Modell für die Umgestaltung der Sankt-Hedwigs-Kathedrale
Modell für die Umgestaltung der Sankt-Hedwigs-Kathedrale
Kathedrale Sankt Hedwig
Kathedrale Sankt Hedwig
Erzbischof Heiner Koch wäre zu einer...
Erzbischof Heiner Koch

15.08.2018

Erzbistum Berlin beginnt Umbau seiner Sankt-Hedwigs-Kathedrale Umstrittenes Millionenprojekt

Berlins Erzbischof Heiner Koch feiert am Mittwoch seine vorerst letzte Messe in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale. Ab September beginnt der auf mindestens fünf Jahre veranschlagte Umbau. Die Kritik daran ist nicht verstummt.

Die Würfel sind bereits vor bald zwei Jahren gefallen: Am 1. November 2016 hatte Erzbischof Heiner Koch seine Entscheidung bekanntgegeben, die Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale im Innern tiefgreifend umbauen zu lassen. Mit Rückendeckung fast aller Spitzengremien des Erzbistums war es die Weichenstellung für ein Projekt, das Kochs Amtsvorgänger, Kardinal Rainer Maria Woelki, 2013 eingeleitet hatte. Die Genehmigung durch die Berliner Senatskulturverwaltung, wenn auch mit massiven Bedenken aus Sicht des Denkmalschutzes, machte im Februar den Weg frei für den Umbau.

Denkmalpfleger und Katholiken vor allem aus dem früheren Ostteil des Erzbistums wenden sich dagegen, dass die zentrale Bodenöffnung mit Freitreppe zur Unterkirche geschlossen wird. Sie führt zu den Gräbern der Berliner Bischöfe sowie des seliggesprochenen Dompropsts und Hitler-Gegners Bernhard Lichtenberg. Dieses Raumkonzept wurde vor rund 60 Jahren beim Wiederaufbau der kriegszerstörten Kathedrale angelegt. Der Umbauentwurf sieht vor, anstelle der Bodenöffnung den Altar ins Zentrum des Rundbaus zu rücken. Es soll die Feier des Gottesdienstes nach den gegenwärtigen kirchlichen Vorgaben erleichtern.

"Denkmal des Ost-West-Gegensatzes"

Kritiker wie der frühere sächsische Wissenschaftsminister Hans Joachim Meyer brachten dagegen vor, in ihrer jetzigen Form sei die im Osten Berlins stehende Kathedrale ein "gesamtdeutsches Symbol". Ihren Wiederaufbau bis 1963 habe Hans Schwippert geleitet, "einer der bedeutendsten Architekten der Bundesrepublik", betonte der frühere Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

"Wir Katholiken im Ostteil der Stadt waren stolz auf diese Neuschöpfung der Kathedrale", schrieb Meyer. Auch seine kirchenfernen Kollegen an der Humboldt-Universität seien "von diesem Zeugnis zeitgenössischer Architektur tief beeindruckt" gewesen. Katholiken aus dem Westen treten dagegen zumeist für den Umbau ein, deshalb ist immer wieder von einem innerkirchlichen Ost-West-Konflikt die Rede.

Unter den Verteidigern des Umbaus ist indes ein ebenfalls prominenter Ost-Katholik. Er halte absolut nichts davon, die Kathedrale "im Nachhinein zu einem Denkmal des Ost-West-Gegensatzes zu machen und heute deshalb einen West-Ost-Streit zu inszenieren", betonte der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. 

Llange und intensive Debatten

Zwar äußerte er Verständnis für die Idee, dass durch die bestehende Öffnung zur Krypta der dort bestattete Märtyrer Lichtenberg "im Gedächtnis bleibt". Wichtiger sei jedoch, "einen Kirchenraum als Ort der Eucharistie, der Liturgie zu verstehen und unter diesem dominanten Gesichtspunkt zu gestalten". Er sei dagegen, "einen Kirchenraum gewissermaßen zu musealisieren, ihn ausschließlich als Denkmal zu behandeln". Überdies sei die Kathedrale in ihrer 245-jährigen Geschichte bereits "mehrfach umgebaut und den jeweiligen Anforderungen angepasst worden", betonte Thierse, der in der Jury des Architektenwettbewerbs mitentschied.

Der SPD-Politiker wies den Verdacht zurück, dass "die Geschmacksentscheidung bestimmter Kleriker maßgeblich war". Es habe ein ordnungsgemäßes Juryverfahren mit langen und intensiven Debatten gegeben. "Man sollte also nicht mit Unterstellungen arbeiten, irgendetwas sei autoritär verfügt oder gemauschelt worden."

"Erhalt und Modernisierung"

Auch wandte Thierse sich gegen die Kritik daran, dass das Umbauprojekt einschließlich des benachbarten Bernhard-Lichtenberg-Hauses mindestens 60 Millionen Euro kosten dürfte. Jeweils 20 Millionen Euro sind vom Erzbistum selbst und den anderen deutschen Diözesen veranschlagt, zudem zwölf Millionen Euro vom Bund und acht Millionen Euro vom Land Berlin. Die Kritik an der Summe sei "unseriös, weil es sich jederzeit und gegen jede Kulturanstrengung in Stellung bringen lässt", so Thierse.

Er warnte überdies vor Forderungen an die Kirche, aus Bauskandalen wie dem Limburger Bischofshaus die Konsequenz zu ziehen, "sich nicht mehr um Erhalt und Modernisierung von Kirchengebäuden zu kümmern". Dann wäre die Alternative, wie in Frankreich den Staat damit zu belasten, "was keine den Steuerzahler überzeugende Lösung sein dürfte".

Gregor Krumpholz
(KNA)

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