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Kirche und Geld

05.07.2018

Bilanz im Bistum Münster: Zwei Milliarden Euro Vermögen Reiches Bistum?

Die Diözese Münster hat erstmals eine Bilanz für das Bistum nach kaufmännischer Buchführung vorgelegt. Demnach verfügt das Bistum über ein Vermögen von zwei Milliarden Euro.

Die am Mittwoch in Münster vor Journalisten vorgestellte Eröffnungsbilanz weist ein Vermögen von rund 2,05 Milliarden Euro aus. Die Summe setzt sich im wesentlichen aus Sachanlagen wie Immobilien und Grundstücken samt Ausstattung im Wert von etwa 743 Millionen Euro sowie aus Finanzanlagen in Höhe von rund 1,21 Milliarden Euro zusammen, wie Finanzdirektor Ulrich Hörsting erläuterte.

Dem stehen auf der Passiv-Seite ein Eigenkapital von 1,19 Milliarden Euro sowie Rückstellungen insbesondere für Pensionsansprüche von Mitarbeitern in Höhe von etwa 650 Millionen Euro entgegen.

Vollständige Transparenz durch geänderte Buchführung

Das Bistum habe sich bei der Umstellung von der Kameralistik (veraltet für Finanzwissenschaft, Anm. d. Red.) auf die kaufmännische Buchführung für das sogenannte Neue kommunale Finanzmanagement (NKF) entschieden, erläuterte Generalvikar Norbert Köster. Das erfülle nicht nur alle Vorgaben nach dem Handelsgesetzbuch (HGB), sondern gehe sogar über diese hinaus.

So lasse das NKF etwa keinen "Gestaltungsspielraum" zum Beispiel für die Verbuchung von Stiftungsvermögen. Damit entspreche man dem schon auf den früheren Bischof Reinhard Lettmann (1933-2013) zurückgehenden Wunsch nach vollständiger Transparenz.

Mit 2,05 Milliarden Euro Vermögen liegt Münster im Vergleich mit anderen deutschen Diözesen im Mittelfeld. Die Erzbistümer Paderborn und Köln hatten in ihren jüngsten Bilanzen 4 Milliarden beziehungsweise 3,4 Milliarden Euro ausgewiesen. Kleine Bistümer wie Dresden/Meißen liegen bei 450 Millionen Euro.

Rücklagen relativiere sich angesichts geringerer Steuern

Der "Reichtum" des Bistums relativiere sich, wenn man unter anderem hohe Pensionsrückstellungen betrachte, sagte Köster. Ebenso müsse man die Rücklagen der Diözese im Zusammenhang mit dem zu erwartenden Rückgang der Kirchensteuermittel in der Zukunft sehen.

Wegen des demografischen Wandels werde sich die Zahl von derzeit 1,6 Millionen Katholiken im Bistum in den kommenden 20 Jahren um rund 30 Prozent verringern, was auf die Einnahmen durchschlagen werde.

Zudem verwies der Generalvikar darauf, dass es sich bei rund einer Milliarde Euro des Vermögens um "durchlaufende Kosten" handele, darunter die Gehälter, die der Staat für die Lehrer der 32 katholischen Schule zahle. Daneben verschlängen die 733 Kirchengebäude und jeweils fast ebenso viele Pfarrhäuser, Kindergärten und Jugendeinrichtungen hohe Summen des Eigenkapitals.

Finanzdirektor Hörsting: Vergleichbarkeit ist gegeben

Hörsting trat auch der Kritik entgegen, mit dem Einsatz des NKF keine Vergleichbarkeit mit anderen Bistümern herzustellen, die nach HGB bilanzieren. Die Vergleichbarkeit sei im System gegeben. Häufig nicht vergleichbar seien die Angaben trotzdem, da jedes Bistum zum Beispiel über den Wertansatz von Gebäuden selbst entscheide, so der Finanzdirektor.

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