Michael Gerber vor dem Fuldaer Dom
Michael Gerber vor dem Fuldaer Dom
Michael Gerber wird im März als neuer Bischof von Fulda eingeführt
Michael Gerber während einer Katechese
Junger Bischof mit Draht zur Jugend: Michael Gerber
Junger Bischof mit Draht zur Jugend: Michael Gerber

30.01.2019

Ernannter Fuldaer Bischof Gerber im Interview Zwischen Abschied und Neuanfang

Ende März wird Michael Gerber als neuer Bischof von Fulda in sein Amt eingeführt. Wie er zwischen Abschied und Neubeginn pendelt und was er sich für die neue Aufgabe vorgenommen hat, erklärt der Freiburger Weihbischof im Interview.

Erzbistum Freiburg: Was bedeutet es denn für Sie ganz persönlich, Bischof von Fulda zu werden, dieses traditionsreiche Bistum in Zukunft zu leiten?

Michael Gerber (Weihbischof in Freiburg und ernannter Bischof von Fulda): Ich verbinde Fulda natürlich mit sehr vielen persönlichen Erfahrungen im Rahmen der Herbst-Vollversammlungen der Bischofskonferenz. Fulda ist nicht zuletzt durch den heiligen Bonifatius ein ganz besonderer Ort. Das ist auch spürbar, wenn man mit Menschen aus dem Bistum Fulda spricht, wie stark der heilige Bonifatius dort als Person präsent ist, der natürlich für ganz wichtige Themen auch heute steht. Bonifatius, der aus Britanien kam, in einen für ihn fremden Kultur-Kontext das Evangelium verkündet hat.

Und damit sind Fragen verbunden, die für uns heute von großer Relevanz ist: Was heißt es, das Evangelium in einer veränderten gesellschaftlichen Situation zu verkünden? Was heißt es, Menschen in unserer heutigen Gesellschaft neu mit dem Evangelium und mit Jesus Christus in Berührung zu bringen.

Erzbistum Freiburg: Jetzt hatten sie etwa vier Wochen Zeit, diese Nachricht auch selber in sich aufzunehmen. Wie schwer wird Ihnen der Abschied aus Freiburg, aus Südbaden fallen?

Gerber: Ich bin sehr stark hier im Bistum verwurzelt als jemand, der im Schwarzwald aufgewachsen ist, dem der Schwarzwald auch sehr viel bedeutet, ob das der Ski-Langlauf ist oder das Fahrradfahren, und der natürlich sehr viele persönliche Kontakte hat. Viele meiner Freundschaften, aus denen ich lebe, die sind hier in der Region verankert. Von dieser Seite aus fällt es mir nicht so leicht, hier einfach Südbaden zu verlassen.

Aber ich bin selbst über mich überrascht, dass die Freude, nach Fulda zu gehen, deutlich überwiegt. Das ist von Anfang so, von Anfang an als diese Anfrage kam so, dass in mir jeden Tag auch neu die Kreativität geweckt wird, was könnte ich alles mit den Menschen im Bistum Fulda anfangen, und zugleich ich aber auch jeden Tag mit Menschen aus dem Bistum Fulda vor allem mit den Verantwortlichen im Bistum in Kontakt bin und wir immer wieder gemeinsam überlegen, was sind jetzt tatsächlich die nächsten Schritte. Und ich muss sagen, die Freude überwiegt.

Erzbistum Freiburg: Was haben Sie sich denn vorgenommen? Wo möchten Sie dem Bistum auch neue Impulse geben?

Gerber: Gut, das erste wird natürlich sein, aufzugreifen, was dort in den letzten Jahren, Jahrzehnten gewachsen ist. Das Bistum selber steht, soweit ich das beurteilen kann, wie alle Bistümer in Deutschland in einem intensiven Transformationsprozess, der im Bistum Fulda unter dem Stichwort 'Bistum 2030' läuft. Das wird jetzt eine erste Aufgabe sein, mich mit den Verantwortlichen dieses Prozesses zusammen zu setzen. Da laufen auch schon erste Terminvereinbarungen, um mich gut einführen zu lassen, an welchem Punkt steht das Bistum tatsächlich und was sind jetzt organisch nächste Schritte, die das Bistum in die Zukunft führen.

Erzbistum Freiburg: Jetzt übernehmen Sie da auch ganz neue Verantwortung für ein ganzes Bistum, für alle Fragen, die da relevant sind für die Kirche. Wie bereiten Sie sich denn ganz persönlich auf diese Verantwortung vor?

Gerber: Auf der einen Seite treffe ich mich in der nächsten Zeit mit Verantwortlichen aus dem Bistum Fulda, die für die verschiedenen Themen stehen, um mich da auch gut einführen zu lassen, weil ich natürlich von meiner Herkunft her auf manches besser vorbereitet bin. Auf Fragen der Ausbildung, der Personalführung, auf andere Fragen muss ich mich noch stärker vorbereiten.

Natürlich habe ich als Bischof eine wichtige Letzt-Verantwortung in diesen Fragen. Aber Leitung heißt in unseren Zeiten auf alle Fälle auch Leitung in Mitverantwortung, das heißt, auch gut mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die für einzelne Themen stehen, zusammen zu arbeiten, auch deren Expertise, deren Rat immer wieder einzuholen.

