Ausgaben des Koran, der Thora und der Bibel nebeneinander
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Frau mit Kopftuch geht an der Humboldt-Universität an der Straße Unter den Linden in Berlin vorbei
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29.12.2018

Religion wird 2019 ein wichtiges Thema in Berlin Stadt, Land, Theologie

Religion ist derzeit oft im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch oder Terrorgefahr ein Thema. Mehrere Projekte in Berlin könnten 2019 auch ein anderes Licht auf kirchliche und muslimische Initiativen werfen.

Berlin hat den Ruf einer "Hauptstadt des Atheismus". Tatsächlich gehört nur noch jeder vierte der 3,6 Millionen Einwohner einer christlichen Kirche an. Zudem gehen Schätzungen von 330.000 Muslimen aus; wie viele ihren Glauben praktizieren, ist indes ungewiss. Das Thema Religion dürfte 2019 in Berlin dennoch einen höheren Stellenwert erhalten als sonst. Mehrere Projekte, die damit zu tun haben, stehen vor der Verwirklichung oder vor wichtigen Weichenstellungen.

Im Bereich der Hochschulen sind es gleich zwei Einrichtungen: Das Institut für Katholische Theologie und jenes für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität. Beide Vorhaben erhielten in den vergangenen Monaten die Zustimmung der Hochschulgremien. Nun werden die Berufungen der Professoren vorbereitet und Studienordnungen erarbeitet. Beginnen soll der Lehrbetrieb im Wintersemester 2019/20.

Zwischen Charite und Katholischer Akademie

Beide Institute werden im früheren Haus der Gerichtsmedizin (Hannoversche Straße 6) zwischen Charite und Katholischer Akademie untergebracht. Mit dem Institut für Katholische Theologie erfüllt sich ein lange gehegter Wunsch der Kirche. Denn eine Fakultätsgründung an der Humboldt-Universität blieb vor gut 20 Jahren im Planungsstadium. Überdies war das bisherige Seminar für Katholische Theologie an der Freien Universität Berlin auf zuletzt nur noch zwei Professuren reduziert.

Sie werden nun an die Humboldt-Uni verlagert und um drei weitere ergänzt. Mit der bereits an der evangelischen Fakultät bestehenden Stiftungsprofessur, die nach dem katholischen Religionsphilosophen Romano Guardini (1885-1968) benannt ist, wird das Institut sechs Professuren umfassen. Nach Angaben von Gründungsdirektor Johannes Helmrath soll es eng mit anderen theologischen Einrichtungen wie der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Karlshorst kooperieren.

Das katholische Pendant

Mit dieser Stärkung der Hochschultheologie will sich die katholische Kirche stärker in die gesellschaftlichen und politischen Debatten einbringen. Weiter vorangeschritten als das katholische Pendant ist der Aufbau des Instituts für Islamische Theologie. Es soll Muslimen und Nicht-Muslimen ermöglichen, den Islam nach wissenschaftlichen Standards zu studieren. Probevorlesungen von Kandidatinnen und Kandidaten für die vier Professuren finden bereits ab Mitte Januar statt. Gründungsdirektor Michael Borgolte ist überaus zufrieden mit der Zahl und Qualität der Bewerbungen.

Das Bundesbildungsministerium fördert überdies bis 2023 zwei weitere Forschungsprofessuren. Zudem bewilligte es Mittel für eine Gruppe von Nachwuchswissenschaftlern, die Themen wie das Verhältnis muslimischer Gemeinden zum säkularen Rechtsstaat behandelt. Offen ist jedoch laut Borgolte noch, wie sich der künftige Beirat des Instituts zu den Berufungen positioniert, bei denen das Gremium mitentscheidet. Darin sind neben Islamwissenschaftlern auch drei konservative muslimische Verbände vertreten. Dass vorerst keine liberalen Organisationen im Beirat sind, stößt auf anhaltende Kritik.

Mit Hoffnung verbunden

Universität und Berliner Senat verteidigen die Zusammensetzung jedoch mit dem Argument, dass vor allem konservative Verbände Stellen für Imame und Religionslehrer bieten könnten. Auch außerhalb der Universität wollen Muslime in Berlin über Fragen der modernen Gesellschaft ins Gespräch kommen. So kooperiert die "Deutsche Islam Akademie", eine Initiative von rund 50 jungen Muslimen, im neuen Jahr verstärkt mit der Katholischen Akademie. Dort diskutieren am 24. Januar Mitglieder beider Religionen über die Frage, wie sich Individualität mit den Vorgaben einer Glaubensgemeinschaft verträgt.

Im Jahr 2019 stehen überdies zwei wichtige binnenkirchliche Schritte an. Im Mai entscheidet das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, ob es seinen Sitz von Bonn nach Berlin verlegt. Damit wäre die Hoffnung verbunden, dass die Laienvertretung näher an die politischen Entscheidungszentren rückt.

Zudem will das Erzbistum Berlin die Sanierung und den Innenumbau der Sankt-Hedwigs-Kathedrale einen wichtigen Schritt voranbringen. Nachdem auch die staatlichen Förderbescheide vorliegen, beginnen nun die Detailplanungen und Ausschreibungen. Ob die Bauarbeiten noch 2019 anlaufen, ist indes ungewiss.

Gregor Krumpholz
(KNA)

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