23.07.2019

Unsichere Zukunft für kirchliche Zeitungen Diözese Passau setzt weiter auf Print

Die Leser werden älter, die Auflagen gehen zurück. Seit langem hängt ein Fragezeichen über der Zukunft kirchlicher Printmedien in Deutschland. Im Bistum Passau werden jetzt zwei Wochenzeitungen zusammengelegt.

Zwei Monate ist es erst her, dass die Diözesen Mainz, Fulda und Limburg das Aus für ihre Bistumszeitungen verkündet haben - nicht sofort, aber Ende 2023. Und schon gibt es wieder Neuigkeiten aus der Welt katholischer Printmedien. Vom Jahreswechsel an werden das "Passauer Bistumsblatt" und der "Altöttinger Liebfrauenbote" schrittweise zusammengelegt. Ab 2022 soll es ein "gemeinsames Abo-Printprodukt" geben, teilte das Bistum Passau am Dienstag mit.

Sinkende Auflage kirchlicher Wochenzeitungen

Als Grund wird - hier wie dort - die seit Jahren sinkende Auflage kirchlicher Wochenzeitungen angegeben. Weder Werbemaßnahmen noch Relaunches konnten diesen Trend umkehren oder wenigstens stoppen.

Sollte sich die Entwicklung ungebremst fortsetzen, prognostiziert der Eichstätter Kommunikationswissenschaftler Christian Klenk, liege die Gesamtauflage der deutschen Bistumszeitungen schon in rund zehn Jahren bei Null.

Dennoch hielten die meisten Diözesen bis vor kurzem aus Überzeugung an ihren gedruckten Publikationen fest. Nur das Bistum Essen entschied sich bereits 2013, auf sein "Ruhrwort" zu verzichten und einen neuen Weg zu gehen. Dem folgten mit ihrer Ankündigung im Mai die drei genannten Diözesen.

Bistumszeitung stärken und weiterentwickeln

In Passau setzt man sich bewusst von dieser Entscheidung ab. Sie sei "sehr kurzsichtig", schreibt Bistumsblatt-Chefredakteur Wolfgang Krinninger im Editorial zur neuen Ausgabe. Statt kurzerhand das Aus für die Kirchenzeitung zu verkünden, setze der "Passauer Weg" darauf, die Bistumszeitung zu stärken und weiterzuentwickeln. Dazu wechselt die bislang vom Bistum unabhängige Altöttinger Traditionszeitung ab 2020 in die Herausgeberschaft der Diözese.

Trotz der Fusion bleibt die Herausforderung der sinkenden Abonnentenzahlen. Zwar haben Bistumsblatt und Liebfrauenbote zum jetzigen Zeitpunkt zusammen noch eine Auflage von knapp 17.000 Exemplaren. Doch schon zum Fusionszeitpunkt 2022 dürfte die deutlich niedriger liegen. Zur Gewinnung neuer Zielgruppen setzt man in Passau auf sogenannte Specials, "magazinartige Hefte", die zunächst ein bis zweimal im Jahr erscheinen sollen.

Einen ähnlichen Weg geht man bereits im Bistum Speyer. Dort erscheint seit 2017 vier Mal im Jahr das Mindstyle-Magazin "der pilger", das somit denselben Namen wie die Bistumszeitung trägt. Das "Magazin für die Reise durchs Leben", so der Untertitel, wird im Abo und am Kiosk verkauft. Abonnenten der Bistumszeitung erhalten es als kostenloses Zusatzangebot. Zwar gilt das Magazin in Speyer als Erfolg - den Auflagenschwund der Bistumszeitung aber konnte es bislang nicht bremsen.

Andere Diözesen setzen lieber auf eine Verzahnung von Print und Online. In Münster etwa betreibt die Bistumszeitung "Kirche+Leben" auch ein gleichnamiges Online-Portal. In München ist der Sankt Michaelsbund, Herausgeber der "Münchner Kirchenzeitung", mit dem Portal mk-online.de ebenfalls im Netz aktiv. In Köln ansässig ist das bistumseigene Portal domradio.de, im Katholischen Medienhaus in Bonn ist katholisch.de beheimatet, mit monatlich rund 1,5 Millionen Visits der Marktführer in diesem Bereich.

"Advents-" bzw. "SommerZeit" im Erzbistum Köln

Neben dem Internet experimentieren verschiedene Bistümer mit dem Format der Mitgliederzeitschrift. Den Aufschlag machte 2011 das Erzbistum Köln mit einer Verteilzeitung, die seitdem halbjährlich unter dem Titel "Advents-" bzw. "SommerZeit" erscheint - parallel zur "Kölner Kirchenzeitung". Auch in Münster erscheint das Magazin "leben!" neben der traditionellen Bistumszeitung, während "Bene" in Essen diese abgelöst hat.

Bleibt die Frage, welches Modell sich letztlich durchsetzen wird. "Schon jetzt haben eine ganze Reihe von Titeln eine Auflage von nur noch um oder unter 10.000 Exemplaren - da kommt man schnell an die Frage der Wirtschaftlichkeit", betont Medienwissenschaftler Klenk.

Eine Lösung könnte eine bundesweite Kirchenzeitung für alle Diözesen sein. "Aber die Hoffnung, dass so etwas zustande kommt, habe ich lange aufgegeben", so Klenk.

Andreas Laska
(KNA)

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