Erzbistum Freiburg: Gibt es so etwas wie ein Fortbildungsprogramm in der Kirche: "Wie werde ich Diözesanbischof?"

Gerber: Die Weltkirche kennt einen intensiven Einführungskurs für Bischöfe allgemein. Den habe ich mit Erzbischof Burger vor einigen Jahren besucht. Das war eine ganz wertvolle Zeit, die wir da in Rom hatten. Und wir sind tatsächlich auch mit der entsprechenden Kommission der Bischofskonferenz, in der ich ja selber auch Mitglied bin, an der Frage dran, was es hier auch künftig noch Mal mehr braucht – nicht nur im Sinne einer Einführung, sondern auch im Sinne einer Fortbildung für Bischöfe.

Erzbistum Freiburg: Mit einem Gottesdienst werden Sie sich jetzt hier vom Erzbistum Freiburg verabschieden. Es ist noch ein bisschen Zeit bis zur Amtseinführung, aber zu dieser Feier möchten Sie schon auch die Gläubigen aus allen Teilen der Erzdiözese hier in Freiburg sehen, erleben?

Gerber: Ja, ich lade herzlich ein, sofern das möglich ist, zum Vesper-Gottesdienst am 3. Februar, nachmittags um 16.30 Uhr. Es kamen viele Reaktionen, viele Briefe aus dem Erzbistum, wo Menschen auch gefragt haben, gibt es noch einmal eine Form der Begegnung und des Abschied-Nehmens. Und das hat mich dazu veranlasst, zusammen mit Erzbischof Stephan Burger zu überlegen, wie das geschehen kann mit dem Vesper-Gottesdienst und anschließend einer ganz offenen Begegnung im Priesterseminar. Wer da kommen kann, über den freue ich mich. Wenn es aufgrund der Entfernungen oder des Wetters nicht möglich ist zu kommen, habe ich volles Verständnis dafür.

Es wird hoffentlich auch noch weitere Begegnungen geben, ob bei der Amtseinführung in Fulda oder vielleicht auch einmal bei einer Wallfahrt zum heiligen Bonifatius. Auch das haben erste Gruppen schon angekündigt, dass sie nach Fulda gerne mal pilgern würden. Von daher denke ich schon, dass es auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten immer wieder Möglichkeiten der Begegnung gibt.

Erzbistum Freiburg: Wird das für Sie ein ganz emotionaler Moment so dieses Abschied-Nehmen? Müssen Sie da vielleicht die eine oder andere Träne verdrücken?

Gerber: Da bin ich selber noch gespannt vom Gefühl her. Es gilt jetzt, vieles loszulassen. Das hat ja bereits schon angefangen. Es gab bereits schon einen sehr bewegenden Abschied aus dem Kreis der Ordensgemeinschaften in Gengenbach. Und da wird es sicherlich auch noch manche emotionale Begegnung kommen. Und zugleich aber auch die Hoffnung, dass in anderer Weise auch Beziehungen weitergehen.

Erzbistum Freiburg: Gibt es noch etwas, das Ihnen eine schlaflose Nacht bereitet mit Blick auf Ihre künftige Aufgabe?

Gerber: Ehrlich gesagt schlafe ich zurzeit sehr gut. Die Tage sind natürlich auch gut gefüllt, wenn man sowohl in Prozessen im Erzbistum Freiburg als auch im Bistum Fulda drin steht. Ich freue mich auf eine kurze Auszeit, die ich haben werde. Es wird nicht lange sein, aber dass ich mit meiner Familie auch noch Mal einige Tage verbringen werde. Das ist aber für mich ein gutes Zeichen, dass ich auch in dieser Zeit des Wechsels gut schlafen kann.

Erzbistum Freiburg: Werden Sie ähnlich wie vor der Bischofsweihe jetzt hier vor dieser Amtsübernahme auch Exerzitien machen, eine Woche ganz bewusst im Gebet sich darauf vorbereiten?

Gerber: Das wird so in dieser Form nicht möglich sein. Das Schöne ist allerdings, dass ich unmittelbar bevor ich angefragt wurde, also unmittelbar vor der Wahl, tatsächlich meine Jahres-Exerzitien gemacht habe. Und das war für mich eine ganz wertvolle Erfahrung. Auf diesem Hintergrund konnte ich auch gut Ja sagen zu der Aufgabe. Was es allerdings geben wird vor der Amtseinführung - da sind wir gerade mit den Verantwortlichen in Fulda in Planung - ist ein zweitägiges Pilgern auf der sogenannten Bonifatius-Route. Diese geht von Bonifatiusborn, im Vogelsberg noch im Bistum Mainz, bis ins Bistum Fulda mit einer Zwischenübernachtung und dann zur Bischofskirche. Man ist herzlich eingeladen, auch mit zu pilgern.

Auch das ist für mich eine geistliche Vorbereitung, einen gemeinsamen Weg mit Menschen zu gehen, mit ganz unterschiedlichen Menschen ins Gespräch zu kommen, natürlich aus dem Bistum Fulda, aber es haben auch schon erste aus dem Erzbistum Freiburg angesagt, dass sie da mitpilgern wollen. Für mich ist es wichtig, mir gerade jetzt auch in diesen Zeiten immer wieder genügend Zeiten des Gebets einzuräumen.

Das Interview führte Dieter Waldraff.

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