Undurchsichtige Lage am Regensburger Dom
Regensburger Dom im Nebel

07.09.2018

Bistum Regensburg zahlt 4,3 Millionen Euro an Opfer aus Finanzielle Anerkennungsleistung

Das Bistum Regensburg hat Opfer sexuellen Missbrauchs sowie körperlicher Gewalt in Millionenhöhe entschädigt. Ein Großteil des Geldes ging an Betroffene der Regensburger Domspatzen.

Das Bistum Regensburg hat an Opfer sexuellen Missbrauchs sowie körperlicher Gewalt seit dem Jahr 2010 rund 4,3 Millionen Euro gezahlt. Davon entfallen mehr als 3,2 Millionen Euro allein auf Betroffene der Regensburger Domspatzen, wie aus einer Aufstellung auf der Website des Bistums hervorgeht. Ehemalige Mitglieder des Knabenchors stellten demnach 321 Anträge wegen körperlicher Gewalt, weitere 34 Personen wegen sexueller und teilweise auch körperlicher Gewalt. Hier entschied ein unabhängiges Gremium. Über diese Zahlen berichtete zuerst der Bayerische Rundfunk.

Unabhängig von den Domspatzen forderten laut Bistum seit 2010 weitere 95 Personen finanzielle Anerkennungsleistungen für erlittenen sexuellen Missbrauch. 60 Anträge seien anerkannt worden, in 19 Fällen sei die Diözese nicht zuständig gewesen. Diese Anträge habe man an Orden oder andere Bistümer weitergeleitet. Sechs Anträge lehnte das Bistum ab, da die Betroffene nicht minderjährig gewesen sei oder es sich nicht um sexuellen Missbrauch gehandelt habe. Zwei Anträge seien zurückgenommen worden, neun Anträge derzeit noch offen.

Meldungen meist aus den Jahren 1970 bis 1979

Insgesamt seien an 56 Personen wegen sexuellen Missbrauch über 458.000 Euro bezahlt worden. Darunter hätten 16 Betroffene 15.000 Euro oder mehr erhalten, 21 Betroffene 10.000 Euro oder mehr. Drei Viertel der 36 Beschuldigten seien Weltpriester und Ordensangehörige, die anderen keine Kleriker, fast alle Täter (94 Prozent) männlich. Die meisten Meldungen beträfen die Jahre 1970 bis 1979, die letzte Tat stamme aus dem Jahr 2016, die erste Meldung von 1950.

Im Bereich der körperlichen Gewalt ist den Angaben zufolge zwischen 2014 und 2015 insgesamt 143 Männern eine Summe von jeweils 2.500 Euro bezahlt worden, insgesamt gut 357.000 Euro. Von Januar 2017 an konnten Anträge auf Anerkennung als Opfer massiver körperlicher Gewalt gestellt werden. Bis August 2018 hätten 107 Personen davon Gebrauch gemacht. 18 Anträge habe man an Orden, andere Bistümer oder die Domspatzen abgegeben, 88 Anträge seien anerkannt worden, ein Antrag stehe noch aus. Insgesamt zahlte das Bistum 310.000 Euro an 82 Personen aus. Sechs Zahlungen stünden noch aus. Von den insgesamt 87 Betroffenen seien 34 weiblich und 53 männlich.

Herbstvollversammlung mit Thema Missbrauch

Die Beschuldigten dagegen sind laut Diözese zu zwei Dritteln Frauen gewesen. Die größte Gruppe stamme mit 64 Prozent aus Orden, weitere 19 Prozent seien Pfarrer, 17 Prozent sonstige Personen gewesen. Die meisten Misshandlungen erfolgten in den 1970er Jahren, die letzte Meldung stamme aus dem Jahr 1986, so das Bistum.

Auf der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe, die vom 24. bis 27. September in Fulda stattfindet, steht das Thema Missbrauch ebenfalls auf der Tagesordnung. Vorgestellt werden soll eine 2013 begonnene und jetzt abgeschlossene Studie mit dem Titel "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" (MHG-Studie).

(KNA)

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