Eine Gedenkstätte soll in Berlin an die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnern
Eine Gedenkstätte soll in Berlin an die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnern

01.09.2019

Berliner Gedenkstätten-Projekt für Polen hat immer mehr Förderer Ein Mahnmal für Millionen vergessener Kriegsopfer

Erschießung, Lagerhaft oder Zwangsarbeit: Fast jede polnische Familie hat Opfer der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg zu beklagen. In Berlin soll ein Denkmal für sie entstehen.

An Gedenkstätten für die Opfer der Nationalsozialisten herrscht in Berlin kein Mangel. Allen voran ist das ausgedehnte Stelenfeld für die sechs Millionen ermordeten Juden eine der markantesten Mahnmale in der Hauptstadt. Zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls rückt auch das Projekt eines Berliner Denkmals für die polnischen Opfer verstärkt in das öffentliche Interesse.

Zuletzt hatte sich Außenminister Heiko Maas (SPD) beim jüngsten Gedenken zum 75. Jahrestag des Warschauer Aufstands in der polnischen Hauptstadt für die Gedenkinitiative ausgesprochen. Das sei "lange überfällig", betonte er. "Eine solche Gedenkstätte wäre nicht nur eine Versöhnungsgeste an Polen. Sie wäre bedeutend für uns Deutsche selbst."

Verschiedene Modelle

Damit spielte Maas darauf an, dass Ausmaß und Radikalität der Kriegsverbrechen auch an den nichtjüdischen Polen den heutigen Deutschen weithin unbekannt sind. Im Zweiten Weltkrieg starben sechs Millionen Polen, die Hälfte davon waren Juden. Es war jeder sechste Einwohner des Landes. Als besonders folgenreich wirkten sich die Ermordungen von Professoren, Ärzten, Juristen und Priestern aus, die nach dem Krieg beim Wiederaufbau fehlten. Zum weit überwiegenden Teil war dafür Hitler-Deutschland verantwortlich, zum geringeren die Sowjetunion.

Die unselige Kooperation der späteren Kriegsgegner ist das Hauptproblem der Denkmalfrage. Gegenüber stehen sich vor allem zwei Modelle. Die Historiker Martin Aust und Peter Jahn sowie der ehemalige Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Markus Meckel, plädieren für einen "Ort der Information, des Dialogs und des Gedenkens" an alle Opfer der NS-Vernichtungskriege im Osten.

Dagegen steht eine auch in Polen viel beachtete Initiative unter anderen vom ehemaligen Präsidenten des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Florian Mausbach. Er schlägt die Errichtung eines Erinnerungsortes für die Opfer der Besetzung Polens zwischen 1939 und 1945 am Askanischen Platz unweit der Kriegsruine des Anhalter Bahnhofs vor. An dem Platz entsteht bereits ein Dokumentationszentrum, das an die Vertreibung vor allem von Deutschen erinnert, die eine Folge des Zweiten Weltkriegs war.

Symbolisches Zeichen wäre unzureichend

Diesen Gedenk-Vorschlag befürwortet auch das Deutsche Polen-Institut (DPI) in Darmstadt. An polnische Opfer und sowjetische Täter in einem Mahnmal gemeinsam zu erinnern, wäre vor allem im Nachbarland kaum zu vermitteln, betont DPI-Direktor Dieter Bingen, auch wenn dies Forderungen anderer Opfernationen wecken könnte. Eine "Galerie von Denkmälern" sei vorerst jedoch nicht zu erwarten, da das Schuldbewusstsein der Deutschen etwa Griechen gegenüber ähnlich gering ausgeprägt sei wie gegenüber Polen.

Nur ein symbolisches Zeichen wie ein Denkmal hält auch Bingen für unzureichend. Er kann sich Säulen mit Basis-Informationen auf dem Askanischen Platz oder im S-Bahnhof darunter vorstellen. Die Entscheidung zu Bau und Ausgestaltung liegt wie bei den anderen Denkmälern von nationalem Rang aber beim Bundestag, wie der DPI-Direktor betont.

Gedenkstätte hat bereits zahlreiche Befürworter

Dort ist das Thema schon angekommen. Ende Januar hatte das Parlament über einen Vorstoß der Linksfraktion zu einem Denkmal für die Opfer der Nationalsozialisten in Osteuropa diskutiert. Im Mai veröffentlichten die Abgeordneten Alexander Müller (FDP), Dietmar Nietan (SPD), Thomas Nord (Linke), Manuel Sarrazin (Grüne) sowie Paul Ziemiak (CDU) einen Aufruf für eine Polen-Gedenkstätte und suchen weitere Förderer. Im Juni bekundete auch die Bundesregierung ihre Unterstützung.

Einem Appell des Polen-Instituts haben sich zudem bislang rund 130 Vertreter aus Wissenschaft und Gesellschaft angeschlossen. Unter ihnen sind die Ex-Bundestagspräsidenten Rita Süssmuth und Wolfgang Thierse, der frühere SPD-Vorsitzende Kurt Beck, Ex-Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) sowie Berlins katholischer Erzbischof Heiner Koch und evangelischer Bischof Markus Dröge. Für das Projekt will das Polen-Institut überdies am 1. September am möglichen Standort werben: Zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen plant es auf dem Askanischen Platz eine Gedenkveranstaltung.

Gregor Krumpholz
(KNA)

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