Kloster Arnstein an der Lahn
Kloster Arnstein an der Lahn

06.09.2018

Die letzten Ordensmänner von Arnstein verlassen das Kloster 900 Jahre alte Abtei wird aufgelöst

Seit fast 900 Jahren leben Ordensmänner im Kloster Arnstein an der Lahn, mit wenigen Jahrzehnten Unterbrechung. Nun ziehen die letzten Patres aus, ins Stammhaus des Ordens in Werne. Der Nachwuchs fehlt. Wie es mit dem Kloster weitergeht, ist noch offen.

Eine schmale Straße windet sich den Berg hinauf. Oberhalb der rheinland-pfälzischen Ortschaft Obernhof thront das Kloster Arnstein. Seine hohen Türme ragen spektakulär über dem engen Tal der Lahn in die Höhe – fast wie bei einer Burg. Tatsächlich war das Gemäuer ursprünglich einmal eine Festungsanlage.

Derzeit wohnen hier noch vier Patres und ein Bruder

Oben vor dem Klostereingang wartet Pater Benno. Graue, zurückgekämmte Haare, stahlblaue Augen, freundliches Lächeln. Pater Benno – bürgerlich heißt er Benno Schmitz – ist der Obere des Klosters. Noch. Denn die Arnsteiner Patres werden den Bau zum Jahresende verlassen. Derzeit wohnen hier noch vier Patres und ein Bruder, also ein Ordensmitglied ohne Priesterweihe. Niemand von ihnen ist jünger als 65, zwei haben die 80 bereits überschritten. Es fehlt der Nachwuchs.

"Der bevorstehende Auszug macht uns schon Kummer", sagt der 79-jährige Pater Benno. Da sei natürlich der emotionale Aspekt – Arnstein ist nicht nur ein prächtiger Bau und namensgebend für seine Gemeinschaft, er hat auch eine reiche Geschichte. Und es seien viele Beziehungen entstanden, erzählt er. Die Patres halten in den Kirchen rundum Gottesdienste, kümmern sich außerdem um die Pilger, die hierher zur Herz-Jesu-Wallfahrt kommen.

Gründer des Klosters: Vom Raubritter zum Mönch

Der Stifter des Klosters war Graf Ludwig III. von Arnstein. Im Jahr 1139 wandelte er seine Stammburg in ein Kloster nach den Regeln des Prämonstratenser-Ordens um, in das er als Büßer selbst einzog. Es gibt die Legende, dass Ludwig ein Raubritter gewesen sein soll.

Angesichts seines schlimmen Lebenswandels soll ihn eines Tages die Angst um sein Seelenheil gepackt haben, so dass er allem Weltlichen entsagte. Ob diese Geschichte stimmt, ist freilich zweifelhaft. Vielleicht war es die Kinderlosigkeit der Ehe mit seiner Frau Guda, die Ludwig als Fingerzeig Gottes interpretierte und ihn zu diesem Schritt bewog.

Ludwigs Frau zog ebenfalls in das neu gegründete Kloster ein. Guda wandte sich noch radikaler von der Welt ab als Ludwig. Als sogenannte Inkluse verließ sie ihre Zelle bis zu ihrem Lebensende nicht mehr. Wo diese Zelle stand, weiß man heute nur noch ungefähr. Nach vielen Umbauten sind von der einstigen Burg nur noch einige Mauerreste zu sehen.

Herz-Jesu-Wallfahrten soll es auch nach dem Auszug geben

Im Jahr 1803 ließ Napoleon das Kloster aufheben. Aber 1827 gelangte es wieder in den Besitz der Kirche. Im Jahr 1919 zog hier schließlich die "Ordensgemeinschaft von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens und der ewigen Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes" ein. Deren Mitglieder heißen in Deutschland "Arnsteiner Patres".

Im Kloster tragen viele Möbel gelbe Klebezettel. Sie zeigen an, wohin jedes der Stücke gehen soll. Das Gemäuer selbst gehört dem katholischen Bistum Limburg, das Interieur hingegen den Patres. Nur die Küche und andere Einrichtungsgegenstände, die für den Empfang der Pilger wichtig sind, sollen bleiben.

Denn die regelmäßigen Herz-Jesu-Wallfahrten soll es auch nach dem Auszug der Patres noch geben. Zwei der Mitbrüder ziehen nicht weit weg, von Bad Ems aus sollen sie sich weiter um die Pilger kümmern. Zwei Jahre lang zumindest. Die anderen – auch Pater Benno – gehen nach Werne bei Dortmund, ins Stammhaus des Ordens. In einem ehemaligen Internat hat die Gemeinschaft den Ruhesitz für die älteren Mitbrüder eingerichtet.

"Der Auszug wird für manchen von uns schmerzlich werden"

"Es fällt auch etwas von mir ab", sagt Pater Benno. Er wird nach dem Auszug kein Oberer mehr sein, keine Wallfahrt mehr betreuen, keine Gottesdienste mehr in den Kirchen rund um Obernhof halten. Die Fahrten dorthin seien ihm zusehends schwer gefallen, vor allem während der dunklen Jahreszeit. In Werne gebe es schon noch Bedarf, sich nützlich zu machen: "Ich kann mich einbringen in die Hilfe für Mitbrüder, die das nötig haben." Dann werde er dann und wann doch noch ins Auto steigen und sie zum Arzt bringen. Oder er fährt sie im Rollstuhl spazieren.

Noch ist völlig unklar, wie es mit der ehemaligen Prämonstratenserabtei weitergeht. Eine Arbeitsgruppe des Bistums Limburg befasst sich damit. Die Kirche, so viel ist nach den Worten des Bistumssprechers Stephan Schnelle jetzt schon klar, soll geöffnet bleiben. Die Jugendbegegnungsstätte allerdings, die hier untergebracht ist, muss ihre Pforten schließen. Das Bistum hat noch zwei andere Jugendeinrichtungen, für Arnstein ist da kein Bedarf mehr.

"Sicher, der Auszug wird für manchen von uns schmerzlich werden", sagt Pater Benno. Andererseits: "Es ist nicht gut, zu lange an einem Ort zu bleiben. Das engt den Blick ein. Auch den Blick auf andere Menschen." Er selbst hat schon einige Male seine Heimstatt gewechselt. Seine erste Stelle hatte er im Internat in Werne – in jenem Gebäude, in das er nun wieder ziehen wird. So schließe sich für ihn ein Kreis, erzählt er: "Jetzt gehe ich da wieder hin. Aber nicht in die Schule."

Nils Sandrisser
(epd)

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