun, die für die Planung und Durchführung verantwortlich sind. Und die werden die entsprechenden Zahlen in den kommenden Wochen mitteilen.

domradio.de: Herr Bischof, was dann auch zuweilen kritisiert wird, ist die Öffentlichkeitsarbeit in ihrem Bistum. Für unsere Belange können wir das als domradio eigentlich nicht sagen. Wir haben Sie angerufen, Sie haben gesagt‚ Sie stünden zur Verfügung. Aber viele sagen, Sie würden da auch schlecht beraten und hätten eine sehr schlechte Öffentlichkeitsarbeit. Wie beurteilen Sie das?

Tebartz-van Elst: Daran müssen wir arbeiten, das sehe ich sehr deutlich. Und wir sind derzeit auch in Überlegungen, wie wir das verbessern können. Wir müssen da mehr tun. Ich sehe das ein, und es ist auch richtig, dass mediale Arbeit auch für die Vermittlung des Glaubens wichtig ist. Ich bin allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr dankbar, die sich bei uns hoch engagiert einsetzen. Aber wir brauchen noch mehr Kommunikation.

domradio.de: Wenn Sie jetzt zurückblicken auf Ihre Jahre als Bischof in Limburg und die viele Kritik, mit der Sie immer wieder konfrontiert werden. Wenn Sie zurückblicken, würden Sie ganz persönlich sagen, da habe ich vielleicht etwas falsch angegangen, oder da gilt es vielleicht nachzusteuern? Das würde ich heute anders anpacken und anders bewerten?

Tebartz-van Elst: Ich glaube, dass das immer so ist. Das sehe ich jedenfalls für mich auch so. In der Rückschau wird manches viel klarer und man weiß, was man nicht nochmal wieder so tun würde. Ich weiß, was ich nicht nochmal so tun würde. Das gehört zum Leben dazu, wir lernen auch dadurch, dass wir Erfahrungen machen. Das bedeutet für mich auch darüber nachzudenken, wo kann ich in Zukunft manche Punkte, Akzente nochmal anders setzen.

domradio.de: Herr Bischof, darf ich da nachfragen. Gibt es vielleicht einen Fehler oder eine Sache, wo Sie sagen, das habe ich falsch gemacht?

Tebartz-van Elst: Also, ich glaube schon, dass es noch wichtiger gewesen wäre, viel mehr zu kommunizieren. Wir haben es versucht. Aber sich dann auch nicht irritieren zu lassen, wenn es nicht gleich auch schon so verstanden worden ist. Nicht müde zu werden, ich glaube das ist ein ganz wichtiger Impuls, den ich aus den vergangen Jahren jetzt auch nochmal in Blick auf Vermittlung, auf Medienarbeit sehen würde. Es hilft letztlich immer nur Kommunikation. Es ist nicht damit getan, auch juristisch Dingen zu begegnen, sondern, ich glaube, das Allerwichtigste ist, im Gespräch zu sein.

domradio.de: Das wird in dem Brief auch gefordert. Wie geht es da jetzt weiter?

Tebartz-van Elst: Ich führe mit allen, die um ein Gespräch bitten, dann auch den Austausch. Das ist mir ganz wichtig: Zu hören und auch von meiner Seite aus Sichtweisen zu erläutern. Aber vor allem miteinander zu schauen, wie wir Dinge verbessern können.

domradio.de: Wer Sie seit langem kennt, der merkt, das alles geht nicht spurlos an Ihnen vorbei. Hat Sie das alles auch persönlich sehr mitgenommen?

Tebartz-van Elst: Ich denke, es ist nachvollziehbar, dass Herausforderungen auch einen persönlich mitnehmen. Ich wäre kein Mensch, wenn es anders wäre. Es ist eine Zeit, die mich in diesem Sinne auch nochmal nachdenklich macht, die mich aber auch dankbar erfahren lässt, wo Menschen an meiner Seite stehen und die mich genauso herausfordert auf die zu hören, die Kritik haben.

domradio.de: Herr Bischof, was wünschen Sie sich für die Zukunft, für sich selber und für das Bistum.

Tebartz-van Elst: Dass wir uns als Kirche um Jesus Christus versammeln. Dass wir die Wege des Austausches, des Gespräches wählen – auch in Konfliktsituationen, die das Evangelium nahelegt – und dass wir vor allem beieinander bleiben. Dienst an der Einheit ist das Allerwichtigste.

domradio.de: Herr Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen.

(dr)

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